Montag, 21. Juli 2008

Rafting auf dem Rio Chili

Gestern abend haben wir wieder einmal hoffnungslos versucht, ein Abendessen in einem Restaurant zu bekommen. Es ist hier wie ueberall: am Sonntag sind alle Gehsteige hochgekappt und man bekommt einfach nix. Nach langem Gesuche sind wir in einem Laden geladet, der aussah wie ein deutsches Wohnzimmer vor 30 Jahren. Der Kellner in seinem Konfirmationsanzug und seiner Hornbrille passte bestens dazu. Das Essen war miserabel, aber wir waren satt am Ende. Immerhin.


Heute hiess es um 7.30 Uhr aufstehen und um Punkt 9 Uhr wurden wir zum Rafting von der peruanisch-schweizerischen Agentur abgeholt (Agentur befindet sich in der Calle Jerusalem ca. Nr. 400). Wir fuhren ca. 20 Minuten zum Einstiegspunkt und bis dahin war klar, dass wir mit zwei netten jungen Schweizerinnen, Angie und Nicole das Boot teilen wollten. Nach einer sehr ausfuehrlichen Einweisung hatten wir alle Komandos mehr oder weniger begriffen und wurden eingekleidet. Das hiess: Aussziehen bis auf die Badehose, dann Hose und Jacke an, die halbwegs wasserdicht waren. Schwimmweste an und Helm auf. Das Equipment war fast neu und sehr gut in Schuss, sogar die Helme haben gepasst. Das hatten wir bisher noch nie. Wir waren 3 Boote und ein Kajak, das sicherheitshalber nebenher fuhr und auch Bilder machte. Wir waren 4-5 Leute im Boot samt Guide, das war optimal. Vor uns fuhr noch eine andere Gruppe, die mit 8-10 Leuten im Boot war. Das war sehr eng, da geht schnell einer ueber Bord.


Nach einigen Uebungen im Wasser ging es los. Unser Guide Hugo war sehr professionell und hatte alles super im Griff. Er macht die Tour jeden Tag mindestens einmal und das merkte man. Die Strecke war alles andere als einfach, denn sie hatte Stromschnellen der Stufen 3 und 4, das maximale sind 5. Zum Glueck fuhren wir nicht zum ersten Mal. Flo und ich wurden nach vorne gesetzt, die beiden Schweizerinnen in die Mitte. Der Fluss ist unheimlich kalt, kein Wunder. Rio Chili heisst ja auf Quechua "kalter Fluss". Die Fuesse im Wasser reichten schon, um zu frieren. Doch das Equipment war echt super, so dass uns dank der Sonne nicht kalt wurde. Es gab immer wieder Ausruhstellen nach den Stromschnellen, so dass man bei Kraeften blieb, denn das Rudern war echt anstrengend. Immer wenn Hugo Kommandos rief, hiess es kraeftig paddeln. Und wir waren alle eifrig bei der Sache. "Vorwaerts", Rueckwaerts", "links rueckswaerts", "rechts rueckwaerts", "alle nach links", "alle nach rechts", "Position einnehmen", "alle nach innen", "Hiside links" und so weiter. Da kam man schon mal durcheinander. Doch wir schlugen uns bestens und hatten einen Heiden Spass zusammen. Den Eindruck hatte man von den anderen Booten nicht, denn dort hatten einige Angst und paddelten kaum, was das Ganze verkomplizierte. Eine Stromschnelle war so steil, dass wir echt dachten, jetzt gehen wir baden, doch bis auf kraeftige Duschen ging alles gut. Ein Nachbarboot ist einmal fast gesunken, weil sie so tief ins Wasser kamen, doch auch sie hatte Glueck und niemand ist gekentert. Ein weiteres Mal hingen wir auf einem riesigen Stein fest und nix ging mehr. Wir ruderten und ruckelten Hin und Her, es hiess "alle nach vorn". Nix. Dann "alle nach links". Das Boot kippte verdaechtig auf die linke Seite. Wir dachten, das wars. Doch nix tat sich. Dann "alle nach rechts". Nix. Und dann "alle nach innen". Ploetzlich loeste sich das Boot und wir schossen nach unten. Wir mussten uns vor Lachen die Baeuche halten, doch alles war gut gegangen. Im Fluss gab es viele grosse Steine und oft dachte man "Wie sollen wir da nur durch", doch Hugo schaffte es immer. An zwei Stellen ging mit Fahren nix mehr. Alle anderen stiegen aus und watschelten durch das reissende Wasser, was wirklich gefaehrlich ist. Das wollte Hugo nicht. Er stieg aus und zog und schob uns durch die steilen Engstellen, so dass wir nur noch die letzten leichten Meter an Land laufen mussten. Genial. Wir wissen, wir haben die richtige Agentur gewaehlt. Beim zweiten Mal kam eine Stromschnelle mit Level 5, die liefen wir an Land, Hugo manoevrierte das Boot langsam und sicher alleine nach unten. Wir waren begeistert. Auf der Haelfte der Strecke machten wir Rast im Kehrwasser und es gab Mineralwasser und Schokoriegel. Ein super Service mit dem keiner gerechnet hatte. Man konnte sogar schwimmen und ich habe auch getestet, wie kalt das Wasser ist. Doch ich war die Einzige und es war eisig kalt. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in solch kaltem Wasser gewesen zu sein und die oesterreichischen Gebirgsbaeche sind schon frisch. Am Ende hatte sich mein ganzer Anzug voll Wasser geladen, das schwallartig rausschoss, als ich wieder im Boot sass. Sehr witzig.


Die zweite Haelfte der Strecke war nicht weniger spektakulaer, wir genossen jede Minute... Die Aussicht auf den hoechsten Vulkan hier mit ueber 6000m Chachani war atemberaubend. Hugo hatte viel Spass mit uns und wir mit ihm. Er strahlte solch eine Routine und Professionalitaet aus, dass wir uns 100% sicher fuehlten. Wir hatten selten solch einen guten Guide wie ihn und das zu hoeren fand er natuerlich klasse. Wir waren sogar immer uebereifrig mit Paddeln, so dass er uns mit "leicht paddeln" und "stark paddeln" instruieren musste. Tat er das nicht, ruderten wir bei jedem Kommando wir die Verrueckten los, so dass er nach 2 Mal Paddeln schon "Stoooop" schrie, weil wir schon in der Richtung waren. Am Ende stiegen alle gluecklich und heil aus dem Wasser und wir machten noch ein tolles Gruppenfoto. Die CD mit den Fotos holen wir uns natuerlich. Alles in allem war der Trip sehr gelungen (auch wenn am Ende vom vielen Paddeln alles zwickte) und einer der besten, die wir je hatten.

Und: die Agentur ist absolut genial, was wir bisher nur von wenigen sagen konnten.


Sonntag, 20. Juli 2008

Weiter nach Westen...Arequipa

Am Freitag, den 18.7. brachen wir mal ausnahmsweise schon vor 8 Uhr auf. Eine absolute Besonderheit, doch da wir in einem Tag von Cusco nach Arequipa fahren wollten, wollten wir auf Nummer sicher gehen. Der Bus brauchte fuer diese Strecke 10 Std. und wir wollten in jedem Fall im Hellen ankommen. Nachdem wir noch etwas altes Brot beim "Fruehstueck" eingepackt hatten (man weiss ja nie), ging es um 7.45 Uhr los. Um die Zeit hatte der Baecker im Supermarkt mit den leckeren Ciabattas leider noch zu, aber egal. Wir hatten ja die alten Kanten. Wir kamen gut voran und immerhin hatten wir es geschafft, unsere Pinkelpausenfrequenz auf gut alle 2 Std. zu steigern. Ein echter Fortschritt, wenn man bedenkt, dass wir vorher alle Stunde gehalten haben (hier muss man einfach oefter, keine Ahnung warum). Wenn wir eines auf unserer Reise gelernt haben: wild pinkeln an jeder Ecke koennen wir nun. Und ohne Klopapier gehen wir nirgendwo mehr hin.

Nachdem wir wirklich sehr gut vorankamen, kauften wir unterwegs noch ein vermeintlich frisches Brot, von dem sich im Nachhinein rausstellte, dass es angeschimmelt war. Super. Der Kaese, den wir gekauft hatten, schmeckte "very local" und war echt indiskutabel. Den Geruch kann man sich nur vorstellen, wenn man ihn schon mal gerochen hat. Flo ist auf ihn noch allergischer als ich. So haben wir den Queso den Strassenhunden gespendet, die fanden ihn toll. Wir kamen nach ca. 5 Std. in Juliaca an und hier war nicht mal die Stadt Arequipa ausgeschildert. Es gibt eine grosse Kreuzung in der Stadt und nicht mal da standen Schilder, so dass wir 2x fragen mussten.

Was unterwegs auffaellt und auch allgemein fuer Peru gilt, ist, dass es wenig Zopffrauen mit einheimischer Tracht gibt. Davon gab es ja in Bolivien Massen, auch in den Staedten. Peru erscheint allgemein kultivierter, sauberer, geordneter. Ueberall am Strassenrand stehen Schilder, dass man seinen Muell aufheben soll, Zaehne putzen soll, vorsichtig fahren soll, usw. Und die Schilder/Erziehung scheint zu wirken. Hier gibt es kaum Orte, an dem der Muell rumliegt wie in Bolivien, sehr angenehm.

Der Weg ab Juliaca war ein besserer Acker, aber geteert und wir kamen schnell weiter. Es ging wieder ueber die Berge, die Landschaft war traumhaft. Sie erinnerte an den Weg, den wir von Argentinien (Salta) Richtung Chile nahmen. Ein riesiger See tat sich auf, die Berge karg und doch wunderschoen. Unterwegs sahen wir bei einem kurzen Stop 3 Maenner auf der Strasse auf uns zukommen. Wir sahen zu, dass wir ins Auto kamen und wollten schon los, als sie uns ansprachen. Angeblich hatten sie eine Panne und kein Wasser/Essen und wir sollten sie abschleppen. Mir kam das Ganze komisch vor, ich wollte weiter. Flo wollte zuerst noch helfen und wir boten ihnen Wasser an. Doch sie wollten nicht. Wir sollten mitkommen. Mir war das Ganze zu heiss und wir entschieden, weiterzufahren und nichts zu machen. Wer weiss, was das war. Im Nachhinein waren wir froh, uns so entschieden zu haben, denn das Ganze war einfach seltsam. Nur kein Risiko eingehen. Die Strasse war genug befahren so dass sie ohne Weiteres alle 5 Minuten ein Auto anhalten koennten.

Gegen 16.30 Uhr kam Arequipa in Sicht und war auf den ersten Blick haesslich. Alles staubig und grau. Die drei Vulkane in Sicht und viele Haeuser. Kein guter Eindruck, doch warten wir es mal ab. Als wir in die Stadt fuhren, aenderte sich alles. Dort gab es Massen an Laeden und alles, was man sich so vorstellen kann und die Stadt war ploetzlich gruen.



Hier ein paar Details zur Stadt:

Arequipa ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region Arequipa im Süden Perus und stellt das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des südlichen Perus dar. Arequipa liegt auf über 2.300 m Höhe und hat rund 783.000 Einwohner. Beherrscht wird die Stadt durch die Vulkane in der nahen Umgebung, dem 5.822 m hohen kegelförmigen Misti, denm6.057 m hohen Chachani und dem kleineren und entfernteren Pichu Pichu. Nicht weit von Arequipa liegen auch die Schluchten des Cotahuasi- und des Colca Cañonn, die mit bis zu 3000 m Höhenunterschied mit zu den tiefsten der Welt zählen. Die Küste des Pazifik liegt nur 75 km Luftlinie entfernt und beschert der Stadt das ganze Jahr über ein mildes und sonniges Klima.
Die Herkunft des Beinamens „die weiße Stadt“, mit dem sich Arequipa schmückt, bezieht sich wahrscheinlich nicht auf das weiße Sillar-Gestein vulkanischen Ursprungs, mit dem viele der alten historischen Gebäude im Zentrum Arequipas erbaut wurden, sondern eher auf die hellere Hautfarbe der einstmals im Stadtzentrum lebenden spanischstämmigen Bewohner, die es den Einheimischen verboten, in der Innenstadt zu leben.
Das Gebiet wird häufig von heftigen Erdbeben heimgesucht und im Durchschnitt gibt es täglich zwölf Erdbewegungen. 1608, 1687, 1784, 1868, 1958 und 1960 wurden große Teile der Stadt durch Beben zerstört. Das letzte Erdbeben im Jahre 2001 ließ einen der beiden Türme der Kathedrale am Hauptplatz einstürzen. Dieser wurde bis zum Jahr 2004 restauriert.
Die UNESCO erklärte 2000 das Stadtzentrum von Arequipa zum Weltkulturerbe.



Wir kamen schnell in die Innenstadt und trauten unseren Augen kaum. Ein Traum. Sehr viele alte und wunderschoene Gebaeude, alles sehr sauber und hergerichtet. Die Strassen werden gepraegt von gelben Minitaxis, wie es sie auch in Cusco gibt, die bunte beleuchtete Schilder auf dem Dach haben und fahren wie die Henker. Nach kurzer Suche hatten wir ein tolles Hostal (Maison Plaza) am Hauptplatz gefunden, das sogar eine Garaje hat. Der erste Eindruck der Stadt hatte uns wirklich getaeuscht. Wir gingen in ein nettes Restaurant im Ekeko Einkaufszentrum und bekamen eines der besten Fleischgerichte unserer Reise. Das Gegrillte war wirklich hervorragend. Was hier lecker ist, sind Tequenos. Das sind fritierte Teigtaschen mit Kaese. Und der Oberhammer: Queso Helado Arequipeno. Ein Eis aus frischer Milch, Zucker und Zimt, ein absoluter Traum. Ich konnte nicht genug davon bekommen, auch wenn es eine Bombe ist.

Am naechsten Morgen entschieden wir uns fuer Ausschlafen. Leider war unsere Rezeption der Meinung, dass wir das Fruehstueck in jedem Fall bis 9 Uhr einnehmen muessen und teilte uns dies per Telefon mit, somit war die Nacht vorbei. Nach einem Fruehstueck mit Blick ueber den Hauptplatz entschieden wir uns, zum Playa de Autos zu fahren, um zu sehen, wie hier in Peru der Autokauf funktioniert. Dort angekommen sahen wir kaum Jeeps. Kein Wunder, dass alle Leute scharf auf unseren waren, denn es gibt keine solchen Autos. Wir fragten mehrere Verkaeufer, wie der Verkauf hier funkioniert. Alle rieten uns, das Auto in Bolivien zu verkaufen, denn Peru ist viel buerokratischer und man muss das Auto importieren, was aber mit einem bolivianischen Kennzeichen wohl schwierig ist. Nun denn, wir werden sehen, wie wir Schorsch an den Mann bringen...



Danach entschieden wir uns wieder mal fuer die obligatorische Stadtrundfahrt mit dem Bus. Diese sollte 4 Std. dauern und wir fragten uns schon, warum, aber es stellte sich tatsaechlich als sinnvoll heraus. Zuerst ging es durch die Innenstadt, dann zu diversen Aussichtspunkten und wir besuchten fast alle Distrikte der Stadt, die alle ihre Eigenheiten haben. Jeder Distrikt hat einen eigenen Hauptplatz und man konnte ueberall in/ausserhalb der Stadt die Inka-Terassen sehen, auf denen die Bauern heute noch Gemuese und Getreide anbauen. Wir bekamen Erklaerungen ueber einheimische Fruechte und erfuhren, dass es eine besondere Sorte von Papaya in Arequipa gibt, die ganz winzig (wie eine kleine Birne) und sehr suess ist. Zudem gibt es hier viele Maracujas und Tumbos (Mischung zwischen Orange und Maracuja), die alle unglaublich lecker sind. Wir probierten Makalikoer, ein Likoer aus einer Kresse-Wurzel (das Viagra der Natur), der etwas gewoehnungsbeduerftig war, aber nicht schlecht. Wir lernten die Musik der Gegend kennen und wussten am Ende endlich den Unterschied zwischen Lamas und Alpakas. Auf einer Farm sahen wir naemlich Lamas, Alpakas, Vicunas und Guanacas, die vier "Kamele der Anden". Lamas sind am groessten und sehr stark/widerstandsfaehig. Die Wolle ist halblang, dick und grob, ebenso das Fleisch zaeh und sie dienen als Transporttier. Alpakas haben auch Wolle im Gesicht, eine eingedellte Nase, fast ein teddyaehnliches Gesicht und lange Zottelhaare, aber feiner als Lama. Das Fleisch ist weich und lecker. Alpakas und Lamas sind domestiziert. Vicunas sind ungezaehmte Wildtiere und leben auf Hoehen von 4.000 bis 4.500m. Sie sind viel kleiner und feiner als Lamas und haben ein ganz weiches und feines Fell . Sie sind sehr schlank und grazil. Ein lebendiges Vicuna hat einen Wert von 1000 Dollar. Guanacas leben nur in Peru und Patagonien und haben ein pferdeaehnliches Gesicht, sind groesser als Vicunas und haben ein groeberes Fell. Sie sind eher selten zu sehen. Auf dem Weg in die Stadt haben wir eine Cuyeria gesehen, die sich auf Meerschweinchenfleisch spezialisiert hat, das mutet eher komisch an. Aber die Reisebegleiterin hat berichtet, dass hier Cuys nur zum Essen und nicht wie bei uns als Haustier gehalten werden. Was wir auch gelernt haben, dass es hier ganz viele verschiedene Maissorten gibt, sogar lilane und schwarze. Der Colcamais geroestet mit Salz ist ein sehr leckerer Snack, von dem ich echt nicht genug kriegen kann.



Nach der Tour haben wir gleich nochmal das Restaurant vom Vorabend aufgesucht und mussten zu unserer Verwunderung feststellen, dass sich die Preise von einem auf den anderen Tag um 10% erhoeht hatten. So ein Pech. Naja... aber das Eis war immer noch genial.



Heute Morgen wurden wir von lauter Musik gegen 8 Uhr geweckt. Maersche rauf und runter und der Gang zum Fruehstueck bewies es. Wir sassen auf der Terasse mit Blick ueber den Hauptplatz und dort sahen wir diverse Tribuenen und viele Gruppen, die militaerisch marschierten. Das ging von Vertretern der Polizei, Militaer, Schulklassen, Studenten von diversen Unis, Krankenschwestern, Sekretaerinnen, usw. Alle hatten unterschiedliche Kleider an und marschierten sehr diszipliniert. Nach einem einstuendigen Marsch aller Gruppen um den Plaza de Armas war das Spektakel beendet. Sehr interessant. Aber irgendwie ziemlich aehnlich wie in Bolivien.

Nach einem Mittagessen in einem vegetarischen Restaurant in der Jerusalem Strasse (Inka Cola ist zwar giftgelb, aber schmeckt lecker giftig) mit miserablem Service (zwei Stunden fuer ein kleines Mittagessen) verglichen wir alle Agenturen, die eine Tour in den Colca Canyon anbieten. Alle bieten 2 und 3 Tagestouren an, die alle durch den Canyon wandern, wobei die Strecke bei 2 und 3 Tagen gleich ist, nur einmal wird sie langsamer gegangen und einmal schneller und die Tagesetappen unterscheiden sich. Wir haben uns nun dafuer entschieden, morgen erst mal zum Rafting auf dem Rio Chili (Quechua: kalter Fluss) zu gehen und am Dienstag mit unserem Auto nach Chivay am Eingang des Canyons zu fahren. Dort werden wir sehen und dann weiter fahren nach Cabanaconde (am Ende des Canyons), um von dort aus mit der gleichen schweizer Agentur, die wir auch morgen beim Raften haben, die 3-Tages-Trecking Tour zu machen. Die Tour startet normal von Arequipa um 6 Uhr und wir stossen dann dort vor Ort zu der Gruppe. So sind wir flexibel und koennen im Anschluss gleich Richtung Westen weiter zur Panamericana fahren, um unser naechstes Ziel, Nazca zu erreichen.



P.S. Was uns zu Bolivien noch einfiel: Ampeln in La Paz werden mit der Hand geschalten.

P.S.S. Cusco Nachtrag: Schwarzwaelder Torte gibt es auch hier. Sie heisst hier Selva Negra und ist mit Erdbeeren statt Kirschen. Kommt mir entgegen, da ich Erdbeeren essen kann, aber keine Kirschen. Als wir den Namen das erste Mal lasen, haben wir uns echt totgelacht, denn Selva ist hier die Bezeichung fuer den Regenwald.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Machu Picchu und zurueck

Wir standen also am Bahnsteig und dann lief sie ein, die Perurail. Ein riesiges schweres blaues Eisenmonster, das geraucht hat, dass man fast eine Gasmaske gebraucht hat. Schnell hatten wir mit Hilfe von Rudolfo, einem netten Peruaner der in Australien Touristic studiert, das richtige Abteil nach Aguas Calientes gefunden. Natuerlich gabs fuer das gleiche Abteil unterschiedliche Preise fuer Einheimische und Extranjeros, das ist wirklich Abzocke hier. Aber schliesslich wollten wir zu einem der neuen 7 Weltwunder, da war halt Blechen angesagt. Nach 30 Min setzte sich der Zug in Bewegung und dampfte los. Nach 3 Min der erste Halt. Der Zug fuhr ploetzlich rueckwaerts weiter. Nach weiteren 5 Min noch ein Stop. Wieder vorwaerts weiter. So ging es vier mal hin und her. Da wir den Berg hoch mussten, schraubte sich der Zug so im Zickzack-Verfahren den Berg nach oben. Nach weiteren 5 Stops kamen wir 45 Min spaeter am Zielort an. Ein Oertchen mitten im Nichts. Genial. Schnell hatten wir ein nettes Zimmer im Hostal "Machu Picchu" gefunden und wir beschlossen, erst mal zu fruehstuecken. Schliesslich war es erst 10 Uhr. Anschliessend ging es weiter zu den "Aguas Calientes", den schwefelhaltigen Thermalquellen, in denen man baden kann. Ein Traum. Das Wasser war je nach Becken warm bis heiss und super angenehm und wir waren gar nicht mehr aus dem Wasser zu bekommen. Dann noch Relaxen, bummeln, Ticket fuer den Bus und Machu Picchu kaufen und was Essen; wir waren zufrieden.


Nach einigem Hin und Herdiskutieren am Abend hatten wir beschlossen, doch nicht den ersten Bus um 5.30 Uhr nach Machu Picchu (MP) zu nehmen, sondern ersten einen spaeteren um 7.30 Uhr. Da Flo auch da noch nicht wach zu kriegen war, wurde es mit Ach und Krach der um 8.30 Uhr, aber das war auch ok. Immerhin bekamen wir das bisher beste Fruehstueck im einem Hostal unserer Reise. Ein absolutes Highlight. Wir kamen zum Bus, ergatterten die letzten Plaetze und schon gings los. Wir schraubten uns mit dem Vehikel 20 Min den Berg hinauf und auch hier durfte man wieder nicht nach unten schauen, so steil ging es da runter.


Fuer alle, die sich unter MP nix vorstellen koennen, hier eine kleine Bescheibung:


Machu Picchu (Quechua: Machu Pikchu für „alter Gipfel“) ist eine gut erhaltene Ruinenstadt der Inka, die in 2.360 m Höhe auf einer Bergspitze der Anden, über dem Urubambatal, in 75 km Entfernung nordwestlich von Cusco liegt. Erbaut wurde die Stadt einer Theorie zu Folge um 1450 von Pachacutec Yupanqui, einem Herrscher der Inka, der von 1438 bis 1471 regierte. Er schuf die Grundlagen für die Ausdehnung des mächtigen Inkareiches und führte den Kult um den Sonnengott Inti ein. Eingebettet zwischen dicht bewachsenen Bergen war die Stadt für die spanischen Eroberer im Jahre 1532 unsichtbar und ist dadurch der Zerstörung entgangen. Die Stadt umfasste 216 steinerne Bauten, die mit einem System von Treppen verbunden waren. Etwa 3.000 Stufen sind heute noch erhalten, ebenso wie die Außenmauern der zum Teil mehrgeschossigen Wohnbauten. Sinn und Zweck dieser Stadt sind bis heute umstritten. Es existieren über sie keine Überlieferungen bzw. wissenschaftliche Aufzeichnungen, weshalb nur Vermutungen angestellt werden können. So wurde die Stadt, deren ursprünglicher Name unbekannt ist, nach einem der nahe gelegenen Berggipfel benannt, zwischen denen die Ruinenstadt liegt: Teile der Stadt, die für die Landwirtschaft genutzten Terrassen, liegen am Fuße des „alten Gipfels“, hinter dem anderen Ende der Stadt ragt der „junge Gipfel“ (Huayna Picchu) zuckerhutförmig in den Himmel.

Die UNESCO nahm Machu Picchu 1983 in die Liste des Weltkulturerbes auf.
2007 wurde Machu Picchu im Rahmen einer Privatinitiative nach Angaben der Veranstalter von weltweit 70 Millionen Menschen zu einem der „neuen sieben Weltwunder“ gewählt.


Oben angekommen stroemten wir mit Massen an Touristen aller Nationen zum Eingang. Dort fanden wir eine nette Dame, die uns fuer erschwingliches Geld eine Fuehrung anbot, die wir zusammen mit 3 Amerikanern machten. Sehr hilfreich, denn allein kann man sich so viele Infos kaum holen. Die Stadt ist wirklich sehr beeindruckend, zumal sehr viel davon noch erhalten ist (75% orginalerhalten). Die Lage auf dem Berg ist traumhaft und wirklich sehr schwer zu erreichen, aus dem Grund wurde sie ja auch von den Spaniern nicht zerstoert. Allerdings haben die Inkas sie verlassen, aus Angst, dass die Spanier sie doch finden vertreiben wuerden.


Nach der Fuehrung und einer kurzen Staerkung am Kiosk mit Quiche und Cola mussten wir feststellen, dass es Wasser nur in 250ml Glasflaschen gab und zu einem Wahnsinnspreis. Und der Oberhammer war: Die Glasflaschen kamen nach dem Leeren in den normalen Muell. Nun war uns klar, warum hier so viel Muell produziert und abtransportiert werden muss, wie wir es im Zug gesehen hatten. So ein Bloedsinn.


Wir haben dann eine Wanderung zur Scharte zum naechsten Berg gemacht, denn dort befindet sich das Sonnentor "Intipunku". Der Weg nach oben war beschwerlich, denn es war unglaublich heiss. Doch oben angekommen hatte sich natuerlich die Qual wieder rentiert, wie immer. Der Blick auf MP war atemberaubend. Wir konnten gar nicht genug davon bekommen. Die Socken auszuziehen und die Fuesse in den Wind zu haengen, war ein Genuss nach der Plackerei. Ein paar Stuecke Kuchen, die ich im Ort unten von einer Einheimischen erstanden hatte, versuessten den Aufenthalt noch mehr. Nach ca. einer Stunde Geniessen wanderten wir wieder nach unten und sahen uns nochmals die Einzelheiten der Ruinen an, die uns am Morgen entgangen waren. Was in den Ruinen auffaelt, es gibt Massen an Japanern. So viel hatten wir auf unserer ganzen Reise nicht gesehen. Die kommen echt nur zu den absoluten Highlights. Und der Gag war: die meisten hatten Handschuhe, Mundschutz und Muetzen an, als haette es 5 Grad. Dabei war es so heiss, dass man selbst in Tshirt und kurzen Hosen schwitzte. Die sind so sauberkeitsorientiert, das ist unglaublich. Nur keine Keime abbekommen. Ich hatte das gehoert, aber das so zu sehen ist sehr befremdlich.

Gegen 16.30 Uhr traten wir voellig erschoepft, aber gluecklich den Rueckweg an.


Am Abend stellten wir fest, dass das Internet zu langsam war, um Google ueberhaupt zu laden, doch so wurden wir Zeuge eines Festivals mit einem grossen Umzuges in dem Dorf. Dort wurde das Fest der Jungfrau Carmen gefeiert. Es gab diverse Gruppen mit tollen prachtvollen Kostuemen, voll mit Pailetten und Glitzer. Musik durfte natuerlich nicht fehlen. Anschliessend gingen wir in eine nette Pizzeria, da es dort ein warmes, offenes Feuer gab. Nach einer mehr oder weniger leckeren Pizza wollte Flo noch ein Eis, denn auch das Paaerchen am Nebentisch hatte eines in Glas. Auf Nachfrage beim Kellner hiess es, Eis gaebe es hier keines, die haetten es wohl mitgebracht. Haha. Wo kam dann das hinter uns wohl wirklich her? Nochmals Nachfrage, dann hiess es, es gaebe Vanille, Schoko und Erdbeer. Also von jedem eine "Bola" bestellen und warten. Dann verschwand eine Angestellte mit einem Glas aus der Tuer und lief nach draussen.Wo das Eis wohl geholt wurde? 5 Min spaeter kam es und es war Vanille und sichtlich 2x Stracciatella. Auf die Nachfrage, wo denn Erdbeer und Schoko seien, sagte der Mozo promt: das eine Stracciatella sei Schoko, das andere Erdbeer. Haha. Natuerlich waren es Stracciatellakugeln und nix anderes. Auf den Gag und weiteren miserablen Service gab es kein Trinkgeld fuer den Ober, sorry.


Nach einer weiteren kurzen Nacht fuhren wir mit dem 7 Uhr Zug zurueck nach Hidroelektrica und von dort aus mit dem Taxi und komplett vollem Kofferraum (irgendwo muessen 7 Leute ja sitzen samt Gepaeck) nach St. Theresa. Dort ging es mit Schorsch auf den Rueckweg nach Cusco. Wir kamen nachmittags an und checkten in einem Hostal ein, das wir vorher schon besichtigt hatten. Leider hatten wir es besser in Erinnerung, als es wirklich war, aber egal. Dort verbrachten wir 2 Naechte, machten noch eine sehr nette Stadtrundfahrt mit einem alten hoelzernen Bahnwaggon, der als Bus durch die Stadt fuhr. Hier gibt es Unis nur getrennt nach Maennlein und Weiblein, alles sehr gesittet. Natuerlich mussten noch ein paar T-Shirts sein und hier kamen wir um Cuy-Arts nicht herum. Das ist ein sehr sarkastischer Meerschweinchen Comic aus Peru. Ultra witzig. Natuerlich schlugen wir uns wieder mal den Bauch mit Kuchen und Toertchen voll, denn das Cafe vom letzten Mal ist einfach zu genial, um darauf zu verzichten.

Waehrend wir unser Auto auf der Strasse stehen hatten und das war echt selten (nur Laden und einkaufen), weil es immer irgendwelchen Garajen steht, bekamen wir wieder diverse Angebote dafuer. Mal sehen, ob der Verkauf so einfach wird, aber die Menschen scheinen sich um Schorsch zu reissen.


P.S. Die Bilder haben wir diesmal auch schon geladen.

Montag, 14. Juli 2008

Unser Weg nach Machu Picchu

Am Sonntag sind wir zu Flos Leidwesen wieder mal in aller Fruehe aufgestanden. Orginalzitat Flo: "So oft wie ich hier frueh aufstehen muss, bin ich alle Tage zusammen in meinem ganzen Leben noch nicht aufgestanden..... "**Knirsch** ... Aber alles Murren half nix, der Weg bis zum Zielort war einfah zu weit, um auszuschlafen. Um Punkt Acht Uhr befanden wir uns auf dem Weg Richtung Machu Picchu in unserem Schorsch. Die Anfahrt dorthin ist gar nicht so einfach zu bewerkstelligen, vor allem mit Auto. Die meisten Leute fahren mit dem Zug von Cucso direkt nach Aguas Calientes, dem Dorf, das ca. 3 Km von Machu Picchu entfernt ist. Das Dort hat keine Strassenverbinung und ist nur mit dem Zug erreichbar. Wir wollten aber kein Heidengeld fuer eine organisierte Tour dorthin ausgeben, denn wir haben ja schliesslich dafuer Schorsch gekauft. Also hatte uns die Dame im Touri-Office gesagt, dass wir mit dem Auto bis zu einem kleinen Ort namens "Santa Theresa" fahren koennen, von dort aus mit dem Taxi nach "Hydroelectrica" (Wasserkraftwerk) und von dort aus mit dem Zug nach Aguas Calientes: Und dann zu Fuss in 2,5 Std oder per Bus in 20 Min auf den Berg, auf dem Machu Picchu liegt. Ganz einfach. Keine Karte hat uns genau aufgezeigt, wo wir hin muessen, aber so ein Gekritzel der Dame am Schalter hatten wir ja, das musste reichen. Schaun wir mal. So sind wir zuerst nach Chinchero gefahren, dort warteten die ersten Inkaruinen auf uns. Dort haben wir erst mal eine Karte fuer unsere Handy mit einer peruanischen Nummer gekauft, damit wir beim Autoverkauf eine Nummer zum Angeben haben. Waehrend ich im Laden war, haben schon wieder 2 Frauen mit Tracht Interesse am Auto bekundet. Sie haben uns dann eingeladen, ihren Laden zu besuchen, in dem sie uns ihre Handwerkskunst zeigen wollten. So kamen wir in einen tollen Innenhof, in dem ca. 8 Frauen in ueblicher Tracht uns vorfuehrten, wie die Wolle aus Schaf/Lama/Alpakafell verarbeitet wird. Anschliessend wird sie mit Kraeutern oder sonstigen natuerlichen Substanzen, die in kochendes Wasser kommen, eingefaerbt. Zum Farbwechsel/Fixieren wird Salz verwendet. Anschliessend haben sie uns gezeigt, wie ein traditioneller Teppich gewebt wird. Sehr aufwaendig. 45 Tage fuer ein kleines Teilchen. Dann gabs zum Essen ein gegrilltes Cuy (Meerschweinchen) mit Kartoffeln. Flo wollte nicht probieren, ich dachte aber: "Jetzt oder nie". Hier ist die Chance eines zu probieren ohne ein Ganzes essen zu muessen. Und: es schmeckte ganz gut. Sehr zartes Fleisch, der Geschmack sehr fein. Nach ein paar Bissen gab ich auf, so ganz wohl war mir beim dem Essen nicht. Ist schon komisch, wenn das ganze Tierchen so vor einem liegt, samt Kopf. Naja. Test bestanden. Dann haben wir noch ein paar Kleinigkeiten bei den netten Frauen erstanden und sind weitergezogen. Natuerlich nicht, ohne vorher Telefonnummern auszutauschen, immerhin wollen sie ja unbedingt unser Auto kaufen ... Schaun wir mal ...Dann gings weiter zu den Inkaruinen von Chinchero und anschliessend noch ueber den Markt, auf dem es alle moeglichen Leckereinen und Textilien gab. Nachdem es dann schon 11.30 Uhr war, hatten wir echt viel Zeit dort verbracht und waren ein wenig im Verzug mit unserem weiteren Weg. Wir mussten uns ranhalten und es war fraglich, ob wir unsere Route bis Aguas Calientes schaffen koennen. Wir wollten in Hydroelektrika den letzten Zug um 16.30 schaffen und bis dahin wartete jede Menge Acker auf uns. Angeblich. So duesten wir los. Bis Ollantanytambo tolle Strasse, tolle Landschaft, alles bestens. Dann kurzzeitig Acker und wieder Teer. Und Niemandsland. Es ging mitten ueber einen hohen Bergpass bis auf 4.500m. Und das zog sich. Auf dem Weg ploetzlich ein gefaellter Baum auf der Strasse, nach 5 Min mit 5 Mann anpacken und alles war geschehen. Kaum noch Haeuser, noch weniger Autos und eine unwirkliche Gegend. Es wurde sehr kalt und vor allem so neblig, dass man kaum die Hand vor Augen sah. Wir waren in den Wolken. Die Zeit verging und die Strasse war immer noch ein Traum, wir waren happy. Es schien doch noch eine Chance zu geben, den Zug zu erwischen. Doch dann: in Alfamayo, ein Kaff in der Pampa und da war er: der Acker. Ein steiniger Feldweg und das ca. 80km. Fuer die ersten 50km brauchen wir 2 Std, das ging. Und das Fahren machte wirklich Spass ... da konnte ich endlich mal heizen und Schorsch schlug sich wacker. In Santa Maria, einem kleinen Ort angekommen, in dem die Strasse nach Santa Theresa gehen sollte, mussten wir wieder mal nach dem Weg fragen, wie an jeder Abzweigung in Peru (keine Schilder weit und breit). Ein freundlicher Polizist nannte uns die Richtung und sagte uns, dass es bis St. Theresa 20km waeren und dass man ca. 1,45 Std dafuer braeuchte. Wir, wie immer superschlau dachten: so ein Schmarrn. Entweder ist die Zeit oder die Entfernung falsch, der hat doch keine Ahnung. Und schon gings weiter. Nach 5km breitem Acker kam sie: die schlimmste Strasse, die ich je gefahren bin. Wenn jemand behauptet, die Strasse nach Coroico in Bolivien sei die Todesstrecke, der kennt diese hier nicht. Ein Acker, so breit wie ein Auto, der sich in den Felsen graebt und neben uns nur Abhang. Unten ein toller Fluss, ein genialer Blick. Aber neben uns nur gaehnende Leere. Natuerlich war der Abhang links und da sass ich beim Fahren auch, so dass ich vom Nichts noch ein wenig mehr hatte. Nur gut, dass ich keine Hoehenangst hab (hahaha). Von der sollte ich hier kurriert werden. Wir sind mit 10-20km/h, max. 30 km/h gefahren und nachdem die Kilometer nicht mehr werden wollten war klar, der Polizist hat uns die Wahrheit gesagt. Damit gab es nicht mal mehr ansatzweise eine Chance auf den Zug, denn der war schon abgefahren. Bravo. Das hiess in St. Theresa uebernachten. Aber angeblich gibts da Hostals. Schaun wir mal. Bleibt ja nix. Damit verlieren wir nur einen Tag, sonst nix. Nach diversen bangen Minuten und Angstattacken kam der Abschuss: ein Fluss, ueber den eine Bruecke ging. Kaum breiter als unser Auto, nur Holzlatten und sperwacklig, natuerlich ohne Gelaender. Und darunter Wasser und Abhang, was sonst. Panik. Never, never fahr ich da drueber. Dann tat sich die Rettung auf. 30m weiter gab es die Moeglichkeit, durch den Fluss zu fahren. War zwar recht tief, aber besser als die Bruecke. Mit Vollgas durch das Wasser und durch waren wir. Juhu. Weitere 45 Minuten spaeter erreichen wir in der Daemmerung St. Theresa und ich war noch nie so froh, eine 20km lange Strecke gut hinter mich gebracht zu haben. Und: ich liebe Bananenstauden. Die gabs naemlich immer wieder neben der Strasse und sie haben den Abhang verdeckt. So gings zumindest manchmal ein wenig leichter. Nachdem wir eine Ortsumrundung des Dorfes hinter uns hatten landeten bei "Angel", der hatte als einziger ein Bett und eine Garage zu bieten. Alles very basic, aber immerhin ein Dach ueberm Kopf. Natuerlich hat er uns gnadenlos abgezockt, wie alle hier. Alles was irgendwie in der Naehe von Machu Picchu ist, kostet ein Vermoegen, auch die Absteige samt Garage. Die Garage stellte sich als hasenstallgrosser Holzverschlag heraus und er war genau so breit wie unser Schorsch. Wahnsinn. Ich habs nicht geschafft, Schrosch darin zu parken, nur gut, dass Maenner besser einparken koennen ... Flo hats geschafft. Nach einem zaehen Fleischchen sind wir frueh und sehr muede ins "Bettchen" gekrochen. Nachts hat es aus allen Loechern geregnet. Und Mosquitos gabs ohne Ende. Kein Wunder. Immerhin sind wir auf 1.500m gelandet gewesen, Cusco hat 3.300m. Nach einer halbwegs passablen Nacht ging es frueh um 7 Uhr los. Angels Sohn hat uns nach Hydroelektrika zum Bahnhof gefahren. Natuerlich noch ein Todesacker, nur in die andere Richtung. Und der Gute fuhr wie ein Henker. 45 Min spaeter waren wir froh, heil angekommen zu sein. Dann kam der Zug... Fortsetzung folgt.


P.S. Es gibt die restlichen Photos von Bolivien (Titicacasee) nun im Album.

Samstag, 12. Juli 2008

Willkommen in Peru

Nachdem wir erfolgreich aus Bolivien ausgereist sind, fehlte noch die Einreise in Peru. Der Grenzposten war 200m hinter dem bolivianischen und wir fuhren mit dem Auto vor. Da uns ein Herr gleich zum Auto anmelden schickte, gingen wir dorthin und nach 10 Minuten hatten wir auch den gelben Schein, der uns bestaetigte, dass wir mit unserem Schorsch in Peru fahren duerfen. Weitere 5 Min spaeter hatten wir unseren Einreisestempel und den Stempel der Policia. Alles war in 15 Min erledigt und sehr viel einfacher und unbuerokratischer als in Bolivien. Der Schalter der Migration war richtig nobel und hier schienen die Uhren etwas anders zu ticken.
Achja ... wir hatten schon wieder ein Angebot bekommen fuer unser Auto.
Apropos: Wir haben jetzt eine Std. Zeitverschiebung nach hinten, so dass wir nun 7 Std nach Deutschland sind. In Argentinien waren es 5, in Chile/Bolivien 6 und nun 7 Std.

Dann gings weiter Richtung Puno. Wir hatten gehoert, dass die Strassen in Peru besser als in Bolivien waeren und das wurde sofort widerlegt. Hier ist der Teer in keinem Fall besser, eher noch schlechter als gewohnt. Und: ueberall liegen grosse und kleine Steine mitten auf der Strasse, damit die Autos nur im Schneckentempo fahren koennen. Dazu kommen Massen an Glasscherben. Sehr aergerlich. Zudem hatten wir nach 1 Std Fahrt schon denm ersten Stau: wir standen ca. 20 Min an einer Baustelle bis unsere Richtung passieren durfte. Der Bus vorhin schlaengelte sich durch die Loecher und wir hatten echt Angst, dass er gleich umkippt. Noch eine Stunde spaeter der naechste Stau mitten in der Pampa. Ca. 20 Autos vor uns und 30 Minuten ging nix. Alle stiegen aus, schauten, doch nix passierte. Wir harrten der Dinge, waren sehr geduldig und dachten, das wird schon ... aber nix. Dann drehten 2/3 der Autos um und wir entschieden, ihnen zu folgen. Wir sind also ca. 5 km ueber Stock und Stein, Acker und Loecher den Micros nachgerast und bald waren wir wieder auf der Teerstrasse. Was hier auffiel: die Micros hatten tote und lebendige Schafe und Lamas auf dem Dachgepaecktraeger. Diese waren festgebunden und ein Netz obendrueber, damit sie Ruhe geben. Sehr gluecklich sahen die Tiere nicht aus und uns taten sie echt leid. Hier werden die Tiere wirklich als Ware behandelt. Der Obergag war: in einem Auto vor uns waren 2 Schafe im Kofferraum, die dort wie die Hunde rumlaufen konnten ...
Das fing echt gut an. Eines haben wir auch gesehen: Richtungsschilder gibt es zwar in Peru, doch die sind so verschmiert oder kaputt, dass man nix lesen kann. Bravo. Man muss also wieder an jeder Ecke nach dem Weg fragen, aber das sind wir ja gewoehnt (was wir in den Wochen schon nach Wegen gefragt haben, geht echt auf keine Kuhhaut).

Auf dem Weg machten wir Picknick an einem wunderschoenen kleinen Sand-Strand am Titicaca-See, der echt aussieht, als sei er am Meer. Sehr idyllisch und wunderschoen. Als die Massen mit den Bussen kamen, sind wir gefluechtet ... denn die hatten natuerlich wieder Beschallung dabei, ohne geht es hier einfach nicht. Nachmittags kamen wir im chaotischen Puno an, das wir erst mal mit 3 Stadtrundfahrten beehrten, ehe wir das Zentrum fanden. Ein Hotel mit Garaje war recht schnell gefunden und auch war schnell klar, die Preise sind hier anders als in Bolivien. 100 Soles (ca. 23 EUR) fuer ein Doppelzimmer (inkl. Garaje und WiFi) . Naja, aber es war toll. Abends noch eine leckere Pizza und wir waren happy. In Puno ist alles viel hektischer und schneller und man muss wirklich auf seine Sachen aufpassen. Ueberall Verkaeufer, die ihre Ware an den Mann bringen wollen, die Unaufdringlichkeit der Menschen hatte nun ein Ende. Nachdem wir im Tourioffice eine nette Beratung hatten, war uns klar, hier lohnt es sich nicht zu bleiben. Cusco ruft.

So sind wir am Freitag in aller Frueh Richtung Cusco aufgebrochen. Was in Peru toll ist: es gibt Baecker mit leckerem Brot und riesigen Croissants (nicht so lecker, wie sie aussehen, aber immerhin). Also dort noch eingekauft und es ging los. Nach einigem Herumirren hatten wir auch den Weg aus der Stadt gefunden und steuerten auf einer misserablen Strasse Juliaca an, ca. 40km weiter. Dort gerieten wir natuerlich in einen Stau. Nix ging mehr, weil Hunderte von Schuelern mitten auf der Durchgangsstrasse eine Sportveranstaltung hatten. So mussten wir einen Umweg durch die Stadt suchen, was alles andere als leicht war, bei den vielen Einbahnstrassen. Nach ca. 20 Min Irrungen und Wirrungen half uns ein netter Peruaner mit seinem Moped aus der Stadt, der sich zugleich wieder mal fuer unser Auto interessierte. Immerhin hat ihn der Preis von 7.000 USD nicht vom Moped gehauen, das war schon mal supi. Vielleicht gibt es doch Chancen, das Auto unterwegs loszuwerden .... nach Juliaca kamen jede Menge kleiner Orte und die Landschaft veraenderte sich. Alles wurde gruener und huegeliger, obwohl wir nur von 3.800m auf 3.300m runterfuhren. Was auffaellig war, am Land in Peru hat jedes Haus sein eigenes Klohaus ca. 30 m vom Haus entfernt und das ist aus blauem Wellblech mit Schornstein (alle gleich!). Sehen sehr lustig aus. Wir fuhren an einem Fluss entlang, der richtig viel Wasser hatte und erreichten am Ende auf doch noch toller Strasse nach ca. 7 Std. Cusco (350km).
Man findet sich in der Stadt sehr leicht zurecht. Ein Besuch im erstbesten Supermarkt bescherte uns sogar unseren Bonle-Streichkaese, juhu. Wir fuhren direkt nach "San Blas", einen Ortsteil, in dem es viele Hostals geben sollte. Nachden wir einige durch hatten, war klar, die Preise sind hier hoch und viele Unterkuenfte voll. Hochsaison. Wir fanden ein nettes, aber einfaches Zimmer bei Eddy, einem netten Herrn mittleren Alters, der einen toll bewachsenen Innenhof hat. 90 Sol, 22 EUR, nicht billig, aber ok. Unser Auto kam in einer oeffentliche, auch nicht billige Garage und wir waren happy. Nach einem kurzen Streifzug durch die Stadt kamen wir zum Tourioffice und machten uns schlau, was wir hier alles machen koennen und das ist nicht wenig. Viele Inkaruinen, eine tolle Stadt und natuerlich Macchu Picchu. Der Inkatrail ist out, auf 3 Monate im Voraus ausgebucht. Aber das wussten wir ja schon. Im Cafe Bagdad assen wir die ersten peruanischen Gerichte. Sehr lecker. Erst mal gab es "Mais tostado", das sind geroestete salzige Maiskoerner, genial. Dann Huehnchen mit cremiger Knoblauchsosse, sehr lecker. Und einen ausgezeichneten Schokokuchen. Kochen koennen die Peruaner. Hier fanden wir dann auch gleich eine Spezialitaet auf der Karte, die seltsam anmutet: gegrilltes Cuy (Meerschwein). Das sieht wirklich gewoehnungsbeduerftig aus ... so im ganzem am Spiess. Mal sehen, ob wir uns trauen, das zu testen.

Heute haben wir wunderbar ausgeschlafen (es war wirklich sehr ruhig und warm), das war noetig nach der anstrengenden Fahrerei. Wir haben dann in San Blas mit seinen vielen Geschaeften drei tolle, gemalte Aquarell- und Oel-Bilder erstanden, bis es weiter Richtung Stadt ging. Die Innenstadt ist gut zu Fuss erreichbar und wunderschoen. Ueberall gibt es blaue Balkone und alte Haeuser. Die Kathedrale ist sehr impossant, allerdings haben wir sie nur von aussen gesehen, da uns der Eintritt mit 6 EUR (plus 5 fuer das Museum, plus 6 fuer die Turmbesteigung) einfach zu dreist war. Hier wird fuer alles und jedes viel Geld verlangt und die meisten Touris scheinen es zu bezahlen.
Was hier ebenfalls in der Stadt auffaellt, sind Minitaxis. Da die Stadt am Huegel gebaut ist und es jede Menge ganz enge Gassen gibt, sind fast alle Taxis so gross wie ein Fiat Panda (Daewoo irgendwas) ... diese Gefaehrte rasen mit hoher Geschwindigkeit ueberall durch die Stadt so dass das Strassen ueberqueren gar nicht so einfach ist. Nachmittags haben wir ein tolles Cafe mit superleckeren Torten gefunden. Kulinarisch sind wir hier im Paradies. Perfekt. Internet ist hier auch superschnell, nur alles ist teuer. Cusco ist angeblich eine der teuersten Staedte in Suedamerika und sie lebt nur vom Tourismus.

Morgen fahren wir weiter mit dem Auto Richtung Santa Teresa und Aguas Calientes, wo wir uebernachten wollen und von wo aus wir am Montag nach Macchu Picchu starten wollen.