Freitag, 30. Mai 2008

Umzuege und Post

Gestern Abend sind wir noch Richtung Ortszentrum gelaufen und sind mitten in eine Prozession geraten. Wir dachten, es sei Fronleichnahm, doch nun wissen wir, dass es das nicht war, denn das war schon letzte Woche. Also wird es wohl irgendein anderes religioeses Fest gewesen sein. Die Menschen hier sind zutiefst katholisch glaeubig, dementsprechend viele Kirchen gibt es hier auch. Die Prozession wurde von Musik begleitet, die Menschen hatte je nach Gruppe (Kinder, Musikzug,...) unterschiedliche Uniformen an.
Die Einwohner von Potosí scheinen auf Musik- und Tanzumzuege jeglicher Art zu stehen, denn erst am Dienstag, der Muttertag in Bolivien, gab es den ganzen Tag Umzuege in der Stadt mit Musik und Tanz. Dazu gibts auch einige Bilder im Blog. Die Frauen hatten typische lange weite Roecke an mit Hueten auf dem Kopf, die Maenner Anzuege und sie tanzten im Halbkreis hin und her. Alle hatten Ratschen in der Hand, die die Form eines Autos oder einer Pistole hatten, mit der sie von Zeit zu Zeit einen heiden Laerm veranstalteten. Dazu gab es Marschmusik der Kapelle und der Umzug schien den ganzen Tag durch die Stadt zu ziehen. Die Kinder hatten schulfrei, ueberall gab es riesige Sahnetorten zum Muttertag zu kaufen, alle Kinder und Frauen hatten Rosen in der Hand und die Restaurants der Stadt waren gnadenlos ueberfuellt mit Muttertagsgaesten. Ein riesen Spektakel, aber interessant. Der Verkehr kam dadurch nahezu zum Erliegen, nur gut, dass das Stadtzentrum nicht so gross ist.

So haben wir gestern Abend beim Essen noch ein wenig hin und her ueberlegt, ob wir heute oder morgen nach Sucre fahren, doch das Ganze hatte sich schnell geklaert, nachdem wir festgestellt haben, dass es fuer heute um 13 Uhr kein Busticket mehr gibt. Demnach haben wir nun eines fuer morgen gebucht und ich gewinne langsam den Eindruck, dass alle Bustickets in Bolivien 25 Bolivianos (ca. 2,50 EUR) kosten, egal wie lang die Fahrt dauert. Die letzte Fahrt dauerte ueber 6 Std und diese nun 3 und alle kosten dasselbe. Die Nacht verlief besser als die Letze, Flo konnte zumindest halbwegs schlafen, das Fieber war weg, auch wenn alles noch nicht so ganz optimal ist, aber das wird schon werden.

Wir haben nun insgesamt 36 Stunden Tag und Nacht den PC hier im Hotel nahezu dauerbelagert, um die Massen an Bildern im Internet zu sichern, die wir in den letzten Wochen gemacht haben. Bei der Geschwindigkeit der Computer hier ist das wirklich ein schweres Unterfangen, doch da der PC hier direkt vor unserem Zimemr steht, haben wir das ganz gut hinbekommen. So hatte es sein Gutes, dass wir hier etwas laenger bleiben.

Heute habe ich beschlossen, ein Paket nach Deutschland zu verschicken, besser gesagt einen etwas groesseren Umschlag. Nachdem dies in Argentinien recht gut und schnell geklappt hat, dachte ich mir, kann es hier ja halb so wild sein. Immerhin wusste ich nun schon mal, was "Briefumschlag" heisst und hatte auch schnell einen in der Libreria erstanden. Alles war schnell verpackt und der Umschlag rundum mit Klebeband umwickelt, damit das Paketchen auch ja heil ankommt. Das war ein Fehler. In der Post angekommen war Gott sei Dank nichts los und ich der einzige Kunde. Das versprach schnell zu gehen. Doch die Dame am sehr altertuemlichen Schalter erklaerte mir, dass sie das so nicht annehmen koenne, weil ich keinen Rand fuer die Briefmarken gelassen haette. Doch was nun? Ich war nicht bereit, mich von der Stelle zu ruehren, bis ich das Paket los hatte und fragte sie, ob sie eine Idee haette. Nach langem Hin und Her ging sie zum Postkartenschalter um die Ecke und holte dort ein Klebeband, ich war im Schlepptau. Die sehr nette Dame dort sagte mir, dass das Klebeband 4,50 BB kosten wuerde, doch ich habe ihr gesagt, dass ich das nicht ganz braeuchte und ihr den Rest wieder bringe. Wieder am Postschalter ging es los: Die Dame fing an, die Briefmarken abzuzaehlen, 10 Stueck an der Zahl sollten auf den Umschlag. Nachdem sie den ganzen Umschlag bepflastert und bestempelt hatte, war er schon zu einem Drittel voll. Dann ging es weiter mit diversen Formularen, die ausgefuellt werden wollten. Nachdem mein Prozedere noch laenger dauern sollte, wurde ein Herr ungefragt dazwischen drangenommen und seine Post abgefertigt und weggebracht (nochmal 5 Min). Scheinbar wird jeder einzeln abgegebene Brief von der Dame nach der Registrierung zum anderen Schalter getragen. Fuer jeden Brief/Paket fuellt die Schalterdame ein Formular mit Absender und Empfaengeradresse, Datum, Uhrzeit und Kosten aus, deren Durchschrift der Kunde bekommt. Computer gab es natuerlich keinen, alles Handarbeit. Nachdem meine Absender- und Empfaengeradresse deutsch war, hat sie ca. 10 Minuten allein zum Abschreiben gebraucht und ich musste ihr mindestens die Haelfte davon buchstabieren, damit es geklappt hat. So, geschafft. Noch ein Zettel. Ich musste den Inhalt angeben samt Wert, also irgendwas auf Deutsch angegeben, keiner kann es dort verstehen. Das reichte ihr. Noch ein Zettel mit meinem Namen und meiner Unterschrift und diese beiden Zettel kamen dann auch auf den Umschlag. Per Klebeband, da sie nicht selbst klebten. Dann: sie kramte ein Blatt mit diversen Nummern- und Codebloecken heraus, welches sie mit einem Teppichmesser zerschnitten hat. Ein Teil auf das Adressformular, ein Teil auf die Kopie vom Adressformular und je drei Teile einzeln auf den Umschlag, so dass der Umschlag im Endeffekt uebersaeht von Zetteln und Briefmarken war. Damit das Ganze auch gut haelt hat sie ihn ca. 10x mit Klebeband umwickelt und zwar in alle Richtungen und dann war das Werk vollbracht. Perfekt. Immerhin scheint so jeder Brief eine "Trackingnummer" zu haben, so dass man ihn nachverfolgen koennen sollte, wobei ich bezweifle, dass das hier geht. Ich bin dann von dannen gezogen, hab der Postkartendame das restliche Klebeband ueberlassen, die schon auf mich wartete und meinte, ich kaeme nicht mehr und ihr 2BB fuer ihre Hilfe ueberlassen. Angeblich soll das Paket in 10 Tagen in Deutschland ankommen, da bin ich mal gespannt. Immerhin hat es nur die Haelfte von dem in Argentinien gekostet, also war echt billig.

Was hier in Bolivien auffaellt ist, dass die Menschen etwas aufdringlicher als in Argentinien oder Chile sind. Dort hatte man nie jemand, der einem was verkaufen will, das ist hier schon anders, was vermutlich daran liegt, dass die Menschen hier einfach aermer sind und auf das Geld angewiesen sind, das ein Kunde mehr dalaesst. So haben wir uns heute einen frischgepressten Grapefruitsaft "aufschwatzen" lassen, der wirklich hervorragend war und wenigstens einen kleinen Beitrag zur Vitaminversorgung geleistet hat, wenn man sonst schon recht einseitig isst.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Potosi die Zweite

Nachdem die letzte Nacht wirklich bitterkalt war, haben wir nun neben unseren 5 Decken (das Wort "manta" haben wir schnell gelernt) noch 3 aus einem anderen Bett zu uns gelegt. Flo behauptet ja, dass nackt schlafen die Loesung gegen Kaelte waere, doch so ganz glauben wollte ich das nicht. Aber ich habs ausprobiert und tatsaechlich war mir doch nach 4 Std so heiss, dass ich sogar meine Socken ausziehen musste. Scheint zu funktionieren. Als der Wecker um 7 klingelte, hatte Flo in der Nacht kaum geschlafen und fuehlte sich schrecklich. Der Magen ... Und ihm war staendig heiss und kalt. Klang und sah nach Fieber aus. Nach kurzen Hin und Her habe ich mich entschieden, die Minentour alleine mitzumachen, die wir fuer diesen Tag gebucht hatten. Ich habe ihm einen Tee besorgt und er wollte brav bis mittags im Bett bleiben ...
Ich bin also zusammen mit 3 Australiern, einem Schweizer, zwei Englaenderinnen und zwei Israelis mit "Koala Tours" um 8.30 Uhr zur Tour aufgebrochen. Wir hatten zwei Fuehrer, Efra und Reinaldo. Beide sind ca. 30 Jahre alt und arbeiten selbst seit Jahren in der Mine, wenn sie keine Touristenfuehrungen machen.
Unsere erste Station war das Camp etwas ausserhalb der Stadt, in dem wir eingekleidet wurden. Jeder erhielt Gummistiefel, Gummijacken und feste Hosen samt Helm mit batteriebetrieberer Stirnlampe. Das Equipment war in einem Topzustand und sehr gut gewartet. Es wird nach jedem Gebrauch gewaschen bzw. geprueft. Der erste positive Eindruck ... Dann ging es weiter zu der Raffineria, in der das Material, das aus den Minen kommt, weiterverarbeitet wird. Die ganzen Anlagen waren sehr alt und zum Teil schlecht in Schuss ("very Basic"), doch fehlt das Geld fuer weitere Wartungen. Efra hat uns berichtet, dass die "Miners" (Minenarbeiter) aus der Mine Stein mit Silber, Zinn und Blei holen. Leider sind 85% des Gesteins Abfall, nur 15% davon koennen gebraucht werden. In der Raffineria werden die ca. 5-10 cm grossen Gesteinsbrocken gemahlen und das Pulver dann mit Wasser verduennt. Anschliessend wird die Bruehe erhitzt und in der "Giftkueche" von den giftigen Inhaltsstoffen befreit. Danach wird das braune Gestein-Wassergemisch zigmal durchgewaschen bis am Ende der Silberstaub an der Oberflaeche stehenbleibt, getrocknet und abtransportiert wird. Natuerlich wird bei der Abwasserentsorgung der leichteste Weg verwendet ... der nahegelegene Fluss.
Wir sind weitergefahren zum Markt, an dem alle Minenarbeiter einkaufen und sich versorgen. Efra hat uns berichtet, dass ein Minenarbeiter in der Regel nur am Morgen und Abend isst, denn in der Mine ist es so schmutzig, dass man essen vergessen kann. Demnach nimmt ein Arbeiter am Morgen 3-4 volle grosse Teller mit Reis, Nudeln, Lamafleisch, ua. Dingen zu sich, damit er der harten Arbeit unter Tage gewachsen ist. Unter Tage werden vor allem einheimische Softdrinks zwecks Energiezufuhr getrunken. Auf dem Markt gab es Ausruestung (Helme, Schutzkleidung, Masken, Jacken, Stiefel, uvw.), Material (Dynamit in Huelle und Fuelle, Karren, Schaufeln), Getaenke, Essen (wer Familie hat, isst zu Hause, Alleinstehende essen auf dem Markt) und vor allem Kokablaetter. Die Kokablaetter werden hier in grossen Saecken verkauft und die Arbeiter zupfen die Blaetter von den Stielen und schieben sich die Masse zum eingespeicheln in den Backen (golfballgross!!). Wir haben auf dem Markt "Geschenke" (Dynamit, Softdrinks, Koka) fuer die Arbeiter gekauft und uns noch fuer den Trip unter Tage gestaerkt. Natuerlich haben wir das Koka auch gekaut, denn seit der Suedbolivientour wissen wir, dass es tatsaechlich gegen die Hoehe hilft und Energie gibt. Wir sind dann mit dem Bus auf den Cerro Rico gefahren, den "Reichen Berg", der zum Abbau des Gesteins genutzt wird. Dort gibt es ca. 400 Minen mit je ca. 100-400 Arbeitern. Koala Tours besichtigt immer die "Candelaria" Mine, die nicht ganz so viele giftige Gase enthaelt und halbwegs gute Luftzufuhr hat.
Bei der Mine angekommen, gab es vor dem Eingang eine Menge Baracken aus Stein, "very basic", die von den Arbeitern aus Schlaf- und Aufenthaltsraeume genutzt werden. Fuer uns unvorstellbar, dort auch nur 2 Std. sein zu muessen. Es zieht an allen Ecken und Enden. Toiletten gibt es nicht, wer muss geht hinters Haus. Vor der Mine waren eine Reihe von Arbeitern neben einer Lore zu sehen, denen wir einen Teil unserer Kokavorraete ueberreicht hatten. Dann gings los: Halstuecher um den Mund, Mundschutz auf wer hatte (meinen hatte ich leider verloren), Lampe an und Richtung Eingang. Schon nach wenigen Metern in dem Schacht - zu Fuss auf dem Weg der Schienen (fuer die Lore) - war eines klar: der Gestank und der Staub in Kombination mit 4300 m Hoehe sind nahezu unertraeglich. Licht gibt es nur durch die Stirnlampen, man musste auf seinen Weg schauen, denn der Boden ist nass, schlammig, loechrig und es gab mehr als genug Stellen, wo man sich in die Knie ducken musste, um den Kopf nicht anzuschlagen. Ueberall war der Gang durch Holzbalken gestuetzt und man darf nicht an die Strom- und Rohrleitungen kommen, die ununterbrochen zischende Geraeusche von sich geben. HILFE ... Die Luft wurde nach 100 m zum Schneiden, ohne Halstuch um den Mund ging nichts mehr, es roch unheimlich stark nach Schwefel und der Staub war in der Luft zu sehen. Die Augen brannten, das Atmen fiel sehr schwer, denn ohne Halstuch stank es zu sehr, mit kriegte man auch kaum Luft. Ich hatte alle Muehe, meine Panik zu bekaempfen. Was toll war, waren die Gesteine. Gelbe, gruene, weisse Felsen, zum Teil durchzogen von Silberadern.
Ploetzlich ein ohrenbetaeubender Laerm und wir sahen die Lore von hinten heranrasen. Wir rannten zur naechsten Ausweichstelle und schon schoss der Metallzug an uns vorbei ... puhhhh .... grad nochmal geschafft, denn der Gang war zu eng fuer Mensch plus Lore ... Nach einigen hundert Metern hatten wir den "ersten Level" erreicht, wo ein kleines Museum engerichtet war. Noch eine Ladung Koka fuer alle und dann gings weiter. Die naechste Etappe wurde immer beschwerlicher, zumal der Gestank, der Staub und vor allem die Hitze zunahm. Ich war nicht nur einmal kurz vorm aufgeben, und weitere 10 Min spaeter, die sich dank der Enge, Dunkelheit und dem Gestank hinzogen, errreichten wir den Eingang zum "zweiten Level". Dort hatten wir eine kleine Ecke zum hinsetzen gefunden, wir konnten uns ausruhen und an die Umgebung gewoehnen. Efra und sein Assistent Reinaldo haben uns viel ueber das Leben der Miners berichtet und ich muss sagen, dass mich diese beiden Maenner schwer beeindruckt haben. Sie haben berichtet, dass jeder fuer sich arbeitet, doch jede Ader wird von einer Gruppe (Familie) bearbeitet. Dort arbeiten Vaeter, Soehne, Neffen, Cousins alle Hand in Hand, der aelteste bestimmt die Arbeitszeiten. Wenn der Vater "Miner" ist, wird der Sohn ab einem Alter von 15 auch in die Mine geschickt, so will es die Tradition. Gearbeitet werden ca. 10 Stunden am Tag, zum Teil auch nachts, denn dunkel ist es eh immer. Frei ist nur der Sonntag, Urlaub gibt es nicht. In der Regel arbeitet ein Miner ca. 30-35 Jahre in der Mine, bevor er an den Folgen der Arbeit stirbt, falls er nicht schon vorher einem Unfall zum Opfer faellt. Die Maenner werden nicht aelter als 45 oder 50 Jahre, sterben dann meist an Staublunge oder Vergiftungen. Im Durchschnitt sterben ca. 50 Maenner pro Jahr in der Mine durch Unfaelle, je einer am Tag durch die Folgen der Arbeit. Der Staat hat eine kostenlose medizinische Grundversorgung und minimale Witwenrente fuer die Miners und ihre Angehoerigen eingerichtet, was nett klingt, aber viel zu wenig ist. Ein normaler Arbeiter verdient in Potosi ca. 800 Bolivianos (ca. 80 EUR) im Monat, waehrend ein Miner zwischen 1500 und 2000 Bolivianos verdienen kann, wenn auch unter sehr, sehr harten Bedingungen. Dieses Einkommen reicht, um unter einfachsten Verhaeltnissen (ein Raum Haus mit Kuechenecke, keine Heizung oder Dusche) eine Familie mit 2 Kindern zu versorgen. Doch da die Menschen hier in der Regel 5-8 Kinder haben, muessen die Aeltesten baldmoeglichst auch mit in die Mine zum Geldverdienen. In die Mine werden nur die Soehne geschickt, Maedchen duerfen im Gluecksfall zur Schule gehen oder muessen anderweitig arbeiten. Da die Kinder in Bolivien einen grossen Respekt gegenueber den Eltern empfinden und diesen gehorchen, ist es keine Frage, ob man diese Arbeit machen moechte oder nicht. Efra und Reinaldo wurden auch von ihren Vaetern die Mine geschickt und arbeiten dort seit 15 Jahren. Kinderarbeit ist hier sehr verbreitet (zwar offiziell verboten, doch geduldet und es interessiert niemand). Beide Fuehrer haben fuer sich erkannt, dass es ihre Kinder einmal besser haben sollen und haben auf eigene Faust englisch gelernt, ohne Kurse oder Buecher, nur durch Reden mit Touristen. Efra kann dadurch sehr gut englisch und ist schon selbstaendiger Touristenfuehrer in der Mine, Reinaldo lernt von ihm und assistiert ihm, so dass er bald eigene Touren leiten kann. Die Jahre des Lernens bringen kein oder kaum Geld, daher ziehe ich meinen Hut vor dem Mut der beiden Maenner, so hart fuer ein besseres Leben zu arbeiten und viele Entbehrungen hinzunehmen. Doch obwohl Efra eine "gute" Stellung als Guide hat, lebt er in sehr einfachen Verhaeltnissen, genauso wie 75% der Bevoelkerung (Baracke ohne Dusche und Heizung, siehe oben). Er hat so lebendig aus seinem Leben erzaehlt, dass ich immer noch ganz gebannt bin und das Gefuehl habe, irgendwie helfen zu muessen. Die Regierung hat mit dem Bauern Evo Morales zwar einen Praesidenten aus den Reihen des Volkes, doch er interessiert sich weder fuer die Verbesserung der Bedingungen in den Minen noch fuer eine Verbesserung des maroden Bildungssystems (alles nur Wahlversprechen). Die Korruption ist hier so stark, dass die Oberen alles in die eigene Tasche wirtschaften und das Volk hungert.
Nach diesen und weiteren Informationen und dem Plausch mit mehreren Miners sollte es also weiter per Leiter nach unten in den zweiten Level gehen. Die Australierin Zoe und ich haben uns nicht mehr weiter getraut (ich finde ich kam mit meiner Platzangst eh schon weit), denn das Schlimmste sollte noch folgen. Reinaldo hat uns nach draussen begleitet, waehrend die anderen weiter abgestiegen sind. Das zweite Level war weitgehend zum Robben und Kriechen, das Dritte wieder besser begehbar. Nach einer 3/4 Std kamen unsere Kollegen voellig fertig, verschwitzt, roechelnd und dreckig (unten hat es bis zu 40 Grad) aus der Mine und waren sprachlos. Sie hatten wohl die Miners dort arbeiten sehen, Sprengungen erlebt und das soll wohl wirklich hart gewesen sein und fast alle waren dabei an ihre Grenzen gegangen. Wir haben draussen noch 3 Sprengungen gemacht und selbst 100 m von dem Dynamit entfernt, hat der Boden so vibriert, dass ich fast in die Luft gehuepft bin, vom Knall mal ganz abgesehen. Wahnsinn. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie das unter der Erde ist und Zoe und ich waren heilfroh, nicht weiter mit nach unten gegangen zu sein ... auch wenn wir dadurch leider nicht alles gesehen haben.

Zurueck im Zimmer ging es Flo eher schlechter als besser, es war bitterkalt und er hatte Fieber. Ich habe von Ruth, der Hausherrin noch einen Tee und Waermflasche geholt und damit schlief Flo immerhin endlich ein. Ich habe gefragt, ob Ruth nicht einen elektrischen Heizkoerper hat, doch als sie dies verneinte, war schnell entschieden, dass wir uns eine neue Unterkunft mit Heizung suchen wuerden. Eine war voll, die andere hatte noch genau ein Zimmer. Juhu. Nachdem ich alles gepackt hatte, haben wir unser Zeug per Taxi zum Hotel gefahren und Flo hat sich wieder hingelegt. Hier ist es wohlig warm, wenn auch mit 350 Bolivianos (35 EUR) echt teuer. Immerhin ist Internet inclusive und wir verbringen gerade Stunden am PC um Texte und Bilder fertig zu machen. Flo muss schliesslich wieder fit werden ... Abends habe ich im Koala Cafe noch Tortilla getestet und festgestellt, dass das bolivianische Tortilla mit Spinat genial ist ... Nach einer echt anstrengenden und fiebrigen Nacht geht es Flo heute schon wieder besser und so wie es aussieht, werden wir wohl morgen mit dem 13 Uhr Bus nach Sucre fahren.

Heute habe ich Flo´s Strickjacke vom Schneider geholt, der Reissverschluss war kaputt, und den Mercado Central durchkaemmt und zwar nach Dulce di Leche. Zum Fruehstueck gibt es hier immer nur Butter (gesalzen) mit einer Pfirsichmarmelade, die ich nicht essen kann, daher musste was anderes her. Auch wenn wir schon an trocken Brot mit Tee oder Wasser gewoehnt sind, zumindest zum Fruehstueck esse ich ab morgen wieder Dulce di Leche, da es Streichkaese (was mir am liebsten waere) hier einfach nicht gibt. Der Markt hier gibt wirklich alles her, was man kaufen kann (ausser Streichkaese natuerlich). Schuhe, Klamotten, Fleisch (hab ein paar Kuhkoepfe gesehen und vor allem gerochen), Gemuese, Kosmetik, eben alles, was man braucht. Und hier gibt es nur Einheimische, ich mag so was. Immerhin hab ich 2 frischgepresste O-Saefte erstanden, um halbwegs zu Vitaminen zu kommen.

P.S. Falls ihr euch schon gewundert habt, dass es keine neuen Bilder mehr gab: nun gibt es wieder welche. Es ist einfach unheimlich schwer, einen PC zu finden, der halbwegs die Geschwindigkeit hat, sie hochzuladen ...

Sonntag, 25. Mai 2008

Uyuni und Potosi die Erste

Nachdem wir am Sonntag gegen 13.30 Uhr in Uyuni in Suedbolivien wieder in der Zivilisation angekommen waren, war eines schon klar: Bolivien ist ein sehr faszinierendes Land, das vor allem mit seiner unendlichen Weite beeindruckt. Wir haben in Uyuni schnell ein nettes Hotel direkt am Hauptplatz gefunden, an dem gerade ein Markt stattfand. Nachdem wir einen Megahunger hatten, haben wir schnell festgestellt, dass die Sandwisches, wie sie hier heissen, bei weitem nicht so lecker wie in Argentinien sind. Sehr pampig und fad. Naja, wird schon noch was anderes leckeres geben. Zuerst Geldwechseln: das ging gut, doch als ein Opa neben uns seine Bolivianos in Dollar tauschte (er sah nicht nach USA Turist aus), wurde uns schnell klar warum: die Inflation hier ist unglaublich. Bis man sich umschaut, ist das Geld nix mehr Wert, so dass die Menschen hier ihr Geld in US Dollars umtauschen, damit es noch was wert ist, bis sie es brauchen. Dann haben wir bei der Reiseagentur Colque Tours, mit der wir die Suedbolivientour gemacht hatten, nachgefragt, was man hier in Uyuni machen kann...dort hiess es: "Am besten in den naechsten Bus steigen und wo anders hinfahren". Eine sehr ehrliche Aussage. So haben wir im Reisefuehrer geschmoeckert und nach kurzem Ueberlegen einfach ins Blaue hinein entschieden, in Richtung Osten nach Potosi, eine Stadt in 6 Std (200 km) Entfernung, von der wir wenig wussten, zu fahren. Wir sind also los zum Busbahnhof, haben uns fuer insgesamt 50 Bolivios (5EUR) ein Ticket fuer den naechsten Morgen gekauft und das alles in ein paar Minuten. Mit dem Spanisch klappt es mittlerweile echt ganz gut, war echt stolz auf mich. Dann sind wir los Richtung Hauptplatz und wollten dort eigentlich ins Internet, doch nachdem dort echt viel los war, haben wir einfach den Trubel genossen. Wir haben an einem der vielen "Fressstaende" - die wir ja aus Asien kennen und so lieben - Kuchen und "Hamburguesas" gegessen. Der Hamburger ist hier eine Semmel gefuellt mit Pommes und klein geschnittenen fritierten Wuersten mit Salat/Tomate plus Ketchup/Mayo. Wer will, bekommt auch Hackfleisch und Ei. Und das ganze fuer 30 Eurocent, kann man sich nicht beschweren. Dann haben wir in der Ferne eine Masse an Menschen und Musik wahrgenommen und sind hingelaufen. Dort sind wir in einen "Wunschmarkt" geraten, auf dem die Hoelle los war. Mittlerweile wurde es dunkel und dort gab es wieder allerhand zu essen, vor allem Torten in allen Ausmassen und Spiele aller Art. Da gab es Bingo, Kartenspiele, Schiessen, Losen und man konnte symbolisch Haeuser, Geldbuendel, ua. Dinge der Art kaufen, die einem zu dieser Art von Glueck verhelfen sollten. Sehr spannend, doch ein unglaublicher Trubel, dem wir nach einer Stunde entflohen sind.
Was auf der Strasse auffaellt ist, dass es unheimich viele Kinder gibt. Die Frauen tragen die Kleinen alle auf dem Ruecken in ein buntes Tragetuch gelegt oder gesetzt. Man fragt sich zwar, wie diese Luft in dem Buendel bekommen, doch es scheint zu funktionieren. Die Frauen tragen alle Tracht, das heisst einen weiten sehr gerueschten knielangen Rock, der aussieht wie ein Pettycoat und dazu dicke Wollstrumpfhosen und Lamastulpen. Oben Bluse, Schuerze und einen deckenartigen Ueberwurf und auf dem Kopf einen runden, zylinderartien Hut. Sie haben alle lange schwarze Zoepfe mit schweren Perlengehaengen zusammengebunden.
Im Hotel angekommen, waren wir echt platt, die Dusche gab wieder mal kein warmes Wasser her, aber man gewoehnt sich ja an alles. Schlafen war in der durchgelegenen Matratze eher schwer, zumal die 1000 Stassenhunde die ganze Nacht Bellwettbewerbe durchgefuehrt haben, wenn gerade mal keine Autoalarmanlage quaekte.

Am naechsten Morgen haben wir am Busbahnhof schnell unseren klapprigen Bus entdeckt. "Very local", wie die Amis zu sagen pflegten. Das Gepaeck wurde aufs Dach geschnuehrt und es ging sehr puenktlich los. Die ca. 40 Plaetze waren alle belegt und zwar fast ausnahmslos von Einheimischen. Ausser uns gab es noch einen Deuschten und 3 Amerikaner. Die Sitze waren halbwegs breit, dafuer der Gang knalleng. Neben uns hatte eine Frau einen Sitz gebucht und das mit 3 Kindern. Den Saeugling immer auf dem Schoss, eine dicke Tasche zwischen den Fuessen und die beiden anderen Kindern sassen auf der Tasche, kaum vorstellbar, wie eng das war und sie fuhren 5 Std. Aber wie zu erwarten, waren die Kinder echt brav, die waren das gewoehnt. Kein Vergleich zu den deutschen verwoehnten Stepkes. Die Strecke war von Anfang bis Ende ein Acker und der Bus schaukelte und wackelte permanent. Nur gut, dass wir das mittlereweile gewohnt waren. Stops gab es alle paar Kilometer und Menschen stiegen ein und aus und stellten sich auf den mini schmalen Gang zwischen den Sitzreichen und zum Fahrer in die vordere Kabine. Alle mieften mehr oder weniger stark - meisst mehr - und hingen ueber unseren Sitzen. Die Zeit des Luxusbuses ist nun klar vorbei, Toilette gab es keine an Board. Wer musste, stieg mit aus und setzte sich an den Strassenrand und zwar im Affenzahn, da es der Fahrer echt eilig hatte. Wild pinkeln kann man hier echt perfektionieren. Die Strecke war atemberaubend schoen und wir konnten uns kaum an der Landschaft sattsehen. Die unendliche Weite war auch hier wieder da. Felsen in allen Farben und Formen. Abhaenge neben der Strasse gab es zuhauf, wo man besser nicht hinuntersah, zig Baustellen und kaum Doerfer. Und wie immer: keine Wolke am Himmel und das seit Wochen. Nach ca. 4 Std. wurde die Landschaft gruen und die Menschen bewirtschafteten Felder, was wir bisher im Andenhochland noch nicht gesehen hatten. Ein wenig spaeter kam auch schon ein grosser roter Berg in Sicht: der Cerro Rico, der quasi der Hausberg von Potosi ist.
Die Stadt Potosi ist die hoechste Stadt dieser Groesse der Welt (134.000 Einwohner, Hoehe 4070 m). Der Silberreichtum des Berges machte Potosí im frühen 17. Jahrhundert zu einer der größten Städte der Welt und auch heute ist die Stadt noch von dessen Silber- , Blei- und Zinnvorkommen abhängig. Das Klima ist den so genannten Kalttropen zuzurechnen: Die Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten sind wegen der hohen Lage und dem trockenen Klima deutlich geringer als die zwischen Tag und Nacht (normalerweise zwischen 15 °C und 25 °C Unterschied), man findet also meist angenehm warme Tagestemperaturen, in der Nacht aber Werte, die selbst im Sommer um den Nullpunkt liegen. Potosí hat eine markante Regenzeit im Sommer, während der Wintermonate herrscht dagegen oft Wassermangel. Nur gut, dass wir gerade Winter haben und es in der Nacht wirklich bitterkalt ist. Die Stadt wirkt viel doerflicher, als die vielen Einwohner es vermuten lassen und das Leben spielt sich um den Hauptplatz ab. Wir haben uns bei der Ankunft ein Taxi geschnappt - Taxis verlangen hier unterschiedliche Preise, ja nachdem ob das Ziel der Fahrt bergauf oder bergab liegt - damit wir uns bei der Hoehe mit unseren Rucksaecken nicht gleich in den Kollaps begeben. Wir hatten schnell was gefunden, ein ehemaliges Frauenkloster mit dem Namen "Compañia de Jesus". Die Hausherrin Ruth ist schon in der halben Welt herumgereist und wir fuehlten uns bestens aufgehoben und das bei 110 Bolivianos (ca. 11 EUR) die Nacht. Am Abend sind wir "nur" noch schnell was essen gegangen und da haben wir echt Glueck gehabt. Wir wollten was Leckeres haben und so hat sich Flo ein Lomo bestellt und ich einen Versuch gewagt und "Trucha" bestellt in der festen Ueberzeugung, dass es sich dabei um Truthahn handelt. Auch kam mir die englische Uebersetzung nicht spanisch vor und als das Teilchen kam, war alles noch bingo. Nach dem ersten Bissen dachte ich schon, das schmeckt nach Fisch, beim zweiten sagte ich, das sieht auch aus wie Fisch und beim dritten Stochern fand ich auch die Graeten. HILFE. Ich habe eine starke Fischallergie und hab mir aus Versehen einen Fisch bestellt. Panik... Ich habe nachgefragt, ob mein Trucha auch wirklich ein Trucha oder ein Fisch ist, die Antwort war: ein Trucha. Na gut, ich habe mir mehr oder weniger erfolgreich eingeredet, dass das ein komischer Truthahn waere und ihn vorsichtshalber nicht weitergegessen. Nach einer Allergietablette und viel Einbildun und Ablenkung ging es wieder und ich kann echt sagen, dass ich ein Riesenglueck hatte, dass ich nicht so stark wie frueher reagiert habe, denn das haette Krankenhaus und Lebensgefahr bedeutet und das in einem Land wie Bolivien. Der Verzicht im letzten Jahrzehnt hat mich wahrscheinlich gerettet. Am naechsten Tag erst habe ich es gewagt, das Woerterbuch zu befragen: Trucha ist eine Forelle ... Soviel zum Thema. Nun werde ich also bei allem weiteren Neuen nachschauen bevor ich es esse oder verzichten. Unseren zweiten Tag in Potosi nutzten wir fuer Internet, Waesche waschen (diesmal ausnahmsweise in der Lavanderia, denn bei den Minusgraden gefrieren die nassen Klamotten hoechstens) und faulenzen. Mittags waren wir im Cafe "La Plata", das uns ein leckeres Essen und ein Wiedersehen mit zwei Franzosen aus Chile bescherte. Nachmittags sind wir im "Casa de las Monedas" gewesen, eines der bekanntesten Museen in Suedamerika, in dem die Geschichte der Muenzpraegung von Potosi aufgezeigt war. Potosi hatte frueher wie heute aufgrund des Klimas keine Landwirtschaft oder Viehzucht, so dass sie ausschliesslich von den oben erwaehnten Rohstoffen lebt. Nach Aussage des Fuehrers wurde in Potosí die erste Weltwaehrung von den Spaniern gepraegt. Abends haben wir dann eine Tour bei Koala Tours in die Minen fuer Mittwoch gebucht, da die Agentur im Reisefuehrer empfohlen war. Und: wir haben festgestellt, dass Pizza in Bolivien tatsaechlich schmeckt. Die Bolivianer scheinen im Gegensatz zu Argentinien Gewuerze zu kennen.

@Tommi: Wir haben nun kapiert, warum Du so vom Altiplano geschwaermt hast. Die Hochebene ist wirklich ein Traum, wenn auch die Kaelte und die Hoehe echt gewoehnungsbeduerftig ist.

Samstag, 24. Mai 2008

San Pedro (Chile) nach Uyuni (Bolivien): 2.+3. Tag

Nach der sehr kalten Nacht und einem sehr kalten Fruestueck haben wir um 8.30Uhr wieder den Jeep mit den Rucksaecken beladen und sind weitergefahren. Unsere erste Station an diesem Tag war der "Arbol de Piedra". Das ist ein Stein, der die Form eines Baumes hat und der sich durch Lava eines Vulkans im Laufe der Jahre geformt hat. An der gleichen Stelle gab es noch ganz viele andere tolle Felsformationen, an denen man sich kaum sattsehen konnte.
Weiter ging der Tripp ueber Stock und Stein mitten durchs Nichts (aktive und inaktive Vulkane bis 6000 m Hoehe gabs zuhauf) zu den Lagunen Honda, Chiar Khota, Henionda und Cañapa. Die Lagunen hatten alle tolle Farben und Formen und waren zum groessten Teil zugefroren. Hier haben wir auch die ersten freilebenden Flamingos gesehen, die sich in riesigen Gruppen bewegen. Das witzige ist, dass sich die Voegel ueber Nacht mit den Fuessen ins Eis einfrieren lassen und erst wieder am naechsten Tag durch die Sonne auftauen. Um Krill und anderes Kleintier zu fangen, stellen sich alle Voegel in eine grosse Gruppe mit ca. 100 Tieren zusammen und sie laufen ganz nah aneinander hin und her um die Beute in die Mitte zu treiben.Wir haben drei verschiedene Arten von Flamingos gesehen, den chilenischen, den andinen und den James Flamingo. An der Lagune Henionda hatte einer der Jeeps seinen zweiten platten Reifen, doch der war mit Hilfe der anderen Fahrer in 5 Minuten gewechselt, Ersatzreifen hatte jeder dabei. Nach dem Mittagessen in einem kleinen Andendorf, bei dem es wieder mal Gemuesesuppe und Reis mit Pollo gab und wo auch die kaputten Schlaeuche der Reifen repariert wurden (Gott sei Dank, denn spaeter gabs noch mal einen Platten), hatten wir eine ca. 4 stuendige Fahrt vor uns, bevor wir zu dem groessten Salzsee der Welt kommen sollten. Die Fahrt haben die anderen meist verschlafen, ich dagegen war ununterbrochen fasziniert von der unendlichen Weite dieser Landschaft. Wenn man sich fragt, wie sich wohl Freiheit anfuehlt, dann kann ich nur sagen, dort muss sie geboren sein ... Man trift zum Teil eine Stunde kein anderes Auto, man sieht kaum ein Haus, es gibt hier einfach nichts ausser die wunderschoene Natur mit viel Sand, Staub, Vulkanen, kleinen Salzseen, Steien und absoluter Ruhe. Ein unbeschreibliches Gefuehl, dass wir wohl so schnell nicht vergessen werden. Auf dem Weg haben wir uns durch einen tiefen Riss in der Erde mit dem Auto gequaelt, durch den wir kaum passten und dort haben wir Anden-Hasen gesehen. Sie haben die gleiche braune Farbe wie die Steine und koennen unheimlich weit springen. Ganz putzige Tierchen mit megalangen Ohren. Kaum zu glauben, wie die in dem Stein ohne Pflanzen leben koennen. Weitere 2 Stunden spaeter hatten wir den groessten Salzsee der Welt erreicht, den Salar de Uyuni (auf 3.656m, 12.000 qkm). Der See besteht zu dieser Jahreszeit nur aus einem kleinen Teil Wasser, der Rest ist pures weisses Salz und daher wird dieser auch Salzwueste genannt. Wir sind zuerst ca. 20 Minuten auf einem ganz schmalen Weg auf den See gefahren, bis der Weg mit einem Salztor abschloss und damit nicht mehr weiterging. Da es mittlerweile ca. 18 Uhr war, haben wir uns mit unserem und den anderen 3 Jeeps ans Ende der Strasse mitten rein gestellt und haben einen traumhaften Sonnenuntergang erlebt. Was wir bereits bei den Seen und Lagunen gesehen hatten war auch hier so: eine atemberaubend klare Spiegelung der umliegenden Berge in dem Wasser. Wir sassen an ein 10 m hohen Tor gelehnt das komplett aus Salz gebaut ist und liessen flache Salzsteine uebers Wasser huepfen. Wenn man auf dem Salz-Weg gelaufen ist, knirschte es unter den Fuessen wie Eiskristalle, doch war es Salz. Nachdem die Sonne untergegangen war, haben wir uns wieder in die Jeeps gesetzt und wir haben uns noch gefragt, wie wir auf den 3m breiten Weg mit 3 Autos hinter uns wohl umdrehen wollten. Doch die Frage war ueberfluessig. Unser Fahrer Markus gab einfach Gas und fuhr mitten auf das Wasser und quer durch den See. Die ersten 20 Minuten fuhren wir durch ca. 40 cm hohes Wasser, das unser Auto ganz schoen eingesalzt hat, anschliessend war der See zu Ende und wir fuhren auf dem puren Salz weiter. Nach weiteren 15 Minuten erreichten wir in der Dunkelheit unser zweites Uebernachtungsquartier, direkt am Ufer des Sees. Dieses war im Vergleich zum ersten Refugio nahezu Luxus, denn man kam sogar mit 5 Decken in der Nacht klar und wir hatten immerhin fuer unser 6er Zimmer ein Bad mit Dusche, die sogar 30 Minuten heisses Wasser hatte (von 19:10 bis 19:40 Uhr). Nach einem weiteren Abendessen mit Gemuesesuppe und anschliessendem Pollo mit Reis gab es noch eine Uno-Runde und dann wollten wir nur noch schlafen.

Am naechsten Morgen sind wir diesmal zeitig um 7 Uhr aufgestanden, so dass wir gegen 8.30 Uhr starten konnten. Die Sonne war aufgegangen und es wurde richtig heiss im Auto. Wir sind durch die unendlichen Weiten dieses Salzsees weitergefahren, einfach einmal quer drueber und er schien in keiner Richtung, wohin man auch blickte ein Ende zu haben. Nach ca. 20 Minuten haben wir den ersten Stopp auf dem See eingelegt und zwar an einer Stelle, an der Salzbloecke aus dem See geschnitten werden, die als Baumaterial verwendet werden. Hier gibt es reihenweise Haeuser, die aus Salz gebaut sind. Wir haben alle moeglichen und unmoeglichen Photos mit den Bloecken und dem weiten weissen Untergrund gemacht, unglaublich, was man hier machen kann. Alle Bilder, die wir gemacht haben, sind echt, keine Fotomontage, auch wenn manche eine solche vermuten lassen. Nachdem wir alle genug Bilder hatten sind wir weitergeduest in Richtung Nichts, nach 25 Minuten sollten wir die Insel "Incahuasi" erreichen. Es ist gigantisch, als ob man mitten ueber ein Meer faehrt ... aber halt mit einem Auto. Ca. 2 km vor der Insel hat unser Jeep ploetzlich den Geist aufgegeben, Benzin leer. Na Bravo, haette das nicht noch bis zur Insel reichen koennen. Allerdings war das kein Problem, denn schnell klaerte sich, was in den Tonnen auf unserem Jeepdach war. Benzin. Markus holte einen Schlauch aus dem Auto und schon konnte das Betanken losgehen. Nach 5 Minuten war der Tank wieder voll, der Schlauch verstaut und wir erreichten die Insel. Der Name der Insel bedeutet "Haus des Inca" und ist die bekannteste Insel im Salar de Uyuni. Sie ist von vielen bis ca. 20 m hohen Säulenkakteen bewachsen (teilweise mehr als 1200 Jahre alt) und liegt etwa 80 km von Uyuni entfernt. Wir haben dort eine Stunde die Kakteen und die Aussicht bestaunt und sind dann zu unserer vorletzten Etappe des Trips aufgebrochen, dem "Hotel de Sal". Mitten im See liegt ein Hotel, das nur aus Salz gemacht ist, selbst Tische und Betten sind aus Salz. Dort gibt es ein kleines Museum mit allen moeglichen Gegenstaenden aus Salz und wir haben natuerlich ein kleines Salzlama erstanden. Dieses Hotel ist ein wenig in Verruf geraten, die Umwelt sehr zu verschmutzen und daher wird davon abgeraten, dort die Toiletten zu besuchen oder Muell dort zu lassen. Unser letzter Stop war in dem Salzort Colchani, der vor allem fuer den Salzabbau bekannt ist. Der Salzreichtum des Salar de Uyuni wird auf ungefähr 10 Milliarden Tonnen geschätzt. Jährlich werden davon etwa 25.000 Tonnen abgebaut und von Colchani aus abtransportiert. Dort konnten wir die sehr altertuemlichen Salzmuehlen und bereits abgebauten Salzberge sehen. Von dem Salz werden lediglich 5% fuer den Konsum verwendet, der Rest wird zur Haltbarmachung von Lebensmitteln benutzt.
Unser Fahrer Markus hat uns noch einige interessante Dinge ueber den Salzsee berichtet:
Während der Regenzeit kann die Salzkruste lokal mit mehreren Centimetern Wasser bedeckt sein; etwa von Ende Juni bis zum Beginn der Regenzeit Anfang Dezember ist der Salar trocken. Mit Ausnahme der schlammigen Uferzonen und einzelner Wasseraugen (ojos) kann dann die bis zu 30 m mächtige Salzkruste selbst von Bussen und LKWs befahren werden. Kaum zu glauben, aber wahr.
Anschliessend sind wir gegen 13.30 Uhr in Uyuni angekommen, des Friedhof der Eisenbahnen wollte dann irgendwie keiner mehr sehen, denn alle waren gluecklich und zufrieden, so viel gesehen und erlebt zu haben, aber auch wieder "allein" zu sein.

Freitag, 23. Mai 2008

San Pedro (Chile) nach Uyuni (Bolivien): 1.Tag

An diesem Tag ging es mit der Tour nach Bolivien los ... die Organisation "Colque" holte uns relativ puenktlich im Hostel ab und wir fuhren nach einer herzlichen Verabschiedung von unseren "Herbergseltern" mit weiteren 14 Turis zur chilenischen und bolivianischen Grenze.

Fuer unsere "Google Earth Verfolger" mal die ganze Strecke auf einen Blick:
  • Start in San Pedro de Atacama, Chile
  • Grenzuebergang nach Bolivien (eine Huette mitten in der Wueste)
  • Laguna Blanca
  • Laguna Verde
  • Piedras de Dalí
  • Pampa Jara
  • Laguna Colorado
  • 1. Uebernachtung im Refugio
  • Arbol de Piedra
  • Laguna Honda
  • Laguna Cañapa
  • Salar de Uyuni
  • Isla del Pescado
  • Hotel de Sal
  • Uyuni
Es ist die "standard" Tour die man auf jeden Fall in Bolivien machen muss und dementsprechend viele Leute sind auch unterwegs.

Die Grenze
Der Grenzuebertritt verlief ziemlich unspektakulaer da weder Rucksaecke noch Handgepaeck kontrolliert wurden. Wir bezahlten unsere ersten 15 Bolivianos (ca. 1,50 Euro) und wurden "eingelassen" ... alles sehr freundlich. Zum Glueck wurden wir bei der Aufteilung der Passagiere auf die Jeeps nicht mit Amis zusammengesetzt. Diese duerfen bei der Einreise nach Bolivien naemlich 150 Dollar berappen ... und so wie wir das mit bekommen haben hatten die wenigsten von ihnen so viel Bargeld dabei. Damit waren sie erstmal dazu verdammt Geld per Kreditkarte zu besorgen was die Abreise natuerlich fuer den kompletten Jeep verzoegert hat.

Die Truppe und das Auto
Zwei (kleine) Italienerinnen, beide sehr still und mit wenig Englischkentnissen, zwei Englaenderinnen (jung und teilweise aufgedreht) und wir. Der Jeep war im guten Zustand, die Sitze bequem, die Fenster sauber und genug Platz fuer unser Handgepaeck.
Nachdem alle Rucksaecke in einer Plane auf dem Dach verstaut waren ging es los.
Markus war der Name unserer Fahrers, Reisefuehrers, DJs und Mechanikers. Er sprach, wenn er mal sprach, natuerlich nur spanisch. Gefahren ist er super ... dank Kokablaettern immer wachsam und konzentriert.

Die Strasse
Der Weg auf dem wir losgefahren sind und der sich im Prinzip auch wahrend der drei Tage nicht gross geaendert hat besteht aus Piste mit Steinen und Loechern. Oft zweigen weitere Fahrspuren ab die unser Markus anscheinend nach gut duenken nahm.

Laguna Blanca
Nachdem wir die wunderschoenen Farben der Berge und den Vulkan Licancabur aus der ferne sehen durften kamen wir zur ersten Attraktion.
Ein wunderschoener See auf einer Hoehe von 4.300 Metern und komplett weiss (wie der Name schon sagt) vom Salz. Das Wasser ist hier vollstaendig gesaettigt mit Salz und deshalb friert es erst bei einer Temperatur von -21 Grad Celsius. Eine duenne Eisschicht spiegelte den nahen Vulkan Llicancabur und die Stimmung war atemberaubend (neben der Kaelte natuerlich). An dieser Lagune steht eine kleine Huette, extra fuer Turis und hier gab es Fruehstueck: heisses Wasser fuer Nescafe, Milchpulver und Zucker sowie Brot und Marmelade.

Laguna Verde
Nach ca. 45 Minuten fuhren wir ueber einen Huegel und da lag sie vor uns: eine gruene Lagune.
Kupfer-Oxyd hat das Wasser gruen gefaerbt und neben dem roten Wuestensand und den Felsen sah sie gigantisch toll aus. Der Anblick von bunten Bergen und unerwartetem -buntem - Wasser auf dieser Hoehe haut einen fast um. Auf dem Weg zur naechsten Station haben wir wieder Vicuña Herden gesehen. Diese wilden Tiere leben in Gruppen von ca. 8-12 Tieren und sind nicht domestiziert.

Piedras de Dalí
Wenn einer glaubt dass Salvador Dalí eine komische Phantasie hatte der hat diese Bergformationen noch nicht gesehen. Hier liegen die Felsen direkt im Wuestensand auf einem Huegel und man sagt dass Dalí sich hier fuer sein Kunstwerk inspirieren hat lassen.
Weiter ging es ueber Sandwegen und auch direkt ueber den Acker und durch die Pampa Jara zu unserem ersten Uebernachtungsdomizil.

Laguna Colorado und das Refugio
Diese Lagune ist komplett rot und von Salz-Strand umgeben. Die Farbe kommt von Mineralien und vom Eisenoxyd. Auf dem See gibt es Inseln die wie Eisberge aussehen: weiss (aus Salz) und kantig. Unglaublich aber langsam glauben wir kann uns nichts mehr ueberraschen.
Nunja ... das Refugio hatte und doch ueberrascht. "Very Basic" war die Bezeichnung und das hat es auch verdient. Und KALT muss man dazu schreiben ... kalte Betten, kalte Raeume, kalte Stuehle und kalte Luft ueberall. Nachdem wir die drei Decken gesichtet hatten die uns zugeteilt worden waren sind wir beinahe schon in Gedanken erfrohren. Susi hat kurzentschlossen nach Denken oder Schlafsaecken gefahndet und wir konnten tatsaechlich zwei Stueck gegen Gebuehr leihen (nunja, 2 Euro pro Stueck haben uns nicht umgebracht). Nachdem wir der Sache immer noch nicht getraut haben war der Beschluss schnell gefasst. Wir schlafen gemeinsam in einem Bett und haben somit doppelt so viele Decken und Schlafsaecke zur Verfuerung. Dass die breite Matraze auf einem viel schmaeleren Betonsockel lag haben wir erst gemerkt als wir im Bett gelegen sind. Wie Ihr erraten koennt hat uns die Kaelte nicht umgebracht ... gefaehrlicher war da schon eher das Gewicht von 6 Decken und zwei Schlafsaecken was auf uns lastete *grins*. Mir (Flo) war es natuerlich schon nach 20 Minuten zu warm und ich hab alle Klamotten von mir geworfen. Susi lag unbeweglich (wer kann sich schliesslich mit 6 (in Worten sechs) Schichten an den Beinen und 8 (acht) Schichten am Oberkoerper noch bewegen?). Zum Glueck mussten wir nicht auf die Toilette in dieser Nacht ... wir haben es uns tunlichst verkniffen Eiswuerfel zu pinkeln.
So haben wir die Nacht also ohne Erfrierungen ueberstanden ... allerdings hatten wir blaue Flecken von den Druckstellen der Decken auf unseren Hueften. :-)
Achso: Als wir beinahe verschlafen hatten (unser Fahrer hatte uns keine Zeit angesagt) und das Fruehstueck aus - natuerlich kalten - Broten und etwas heissem Tee bestand ging es weiter. Achja, zum Abendessen gab es lauwarme Gemuesesuppe und Nudeln mit Tomatensosse. Super lecker wenn man durchgefroren und hungrig ist.

Puh ... auf 4278 m Hoehe ist es sooo anstrengend zu wandern, zu atmen oder auch nur Uno zu spielen ...