Donnerstag, 31. Juli 2008

Naturwunder Paracas

Nachdem wir am Morgen im Norden von Nasca noch zwei der Scharrbilder vom Aussichtsturm angeschaut hatten, waren wir einstimmig der Meinung, dass sich der Flug trotz Uebelkeit gelohnt hatte. Die Bilder waren vom Turm nur ansatzweise sichtbar, vor allem nur 2 von den ca. 20.


Dann war unser Ziel die Weinstadt Ica. Nachdem wir dort angekommen waren, sahen wir zwar ueberall die Weinduenen, von Bergen kann man bei Wein in der Wueste wohl kaum sprechen. Die Stadt mit ueber 100.000 Einwohnern schien uns nach ein paar Minuten zu wenig einladend, dass wir uns schnell wieder Richtung Panamerikana bewegten. Hier wollten wir nicht bleiben.


Im Nachhinein haben wir gelesen, dass das wohl auch daran lag, dass die Stadt letzten August zu 80% bei einem Erdbeben zerstoert wurde.


Nach ca. 30 Minuten kamen wir zur Abzweigung, die zum Nationalpark Paracas geht und den wollten wir sehen. So fuhren wir 15 km Richtung Kueste und gerieten mitten in einen dicken Sandsturm. Zu der Jahreszeit gibt es hier bis zu 3taegige Sandstuerme, die vor allem am Nachmittag ihren Peak haben. Daher heisst die Halbinsel auch "Paracas", das bedeutet auf Quechua "Sandsturm". Die Paracas-Halbinsel, südlich der Paracas-Bucht und die Islas Ballestas bilden das Nationalreservat Paracas, das am 25. September 1975 gegründet wurde und eine Gesamtfläche von 335.000 Hektar hat. Das Reservat soll die reichen Vorkommen an Mähnenrobben, Blaufußtölpeln, Pelikanen, Pinguinen und anderen Meeressäugern und Seevögeln schützen. Berühmtes Wahrzeichen war bis August 2007 die Felsformation der Kathedrale von Paracas, die beim Erdbeben von Peru 2007 zerstört wurde.
Auf der Halbinsel befindet sich eine große Felszeichnung, der Candelabro de Paracas (Der Kerzenleuchter von Paracas), der den Nazca-Linien ähnelt, aber bedeutend jünger. Er diente wahrscheinlich Seefahrern als Orientierungszeichen zur Navigation.


In dem Dorf Paracas angekommen, die genauso heisst wie die Halbinsel und der Nationalpark haben wir schnell das nettes Hostal "Santa Maria" gefunden und uns dort einquartiert. Schnell hatte sich herausgestellt, warum das Bad trotz geschlossener Fenster so gut belueftet ist:Ein Fenster hatte keine Scheibe mehr. Doch das half auch nichts um den staendigen See am Boden zu trocknen, der aus dem Waschbecken kam... Dann haben wir erst mal die Zeit genutzt und unsere Waesche gewaschen. Hier war es windig, wenn auch sandig, so dass Hoffnung auf schnelle Trocknung bestand. Meine drei Pullover hatten mittlerweile alle einen grausamen Geruch angenommen, der nicht mehr auszuhalten war. Waehrenddessen tat es einen lauten Schlag und wir sahen, wie beim Hostal gegenueber die Scheibe der Eingangstuer in 1000 Fetzen zersprang. Der Wind ist hier wirklich sehr sehr stark und gefaehrlich fuer alle beweglichen Glasscheiben.


Danach haben wir den ersten Strandspaziergang am Pazifik unternommen. Leider war der Strand alles andere als gepflegt, doch dort tummelten sich einige Pelikane. Pelikane sind viel groesser als ich dachte, aber sehr flink und beweglich. Ein Mann hat sie gefuettert und so konnten wir sie in aller Pracht bestaunen. Dann noch ein Abendessen am Strand, bei dem Flo seinen ersten Fisch probierte. Chiccharron. Das sind panierte Fischstuecke, die fritiert werden und mit Pommes gegessen werden. Ein riesen Berg, der natuerlich nicht ansatzweise bezwingbar war.


Nachdem wir die Nacht trotz dem Gekraehe von 3 Gockeln gut ueberstanden hatten, ging es am naechsten Morgen um 8 Uhr mit dem Boot zu den "Islas de Ballestas" und zur "Isla Gallan". Dort sollten wir tausende von seltenen Voegeln sehen, da diese Inseln eines der groessten Vogelgebiete der Welt sind. Wir hatten diesmal Glueck und ein echt schnelles Speedbot erwischt, auf dem wir erst mal in Schwimmwesten gesteckt wurden. Dann gings los und wir waren heilfroh, dass wir neben langen Unterhosen auch Muetzen und Handschuhe hatten, denn um die Zeit gibt es noch keine Sonne (wegen Hochnebel), so dass sehr kalt war. Nachdem wir zuerst die Felszeichnung "Kerzenleuchter" oder "Mistgabel" gesehen hatten, kamen nach 30 Min schon die Inseln in Sicht. Und dort gab es tatsaechlich viele tolle Gesteinsfarben (rot, gelb, orange, grau), jede Menge Hoehlen und Voegel aller Arten. Am meisten gab es Kormorane, Pinguine und Weisskopfmoeven. Auf den zerfurchten Felsen lagen zu unserer Begeisterung auch jede Menge Seeloewen, die wir noch nie in freier Wildbahn gesehen hatten. Meist schaaren sich 3-5 Weibchen mit gelblichem Fell um ein graues riesiges Maennchen. Wie die Tiere auf die Felsen kommen, blieb uns schleierhaft, da sie ja nur Schwimmflossen haben und doch auf sehr hohen Felsen lagen (evtl. bei Flut?). Auf den Inseln roch es ueberall nach Duenger. Hier leben nur Voegel und dementsprechend ist die Insel ueberall weiss von Vogelkot. Dieser wird einmal im Jahr "geerntet" und als Duenger teuer verkauft. Dies ist hier ein grosser Industriezweig und der sognannte "Guano" ist ein wichtiges Exportgut von Peru. Da die Inseln nicht betretbar sind, sahen wir alles vom Boot aus. Da die Wellen an den Inseln sehr hoch waren, schwankte und schaukelte das Boot ganz schoen hin und her. Bei der Rueckfahrt hatten wir nicht nur einmal das Gefuehl, in einer Achterbahn zu fahren. Ich habe selten so einen starken Seegang wie hier erlebt, doch unser Kapitaen hat die Wellen gut gemeistert.


Wieder zurueck haben wir erst mal noch eine Stunde geschlafen und noch einmal einen langen Strandspaziergang gemacht. Auf dem Rueckweg hat uns eine der Toechter des Hostals in einem "Buggie" (gesprochen B-u-g-y, nicht B-a-g-g-i-e) mitgenommen. Das ist ein Auto, das nur aus den wichtigsten Eisenstreben samt Motor und Sitzen besteht und sonst komplett offen ist. Damit werden hier Touren in der Wueste gemacht. Es hat wirklich Spass gemacht, in der Kiste mitzufahren.


Am Abend haben wir noch das Restaurant unseres Hostals getestet und haben ein tolles Essen bekommen. Nachdem es dort leckeres Eis gab, konnten wir nicht widerstehen. Schon zu lange war das letzte Eis her. Nicht, dass wir beide schon satt waren, aber das musste her. Natuerlich brauchte jeder seinen eigenen Riesenbecher, an denen wir dann klaeglich gescheitert sind, nachdem es die Bedienung einfach zu gut mit der Groesse der Kugeln meinte.


Am naechsten Morgen sollte es weitergehen... Pisco oder sogar Lima wollten wir schaffen.

Montag, 28. Juli 2008

Nasca und die beruehmten Linien

Nachdem wir am Samstag mittag in Camana gestartet waren, rechneten wir mit ca. 5-6 Std. Fahrt, 350km lagen vor uns. Entgegen unserer Erwartungen war die Panamerikana nicht nur stur geradeaus. Es gibt Kurven ueber Kurven und die liegen zum Teil gefaehrlich hoch ueber dem Meer. Kein Wunder, dass es hier jede Menge Kreuze am Strassenrand gibt. Zweimal kamen uns LKWs so nahe, dass mir fast das Herz stehen blieb, doch alles ist gut gegangen. Die Lkws haben hier Ausmasse, die man sich kaum vorstellen kann. Sie sind zum Teil 25-30m lang, haben 2-3 riesige Anhaenger und fahren wie die Henker. 110km/h sind keine Seltenheit. Sie sind meistens total ueberladen und haben alles Erdenkliche auf der Lageflaeche, mehr oder weniger gesichert.

Wir fuhren am Meer entlang, leider war es immer noch neblig. Scheint hier tatsaechlich ein Dauerzustand zu sein. Aber die Landschaft war toll. Ploetzlich standen wir mitten im feinen Sand, der zum Teil meterhoch auf der Strasse lag. So schnell kann die Strasse gar nicht gereinigt werden, wie sie wieder zugeweht wird. Kein Wunder, die Strasse geht mitten durch eine riesige Duene.

Wir kamen gegen 18 Uhr in Nasca (auch Nazca geschrieben) an. Eine nette Stadt mit 50.000 Einwohnern, die in einer Oase mitten in der Wueste liegt. Nasca ist die Hauptstadt der Nasca-Provinz in der Ica-Region, an der Mündung des Flusses Nasca. Daneben ist es auch der Name des Systemes von Tälern, in dem die Stadt liegt. Ihren wirtschaftlichen Aufschwung verdankt die Stadt den nahegelegenen Linien und Bodenzeichnungen von Nasca und Pampas de Jumana (seit 1994 Welterbe der Menschheit der UNESCO), den Nasca-Linien.


Die Nasca-Linien sind riesige Scharrbilder (Geoglyphen) in der Wüste. Die Nasca-Ebene zeigt auf einer Fläche von 500 km² schnurgerade, bis zu 20 km lange Linien, Dreiecke und trapezförmige Flächen, sowie Figuren mit einer Größe von zehn bis mehreren hundert Metern, z. B. Abbilder von Menschen, Affen, Vögeln und Walen. Oft sind die figurbildenden Linien nur wenige Zentimeter tief. Durch die enorme Größe sind sie nur aus großer Entfernung zu erkennen.

Entdeckt wurden die Nasca-Linien erst in den 1920er Jahren, als die ersten kommerziellen Fluglinien über die Nasca-Wüste flogen und Passagiere die Linien ausmachten. Entstanden sind die Bilder durch Entfernung der oberen Gesteinsschicht, die von Wüstenlack überzogen ist. Dieser Wüstenlack besteht aus einem rostroten Gemisch aus Eisen- und Manganoxiden. Dadurch kommt das hellere Sedimentgemisch zum Vorschein und bildet deutlich sichtbare, beigegelbe Linien. Immer noch ist vieles ungeklärt, jedoch wird eine Mischung aus agrikultureller, astronomischer und religiöser Bedeutung der Linien angenommen.

Natuerlich wollten auch wir die geheimnisvollen Linien sehen. Flo wollte unbedingt einen Rundflug machen, ich war davon weniger begeistert. Ein Flug mit einem kleinen Huepfer war nun nicht so unbedingt mein Fall. Aber schliesslich ist dies die einzige Moeglichkeit, die Bilder zu sehen. Von dem Aussichtsturm kann man naemlich kaum etwas erkennen. Gesagt, getan. Wir fuhren zum Flughafen und buchten einen Flug (30 Min fuer 70 Dollar ist ja noch bezahlbar). Da in der Frueh starker Nebel war, sollte unser Flieger um 14.30 Uhr abheben. Damit hatten wir noch 3,5 Std. Zeit. Was tun? Obwohl Sonntag war, hatten wir gesehen, dass hier in Nasca alle Geschaefte offen hatten. Das war was ganz Neues fuer uns. Bisher war am Sonntag ueberall tote Hose, selbst Restaurants hatten zu. So fragten wir uns durch und hatten bald mit *Mao* eine Autowerkstatt gefunden, der wir unseren Auspuff anvertrauten. Zuerst dachten wir, wir haetten nur ein Loch. Als das zugemacht war, roehrte Schorsch immer noch. Natuerlich wollten die Herren gleich den kompletten Auspuff auswechseln, doch darauf liessen wir uns nicht ein. Schliesslich wird hier alles und jedes geschweisst, das musste bei uns auch gehen. Noch ein Blick unter das Auto brachte die Wahrheit ans Licht. Der Auspuff war hinten komplett abgerostet und hing herunter. Durch das Gewackel auf dem Acker 6 Stunden lang hatten wir ihm scheinbar den Rest gegeben. Deswegen zog der Schorsch auch nicht mehr richtig. Nun fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Das musste gemacht werden, denn so konnte man weder fahren noch das Auto verkaufen. Also. Ueber die Grube mit der Karre und los gings. Nun wurde geschweisst und gebastelt und eine Stunde spaeter war der Auspuff wieder dran und das Roehren weg. Der Spass hat uns 8 EUR gekostet, die wir diesmal ohne Handeln bereitwillig bezahlt hatten. Wir waren uebergluecklich, am Sonntag in der kurzen Zeit unseren Auspuff wieder heil zu haben. Nasca gefiel uns. Hier wurde nicht lange gefackelt. Dann noch was Essen und schon gings los zum Flughafen.


Dort angekommen bekamen wir erst mal einen Film ueber die Linien gezeigt. Dann hiess es warten. Unser Flug war nun auf 15.30 Uhr verschoben, da wegen dem morgendlichen Nebel keiner fliegen konnte und so einige Fluege aufgelaufen waren, die noch vor uns waren. Dann noch mal Verzoegerung und um 16 Uhr ging es endlich los. Wir hatten einen sehr netten stattlichen Piloten. Dazu kamen ein Hollaender und ein japanisches Paaerchen. Wir sassen hinten und hatten die beste Sicht. Schon ging es los. Der Pilot flog sehr sicher und wir hatten unseren Spass. Er gab ueber Kopfhoerer Anweisungen, wo welche Bilder zu sehen waren. Die ersten Linien und Bilder kamen bald in Sicht und man konnte eine Katze, eine Sonne, eine Spinne, einen Vogel, einen Austronauten, einen Affen und ein paar weitere Gebilde erkennen. Der Pilot flog ganz enge Kurven um die Bilder und dementsprechend neigte sich der kleine Flieger zur Seite. Innerhalb kurzer Zeit hatte die Japanerin die Tuete vor der Nase und fuellte sie in kurzen Abstaenden. Natuerlich wurde zwischen dem Kuebeln immer wieder der Fotoapparat gezueckt, schliesslich muss man Fotos mit nach Hause bringen. Dann noch die Tuete vom Nachbarn eingefordert und so ging es weiter. Wir versuchten auch Bilder zu machen, doch das war gar nicht so einfach, dann haben wir einfach blind fotografiert, werden schon was erwischt haben...

Auch wir hatten unsere Probleme. Mittlerweile war auch uns speiuebel, stopften einen Kaugummi nach dem anderen in uns, tranken Wasser und kaempften. Bilder wollten wir nun auch keine mehr machen, wir hatten andere Sorgen. Nur nicht auch die Tuete gebrauchen muessen. Durch den schnellen Druckverlust und die Kurven hatten wir beide leicht mit dem Kreislauf zu kaempfen. Nun hofften wir nur noch, schnell wieder runter zu kommen, so toll die Bilder am Boden auch sind. Und Gott sei Dank verging die Zeit schnell. Wir konnten die Tuete verhindern, doch gereicht hat es uns beiden. Wir waren echt froh, wieder aus dem Huepfer rauszukommen und brauchten erst mal frische Luft.


Dann sind wir in die Stadt zurueck und haben unser Auto wieder in die Garage gefahren, die von einer netten Familie betrieben wird. Dort parkte Flo rueckwaerts ein, sah noch was Gelbes hinter sich am Boden, dachte es sei eine Tuete und es krachte. Er fuhr ueber ein Spielzeugauto des Kindes, das es in 1000 Fetzen zerrissen hat. Wir haben erst mal alle gelacht. War alles halb so schlimm, doch natuerlich war es uns peinlich. Nun haben wir ein Neues am Markt erstanden, obwohl die Dame meinte, das sei absolut unnoetig. Doch uns plagte das schlechte Gewissen.


Dann gab es auf dem Markt noch leckere frische Teigteile, die frisch aus dem Fett kamen. Genau das Richtige, wenn es einem eh schon schlecht ist. Wir haben uns nach der ersten¨Portion gleich noch eine Zweite geholt, so lecker waren die Kringel. Dazu gab es Honig. Die Teilchen lagen auf einem Plastikteller und schwammen in dem Honig. Natuerlich bekam ich wieder mal nicht genug und ass viel zu schnell. Die Dinger waren einfach zu lecker. So hielt ich den Teller etwas schraeg und der Honig lief mir in Stroemen in den Aermel nach innen. Iihhhhhh. Ich habs erst gemerkt, als es schon zu spaet war. Alles pappte innen. Und die Haende erst recht. Trocknen wollte das Ganze nicht so recht, aber es reichte, dass mir der Aermel am Arm festpappte. Lecker...Da half nur noch Duschen und zwar mit dem Pulli...


Am Abend suchten wir noch ein nettes Restaurant, die Bedingung war, dass es warm sei. Doch das ist hier schwer zu finden, denn alle Restaurants sind nach vorne hin offen, ueberall sitzen Leute mit Jacken und Muetzen. Schliesslich fanden wir was und es war lecker. Nachts hatten wir wieder mal ein paar laermende Amerikaner am Gang, die sich verhielten, als wollte jeder ihr Geschrei (fraenkisch: Gschmarri) hoeren, doch wir konnten ja nicht aus. Unser Zimmer liegt einfach zu weit vorne beim Fruehstuecksraum. Nichtsdestotrotz haben wir bis Mittags ausgeschlafen (endlich mal wieder), bis uns endlich der Desfile (Umzug) aus dem Bett riss. Schliesslich ist es der 28.7. der perunanische Unabhaengigkeitstag und es waren wieder jede Menge Festivitaeten angesagt. Wir sahen ein Teils des Umzugs, diesmal gab es sogar Verkleidungen als Kammerjaeger, Holzarbeiter mit Kettensaege und Pestbekaempfer, sehr lustig. Dann haben wir den Nachmittag mit Essen und Internet verbracht. Schliesslich wollen die vielen Bilder auch mal gesichert werden und hier gibt es schnelles Netz.

Morgen wollen wir weiter Richtung Ica. Vorbei an den Linien ist unser naechstes Ziel *die* Weinanbaustadt in Peru und wir sind gespannt.




Sonntag, 27. Juli 2008

Richtung Panamericana

Am Freitag sind wir wieder mal sehr zeitig aufgestanden, denn schliesslich wollten wir in der Frueh am *Cruz del Condor* die maechtigen Kondore fliegen sehen. Dazu fuhren wir an einen Aussichtspunkt mit dem genannten Namen (20km vor Cabanaconde) und waren gegen kurz nach 8 Uhr dort. Angeblich sind die Voegel nur zwischen 8 und 10 bzw. am Abend gegen 17 Uhr zu sehen, da sie in dieser Zeit nach Futter suchen. Da dies ein Hauptbestandteil der Touritouren ist, waren ausser uns natuerlich eine Million (oder so) Touristen aus aller Welt in Busscharen da. Damit war es zwar aus mit der Ruhe, aber wir waren ja neugierig. Wir hatten ja schon den ein oder anderen Kondor fliegen sehen, doch ueber der Schlucht des Colca Canyons war dies natuerlich spektakulaerer. Wir suchten uns einen guten Platz und dann hiess es warten und das dauerte. Nach 30 Minuten hatten wir die Nase voll. Kein Kondor in Sicht. Wir gaben den Voegeln nochmal die obligatorischen 5 Minuten und schon kam der Erste in Sichtweite. Ein riesiger schwarzer Vogel mit weissem Kragen, der durch die Luft schwebte. Durch die Morgensonne war die Thermik ueber dem Canyon besonders stark, so dass das Gleiten wunderschoen aussah. Innerhalb weniger Momente kamen noch ca. 8 Voegel in Sichtweite, die vor unseren Augen auf Nahrungssuche gingen. Wir beobachteten sie eine Weile und machten uns dann vom Acker. Schliesslich hatten wir alles gesehen und noch einiges vor uns...


Unser Plan fuer den Tag war bis zur Panamerikana und dann noch ein Stueck weiter zu kommen. Allerdings wollten wir nicht den gewoehnlichen Weg Richtung Osten nehmen. Wir hatten vor, Richtung Westen und dann Sueden zu fahren, um ca. 2 Std. Fahrt zu sparen und nicht noch einmal ueber Arequipa zu muessen. Allerdings ist die Strecke ca. 145km lang (laut Karte), wovon ca. 120km Acker sind. Das bedeutete ca. 4-6 Std. Fahrt bis zur Panamerikana. So starteten wir gegen 9.20 Uhr in Cabanaconde und fanden auch schnell die Strasse. Schliesslich gab es nur eine. Laut Karte sollte der naechste und einzige Ort auf der Strecke Huambo nach ca. 24 km sein. Wir fuhren also auf dem Acker durch tolle Landschaft und sahen die ersten Kilometer noch ein paar Menschen. Dann wurde es leer. Nach knappen 2 Std. waren wir 50km gefahren und noch kein Huambo war in Sicht. Bravo. Da uns bisher auch nur ein Auto auf der ganzen Strecke entgegen gekommen war, war uns doch etwas mulmig. Endlich ein Mensch in einer Huette in Sicht. Nachfragen. Wie immer. Er meinte, Huambo kaeme nach der Kurve. Buhhh, Gott sei Dank. Wir waren richtig. Nicht, dass es viele Abzweigungen gegegen haette, aber komisch ist das schon, so lange niemand zu sehen. Die Landschaft war ganz verschieden, Berge ueber Berge in allen Farben und Serpentinen ueber Serpentinen. Aber wunderschoen. Ein paar Kurven und 15 Min spaeter kamen wir tatsaechlich nach Huambo. Dort mussten wir wir immer ueber den Dorfplatz. Wir fanden einen Polizist, der nichts zu tun hatte und der froh war, mit uns jemand zum Plaudern zu haben. Das ist hier ganz oft so. Die Polizisten haben Langeweile und freuen sich, sich mit uns einfach nur zu unterhalten. So fragte er uns, wo wir herkaemen, hinwollten und so weiter. Wir gaben bereitwillig Auskunft, schliesslich war er sehr nett. Er wollte, dass wir einen weiteren Polizisten mitnaehmen zur Panamerikana. Doch wir lehnten ab mit dem Hinweis, unser Schorsch sei voll, was ja auch stimmte. Solch eine Umraeumaktion mit dem Gepaeck hatten wir einmal gemacht und wollten wir nicht nochmal haben. Schliesslich weiss man nie, wen man da mitnimmt. So fuhren wir weiter. Nach kurzer Zeit wurde der Acker immer schlechter. Querrillen ohne Ende, auf denen man einfach keine richtige Geschwindigkeit fand, da alles wackelte und schepperte. Das nervigste war, wir hatten entdeckt, dass unser Schorsch seit dem Morgen sehr stark nach Abgas stank, wenn man das Fenster aufmachte. Und der Auspuff wurde von Stunde zu Stunde lauter. Bald war klar: der hat irgendwo ein Loch. Kein Wunder bei der Beanspruchung. Wir fuhren und fuhren und die einzige Orientierung waren die Kilometerstandsschilder am Strassenrand alle paar Meter. Noch 90km, noch 70km, noch 50km. Es zog sich und kein Ende war in Sicht. Wir wechselten uns immer wieder mit dem Fahren ab, denn man musste sich so stark konzentrieren, dass einem bald die Augen uebergingen vom staendigen Starren auf Acker und Loecher. Zwischendrin mal ne Semmel und ne Trockenwurst, aber besser als nichts. War eben wieder mal ein¨*Brot-und-Wasser-Tag*, die kannten wir ja mittlerweile zur Genuege. So zwischendrin hatte ich wirklich Angst, dass die Achse der Raeder vom Auto bricht, so hat es mit den Loechern und Rillen gescheppert. Doch man konnte noch so aufpassen, das war unvermeidlich. Wir fuhren durch das absolute Nirvana, irgendwann wurde es trocken, nur noch Steine und Sand. Wir waren in der Wueste angekommen. Da waren wir bisher auch noch nicht mit eigenen Auto gewesen. Eine ganz neue Erfahrung. Kein Fluss, keine Pflanze, kein Haus, kein Mensch, nichts in Sicht und das ueber Stunden. Da wurde uns doch immer wieder mal mulmig. Was waere nur, wenn der Schorsch hier den Geist aufgaebe? Nur nicht daran denken, es wir schon gut gehen. Immerhin hatten wir genug Wasser und Essen. Das beruhigte. Laut Karte sollten die letzten 25 km Teerstrasse sein. Darauf hofften wir, denn der Acker war mittlerweile echt schlimm. Man konnte nur ca. 10-40km fahren, je nach Loechern. Die Kilometerzaehler zeigten nur noch 30km an. Bald musste der Teer kommen. Doch stattdessen kamen immer wieder neue Berge in Sicht, um die man sich schlaengeln musste. Aber in der Ferne meinten wir schon das Meer zu sehen. Im Dunst. Sollte auch hinkommen. So waren es nur noch 20km, ein paar Haeuser kamen in Sicht. Nun musste auch der Teer kommen. Nix. Wieder weiter in der Wueste. Der Sand wurde immer feiner, der Polvo immer mehr. Alles war voller Staub, einschliesslich uns. Dann der letzte Berg und noch ein paar Huetten. Dann fingen die krassesten Querrillen an, die wir je gesehen hatten. Wir waren uns absolut uneinig, wie da am besten drueber zu fahren. Jeder wusste es besser, beide durften wir testen. Doch egal wie schnell und an welcher Stelle, die Rillen waren echt unmoeglich zu befahren. Eine halbe Stunde spaeter und viele Nerven weniger hatten wir es geschafft. Die Panamerikana war erreicht und damit wieder die Zivilisation. Wir waren beide voellig am Ende, doch froh, die krasseste Strasse unseres bisherigen Lebens bezwungen zu haben. Alles in allem war die Strecke 170km lang und keine 140km. Und Teer gab es auch keinen. Und Huambo war auch nicht da, wie eingezeichnet. Die Karte log an allen Stellen. Wir haben fuer die Strecke 6 Std. gebraucht.


Nach kurzem Tanken und Durchschnaufen genossen wir den Teer der Panamerikana. Nun ging es erst mal geradeaus. Was fuer eine Erholung. Wir kamen durch rote Wuestenberge, die mal aus Stein, mal aus Sand sind. Und es war dunstig, so dass das Meer nicht in Sicht war, obwohl wir nicht weit davon weg waren. An manchen Stellen hatte die Wueste weisse Stellen, die aussahen wie Schnee. Schnee in der Wueste? Natuerlich nicht. Hier ist das Gestein einfach weiss. Und es war kalt. Richtig kalt, so dass wir Pullis und Jacken anziehen mussten. Nach ca. 1,5 Std. erreichten wir Camana. Die Stadt liegt genau an der Stelle, an der die Panamerikana auf das Meer trifft. Endlich. Wir hatten uns das Meer so toll vorgestellt. Doch nix. Es war kalt, unheimlich windig, dass man kaum aussteigen konnte und komplett im Nebel. Kein blauer Himmel, nur Dunst. Schade. Aber das hatten wir ja schon gehoert. Die Wolken nehmen ueber dem Meer Wasser auf und ziehen ueber die Berge und regnen dann ab. Daher ist das Gebiet zwischen dem Meer und den Anden Wueste, weil es hier nie regnet. Und hier waechst absolut nichts mehr.

In Camana haben wir uns ins beste Hotel einquartiert, um endlich eine vernuenftige Dusche zu haben. Leider war diese wiedermal kalt, aber immerhin. Wir waren endlich vom Polvo befreit.
Am Abend noch ein kurzer Streifzug durch die Stadt. Ganz nett hier, wenig Touris. Ein leckeres Essen und nur noch schlafen.

Am Samstag morgen wollten wir unbedingt noch den Schorsch vom Polvo befreien, denn so konnten wir nicht weiterfahren. Alles war voller Staub. Ein netter Herr zeigte uns eine Autowaescherei, dort gaben wir das Auto vor dem Fruehstueck ab. Zurueck ging es zum Hotel mit dem ersten suedamerikanischen Tuktuk. Die sind noch besser als in Asien, da die Sitzbaenke viel bequemer sind und man sitzt wie in einer Rikscha. Perfekt. 2 Std. spaeter war Schorsch sauber und wir gluecklich. Nun konnte es weiter Richtung Nasca gehen.

Samstag, 26. Juli 2008

Tour durch den Colca Canyon

Am Montag waren wir nach der Rafting Tour noch mit unseren beiden Mitpaddlerinnen Nicole und Angie beim Essen und haben die Bilder ausgetauscht, die wir ueber die Agentur erstanden hatten (die CD). Natuerlich haben wir ein paar davon auch hochgeladen. Wir haben mit den beiden vereinbart, dass wir gemeinsam zum Colca Canyon fahren. Alle bis auf mich waren sich einig, dass die Tour im Canyon auch ohne Agentur schaffbar sein sollte. So hatten wir also nichts gebucht, auch wenn die Diskussion darum nicht ohne war.

Dann haben wir ausgemacht, dass wir ausprobieren, ob wir alle gemeinsam mit Schorsch nach Cabanaconde fahren koennen oder ob es zu viert doch zu eng ist. In der Frueh hat Flo nach einigen Verwirrungen das Auto wiedergefunden. Es stand noch in der Garaje des Hostals, nur leider wusste der Rezeptionist nicht mehr, wo die Garaje genau war und schickte Flo in die Wueste. War es nun im 1. , 2. oder 3. Quadra? Das ist ein Riesenunterschied, vor allem wenn man zu Fuss unterwegs ist. So haben wir etwas verspaetet festgestellt: zu viert im Schorsch mit Gepaeck, das geht ja gar nie und nimmer. Wir riefen Angie und Nicole an, so dass sie doch mit dem lokalen Bus fahren mussten. Eigentlich riefen wir nicht direkt bei den Beiden an, sondern in ihrem Hostal. Nachdem Susi in englisch versucht hat, mit einer Rezeptionistin zu sprechen und nach ca. 2 Minuten verzweifelt aufgelegt hatte (die sprach immer nur davon dass es Zimmer mit Dusche und warmem Wasser gibt ... davon dass Susi nach Angie fragte wollte sie nichts wissen) versuchte Flo es - mit spanisch. ¡Quiero hablar a Angie o Nicole! De Suisa, si. Und tata ... Nicole war am Apparat. So einfach geht das!

Als wir unser Auto vollgeladen hatten, welches wir auf dem Seitenstreifen illegal abgestellt hatten (nur zum beladen), kam auch schon eine ca. 20 jaehrige Politesse auf uns zu. Sie fragte Flo *Tiene papeles?* Flo sagte natuerlich brav und mit tiefer Stimme *Siiiii*. Damit traute sie sich nicht mehr danach zu fragen und machte uns noch darauf aufmerksam, dass wir hier nicht parken dueften. Nach dem obligatorischen Dummstellen durften wir losfahren...Das half wirklich immer.

Die Fahrt ging ueber Acker, Teer und noch mehr Acker nach Chivay am Anfang des Colca Canyons, vier Stunden von Arequipa entfernt. Dort ein kleines Mittagessen und weiter gings. Nochmals 2 Stunden auf noch mehr Acker nach Cabanaconde. Die Strasse hier war kaum noch befahren, waehrend wir nach Chivay noch zig Touribusse ueberholten, die an jedem Lama und an jedem Wasserfall anhielten (der gefrohrene war wirklich toll).

In Cabanaconde angekommen ging es erstmal darum, das reservierte Hostal zu finden. Das Kaff besteht aus mehr Haeusern als wir zuerst gedacht hatten und nachdem wir 6 Eseln, drei Schafen und zwei an der Leine gefuehrten Lamas ausgewichen waren standen wir tatsaechlich schon davor: Hostal Valle de Fuego ... very Basic!

Natuerlich gab es nicht die zwei reservierten Doppelzimmer, sondern nur die Wahl zwischen zwei Vierer-Zimmern fuer 20 Sol / Person / Nacht. Nunja, wir suchten uns das schoenere aus und entdeckten gleich noch eine "Wasserstelle" (Wasserhahn) auf dem Gang. Endlich eine Gelegenheit unser Auto wieder anfassbar zu machen. Gesagt getan - der Wirt gab uns noch einen Schlauch, damit es schneller geht - und der Dreck (zumindest der lockere Staub) war schnell abgespuehlt.
Danach warteten im kerzenbeleuchteten "Restaurant" neben dem offenen Kaminfeuer auf die beiden Maedels. Zu Essen gab es entweder Suppe und a) Reis, Gemuese und Carne oder b) Reis, Gemuese und Fisch oder c) Reis, Gemuese und Huhn. Nachdem am Nachbartisch nur Reis mit Gemuese stand, bestellten wir das gleiche :-)

Waehrend des Essens hoerten wir uns die lokalen Angebote fuer Touren an - der Wirt ist gleichzeitig auch Guide hier. Nachdem sein Preis fuer die gleiche Tour hoeher lag als bei den grossen Agenturen, die von Arequipa aus starteten, lernten wir folgendes: Alle die nicht mit ihm unterwegs waeren, wuerden 1. sehr viel schlechter schlafen, 2. viel weniger zu Essen bekommen, 3. nur in riesigen Gruppen wandern und 4. das Doppelte fuer evtl. benoetigte Esel bezahlen. Nunja wir wussten jetzt, dass wir ihn nicht buchen wuerden, weil uebers Ohr hauen koennen wir uns auch selbst - gell Herr Hoellaender von CXC aus Coroico!

Sobald die Maedels da waren - Nicole ging es auf der Fahrt im Local-Bus wegen Migraene richtig schlecht - entschieden wir, dass wir alleine laufen wollten. Die Wege waren auf einer kleinen Karte ganz gut eingezeichnet und mit ein bisschen Nachfragen auf der Strecke sollte es gehen (falls es da jemand gaebe:))

Die Tour: Von Cabanaconde (am Suedrand des Canyons) nach St. Juan de Chuccho und weiter ueber Malata zur Oase Sangalle (ein kleines flaches Stueck Land, direkt im Canyon mit gruenen Wiesen, Baeumen und Swimmingpools). Dort uebernachten und dann am naechsten Tag zurueck nach Cabanaconde.

Am naechsten Morgen standen wir wieder frueh auf und stellten um kurz nach sieben unser Auto mit allem Gepaeck, das wir fuer die Wanderung nicht mitnehmen wollten, bei der lokalen Polizeistation unter - der sicherste Ort fuer einen Tag und eine Nacht hier. Kosten: nix ... ausser einer kleinen freiwilligen Gabe von 5 Sol.
Dann ging es los: Die ersten Meter waren schnell gegangen und wir kamen an die "Kante" zum Canyon ... ein atemberaubender Blick! Nachdem wir mit dem Guide einer anderen Gruppe gesprochen hatten ("immer links halten"), ging es an den Abstieg. Nach ca. 3 Stunden steil nach unten auf Schotter und mucho Polvo (Staub) - fast nur in der prallen Sonne mussten wir rasten, weil Susi etwas Probleme mit dem Kreislauf hatte. Es ist mega anstrengend dauernd Stufen zu laufen und dann noch ein Weg ohne Schatten ...
Nach einer kurzen Rast stiegen wir eine weitere halbe Stunde ab und waren endlich an der ersten "Puente" (Bruecke) angekommen. Beim Aufstieg auf der gegenueberliegenden Seite waren wir schon alle ziemlich fertig und so kam uns die "Posada Roy" in St. Juan de Chuccho gerade richtig. Ein kleines Paradies mitten im Nichts.


Nachdem wir uns nicht vorstellen konnten, auch nur eine halbe Stunde weiter zu gehen, bestellten wir uns dort Mitagessen (die besten Spaghetti mit Tomatensosse die wir auf unserer Reise bekommen haben) und quartierten uns gleich ein. Die beiden netten Schweizerinnen zog es weiter und so gaben wir ihnen unseren Zweitschluessel vom Auto mit, damit sie auch an ihr Gepaeck kommen konnten, falls wir uns vorher nicht mehr treffen.
Kaum waren die Beiden ausser Sichtweite, fragte uns die super nette Hauswirtin, wo die beiden denn hin wollten ... Richtung Oase ging es unten rum weiter. Der Weg, den die beiden genommen hatten, wuerde ins naechste Dorf, 3 Stunden den Berg hinauf fuehren. Nunja, nachdem wir keinen Empfang am Handy hatten, konnten wir hier leider nicht helfen. Wir haben noch ein wenig die fetten Huehner beobachtet, ein wenig mit der Hausherrin geplaudert und vor allem unsere Klamotten von ca. 3 kg Polvo befreit.
Wie wir schnell merkten, hatte weder unser Zimmer noch irgend ein anderer Raum elektrisches Licht und so konnten wir bei romantischem Kerzenschein unser Abendessen (in der Kueche wird auch nur mit Kerzenlicht gekocht) geniessen. Der Sternenhimmel ist gigantisch, wenn keine Strassenbeleuchtungen oder andere Lichter in der Naehe sind! Fix und fertig haben wir uns um halb 8 ins Bett gelegt und sind sofort eingeschlafen.

Nach einer erholsamen Nacht (nur mit Eselheschrei)- die gar nicht so kalt war wie gedacht - gab es gemuetlich Fruehstueck (Panqueques mit Honig!) und wir lernten auch gleich das Geschaeftsmodell unserer Wirtin kennen. Sie kann mittels einem halben Fernglas genau sehen, wer innerhalb der naechsten Stunde zur Bruecke kommen wird. Nachdem sie fast alle Guides kennt, kann sie sagen, welche Gruppe wo einkehren wird und die Einzelreisenden faengt sie an der Bruecke ab, verkauft ihnen Wasser und Suessigkeiten und laed sie zu sich ins Casa ein. Sehr schlau.

Wir haben die nette Frau gefragt, wie wir auf dem schnellsten Weg zur Oase kommen, denn der Herkoemmliche ueber die Doerfer dauert ca. 5 Std und das war uns zu weit. Wir wussten von einem direkten Weg am Fluss entlang, der aber ohne Guide nicht zu finden war. So haben wir sie gefragt, ob sie uns nicht ihren Sohn mitschicken kann, der Guide ist. Der kannte aber den Weg nicht und so schrieben wir die Abkuerzung schon ab. Ca. 10 Min spaeter kam eine andere Frau aus dem Dorf mit ihrer Tochter vorbei und die kannte den Weg. So hat sich angeboten, dass sie mit uns geht. Gesagt, getan. So sind wir in ca. 2 Std. auf und ab, wieder in Hitze, aber diesmal mit manchmal Schatten auf dem Berg ueber der Oase angekommen (ganz schoen anstrengend). Auf dem Weg dorthin gab es 1000 Abzweigungen und er ging an einigen steilen Ecken vorbei, wo man besser nicht hinunter sah. Einmal durch den Fluss. Allein war der Weg wirklich unfindbar. Die restliche Stunde sind wir allein gegangen, haben die Wasserfaelle gegenueber bestaunt und konnten es kaum erwarten, in der Oase Sangalle anzukommen.

In der Oase gibt es drei Grundstuecke, die alle ein Schwimmbecken mit Wasser aus einer Quelle haben, eine Huette mit Mittagessen und ein paar Bambusbungalows mit superdurchgelegenen Betten. Nachden wir uns abgekuehlt hatten und unsere Klamotten zum Trocknen ausgelegt hatten, gabs wieder mal Spaghetti, diesmal leider nicht so lecker wie am Vortag. Schnell war entschieden, dass wir uns die Betten fuer die Nacht nicht antun wollten. Zudem hatten wir Bedenken, dass es in der Nacht zu kalt werden wuerde.

Da Susi beim Aufstieg sehr zu kaempfen hatte - sie hatte sich beim Rafting eine Rippenprellung geholt- musste eine Loesung her. Es hiess, dass der Aufstieg 4 Std. seien, unsere Fuehrerin hatte was von 2 Std. erzaehlt. Es sah nicht so weit aus, aber so ganz trauten wir dem Frieden nicht. Und: es war wahnsinnig heiss. Und wir konnten uns nicht vorstellen, vor 15 Uhr loszugehen, was bei 4 Std. Aufstieg bedeutet haette, allein im Dunkeln zu laufen (um 17.30 Uhr ist es dunkel). Viel zu riskant, denn dunkel heisst hier absolut finster. So haben wir uns entschieden, 2 Mulis zu mieten. Wir wussten von der Hausherrin vom Vorabend, dass ein Muli (en espanol: mula) 80kg schleppen kann, ein Esel (en espanol: burro) nur 40kg. Zuerst dachten wir an einen Muli fuer das Gepaeck und/oder uns. Doch es geht nur Mensch oder Gepaeck, da die Gepaeckmulis keinen Sattel, sondern ein Gepaeckgestell haben. So haben wir uns fuer 2 Mulis entschieden und wollten unseren Rucksack am Ruecken tragen. Wir haben den jungen Mann von der Oase gefragt, wo wir einen Muli herbekaemen und der sprang gleich los, seinen Onkel zu fragen, der welche hatte. Der war leider nicht da, so musste der Nachbar ran. Wir bekamen einen Sonderpreis und bezahlten fuer die beiden Mulis 80 Sol. Susi hatte grosse Bedenken wegen dem Ritt, denn sie hat ja eine Pferdeallergie. Doch es half nix, so weit Laufen ging mit der Prellung auch nicht mehr. Immerhin waren wir an der frischen Luft, wird schon gehen. So gingen wir in einer Gruppe mit 4 Mulis, auf denen wir sassen und noch 2 Franzoesinnen. Wir hatten null Reiterfahrung, die anderen auch nicht. Aber der Mulitreiber (Nachbar) meinte, einfach draufsetzen und los. Und so war es. Susi voran, dann die beiden Maedels, dann Flo, dann der Mulitreiber. Und wir ritten los. Was bloed war, Flos Muli hatte keinen Sattel, nur ein paar Decken auf den Muli gebunden und das hiess, er konnte sich nicht so einfach festhalten, sondern klammerte sich permanent irgendwie an Decke und Muli, in der Hoffnung, dass das ginge. Nun hiess es ca. 2 Std. bergauf mit den Mulis, die wirklich wahnsinnig schnell waren und unglaublich belastbar sind. Susi war ganz begeistert vom Reiten und trotz Allergie ging es sehr gut. Der Hintern tat zwar schnell weh, aber es ging besser als gedacht. Flo kaempfte. Und zwar so, dass er bei der Haelfte der Strecke schon damit liebaeugelte, lieber zu laufen und nur den Rucksack auf den Muli zu schnallen. Doch es gab keine Pause, der Mulitreiber liess den Tieren und uns keine Verschnaufpause und Flo harrte aus. Der Treiber rannte wirklich den Berg nach oben, Wahnsinn. Der war die Strecke gewohnt. Beim Abstieg am Tag vorher hatten wir noch gelacht und gemeint, dass wir so einen Muliritt nie machen wollten, weil es ja eh so steil runter ging und das Ganze noch auf dem Ruecken eines Tieres, nein danke. Und da waren wir nun: natuerlich gingen alle Mulis immer den Weg, der am naehesten am Abhang war. So ein Muli hat auch einen ganz anderen Wendekreis als wir, das muss man erst mal kapieren. Nach einer halben Stunde hatten wir uns mehr oder weniger damit abgefunden, dass wir dem Gaul vertrauen mussten. Es half ja nix. Er wuerde schon wissen, was er tat und immerhin hat auch er einen Ueberlebenswillen. Oben ging es dann noch ein Stueck bergab, das war echt nicht lustig, weil der Gaul rannte und wir uns an ihn klammerten, in der Hoffnung, nicht runterzufallen. Flo ohne Sattel hatte grosse Muehe, doch der Mulitreiber sagte ihm, wie es klappt, nicht runterzufallen, was mehr oder weniger klappte. So kamen wir tatsaechlich nach etwas mehr als 2 Std. Reiten in der Sonne oben an. Der Weg kam uns auf dem Muli noch weiter vor als von der Oase aus nach oben geblickt. Susi war klar, das waere zu Fuss mit der Rippe nie machbar gewesen, Flo war nur noch froh, vom Gaul zu kommen. Alle Knochen waren eingerostet, die Beine zitterten, doch wir hatten es geschafft und waren um eine Erfahrung reicher.

Wir haben dann schnell das Auto aus der Polizei geholt, alles war bestens. Wie vereinbart hatten die beiden Schweizerinnen ihr Gepaeck rausgeholt und den Schluessel im Auto eingesperrt. Alles bingo. Wir haben ein nettes Zimmer in der "Posada del Conde" bezogen, das mal nicht ganz basic war und wollten nur noch duschen. So eine Dusche nach 2 solchen Tagen ist wirklich ein Traum. Wir hatten wieder mal 5kg Polvo an uns, unglaublich, wie man nur so dreckig sein kann. Diesmal sind wir "erst" um 21 Uhr tot ins Bett gefallen und bis auf ein paar Esel und Hunde haben wir gut geschlafen. Am Morgen gabs noch ein leckeres Fruehstueck (die Semmeln sind hier echt super) und noch ein "Guten Morgen" vom peruanischen Kellner, der sehr zuvorkommend ein paar Worte in allen moeglichen Sprachen an seine Gaeste richtete.

Nun sollte es weiter Richtung Panamericana gehen, doch es vor uns lagen 5 Std. Acker....



Montag, 21. Juli 2008

Rafting auf dem Rio Chili

Gestern abend haben wir wieder einmal hoffnungslos versucht, ein Abendessen in einem Restaurant zu bekommen. Es ist hier wie ueberall: am Sonntag sind alle Gehsteige hochgekappt und man bekommt einfach nix. Nach langem Gesuche sind wir in einem Laden geladet, der aussah wie ein deutsches Wohnzimmer vor 30 Jahren. Der Kellner in seinem Konfirmationsanzug und seiner Hornbrille passte bestens dazu. Das Essen war miserabel, aber wir waren satt am Ende. Immerhin.


Heute hiess es um 7.30 Uhr aufstehen und um Punkt 9 Uhr wurden wir zum Rafting von der peruanisch-schweizerischen Agentur abgeholt (Agentur befindet sich in der Calle Jerusalem ca. Nr. 400). Wir fuhren ca. 20 Minuten zum Einstiegspunkt und bis dahin war klar, dass wir mit zwei netten jungen Schweizerinnen, Angie und Nicole das Boot teilen wollten. Nach einer sehr ausfuehrlichen Einweisung hatten wir alle Komandos mehr oder weniger begriffen und wurden eingekleidet. Das hiess: Aussziehen bis auf die Badehose, dann Hose und Jacke an, die halbwegs wasserdicht waren. Schwimmweste an und Helm auf. Das Equipment war fast neu und sehr gut in Schuss, sogar die Helme haben gepasst. Das hatten wir bisher noch nie. Wir waren 3 Boote und ein Kajak, das sicherheitshalber nebenher fuhr und auch Bilder machte. Wir waren 4-5 Leute im Boot samt Guide, das war optimal. Vor uns fuhr noch eine andere Gruppe, die mit 8-10 Leuten im Boot war. Das war sehr eng, da geht schnell einer ueber Bord.


Nach einigen Uebungen im Wasser ging es los. Unser Guide Hugo war sehr professionell und hatte alles super im Griff. Er macht die Tour jeden Tag mindestens einmal und das merkte man. Die Strecke war alles andere als einfach, denn sie hatte Stromschnellen der Stufen 3 und 4, das maximale sind 5. Zum Glueck fuhren wir nicht zum ersten Mal. Flo und ich wurden nach vorne gesetzt, die beiden Schweizerinnen in die Mitte. Der Fluss ist unheimlich kalt, kein Wunder. Rio Chili heisst ja auf Quechua "kalter Fluss". Die Fuesse im Wasser reichten schon, um zu frieren. Doch das Equipment war echt super, so dass uns dank der Sonne nicht kalt wurde. Es gab immer wieder Ausruhstellen nach den Stromschnellen, so dass man bei Kraeften blieb, denn das Rudern war echt anstrengend. Immer wenn Hugo Kommandos rief, hiess es kraeftig paddeln. Und wir waren alle eifrig bei der Sache. "Vorwaerts", Rueckwaerts", "links rueckswaerts", "rechts rueckwaerts", "alle nach links", "alle nach rechts", "Position einnehmen", "alle nach innen", "Hiside links" und so weiter. Da kam man schon mal durcheinander. Doch wir schlugen uns bestens und hatten einen Heiden Spass zusammen. Den Eindruck hatte man von den anderen Booten nicht, denn dort hatten einige Angst und paddelten kaum, was das Ganze verkomplizierte. Eine Stromschnelle war so steil, dass wir echt dachten, jetzt gehen wir baden, doch bis auf kraeftige Duschen ging alles gut. Ein Nachbarboot ist einmal fast gesunken, weil sie so tief ins Wasser kamen, doch auch sie hatte Glueck und niemand ist gekentert. Ein weiteres Mal hingen wir auf einem riesigen Stein fest und nix ging mehr. Wir ruderten und ruckelten Hin und Her, es hiess "alle nach vorn". Nix. Dann "alle nach links". Das Boot kippte verdaechtig auf die linke Seite. Wir dachten, das wars. Doch nix tat sich. Dann "alle nach rechts". Nix. Und dann "alle nach innen". Ploetzlich loeste sich das Boot und wir schossen nach unten. Wir mussten uns vor Lachen die Baeuche halten, doch alles war gut gegangen. Im Fluss gab es viele grosse Steine und oft dachte man "Wie sollen wir da nur durch", doch Hugo schaffte es immer. An zwei Stellen ging mit Fahren nix mehr. Alle anderen stiegen aus und watschelten durch das reissende Wasser, was wirklich gefaehrlich ist. Das wollte Hugo nicht. Er stieg aus und zog und schob uns durch die steilen Engstellen, so dass wir nur noch die letzten leichten Meter an Land laufen mussten. Genial. Wir wissen, wir haben die richtige Agentur gewaehlt. Beim zweiten Mal kam eine Stromschnelle mit Level 5, die liefen wir an Land, Hugo manoevrierte das Boot langsam und sicher alleine nach unten. Wir waren begeistert. Auf der Haelfte der Strecke machten wir Rast im Kehrwasser und es gab Mineralwasser und Schokoriegel. Ein super Service mit dem keiner gerechnet hatte. Man konnte sogar schwimmen und ich habe auch getestet, wie kalt das Wasser ist. Doch ich war die Einzige und es war eisig kalt. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in solch kaltem Wasser gewesen zu sein und die oesterreichischen Gebirgsbaeche sind schon frisch. Am Ende hatte sich mein ganzer Anzug voll Wasser geladen, das schwallartig rausschoss, als ich wieder im Boot sass. Sehr witzig.


Die zweite Haelfte der Strecke war nicht weniger spektakulaer, wir genossen jede Minute... Die Aussicht auf den hoechsten Vulkan hier mit ueber 6000m Chachani war atemberaubend. Hugo hatte viel Spass mit uns und wir mit ihm. Er strahlte solch eine Routine und Professionalitaet aus, dass wir uns 100% sicher fuehlten. Wir hatten selten solch einen guten Guide wie ihn und das zu hoeren fand er natuerlich klasse. Wir waren sogar immer uebereifrig mit Paddeln, so dass er uns mit "leicht paddeln" und "stark paddeln" instruieren musste. Tat er das nicht, ruderten wir bei jedem Kommando wir die Verrueckten los, so dass er nach 2 Mal Paddeln schon "Stoooop" schrie, weil wir schon in der Richtung waren. Am Ende stiegen alle gluecklich und heil aus dem Wasser und wir machten noch ein tolles Gruppenfoto. Die CD mit den Fotos holen wir uns natuerlich. Alles in allem war der Trip sehr gelungen (auch wenn am Ende vom vielen Paddeln alles zwickte) und einer der besten, die wir je hatten.

Und: die Agentur ist absolut genial, was wir bisher nur von wenigen sagen konnten.