Dienstag, 8. Juli 2008

Der Titicacasee und Copacabana

Gestern frueh sind wir gegen 8 Uhr aufgestanden. Da erwartete uns schon die erste Ueberraschung. Es klopfte an unsere Tuere und davor standen der Besitzer der Bike-Agentur CXC und unser 16jaehriger Guide vom Vortag. Flo war unter der Dusche, so dass ich die beiden begruesste und leicht erstaunt war, was sie hier wollten. Ich hatte gleich ein ungutes Gefuehl. Und schon ging es los. Der Chef der Agentur, ein Hollaender, Name vergessen, hat mich darum gebeten, das Geld (160BS sind ca. 16 EUR), das er uns gestern freiwillig zurueckerstattet hatte, wieder zu geben. Er haette die Raeder gecheckt und sie waeren fuer ihn ok gewesen. Zudem waere es unverantwortlich gewesen, den Guide allein die Strecke fahren zu lassen. Was soll ich sagen. Haha. Sind wir dafuer zustaendig, unseren Guide zu beaufsichtigen? Ist es unser Bier, wenn der erst 16jaehrige nicht mit uns Bus fahren wollte?
Nachdem er diverse unschoene Dinge von sich gab, kam auch schon Flo tropfend aus der Dusche nur mit einem Handtuch um die Hueften und war ebenso wenig erfreut, die beiden zu sehen. Auch er konnte es kaum fassen, dass dem Hollaender die 40 EUR, die wir immerhin gezahlt hatten, nicht genug fuer eine missglueckte Tour waren und er tatsaechlich die Frechheit besass, auch noch den Rest zu fordern. Da hatten wir den Guten wohl an der hollaendischen Fahrradehre gepackt. Angeblich haette unser Guide unsere Gespraeche - also Deutsch - verstanden. Und wir haetten gesagt dass wir platt gewesen waeren. Leider konnte Loy nicht einmal ein Wort englisch, geschweige denn Deutsch.
Abgesehen davon hatten wir uns lediglich ueber den schlechten Zustand der Bikes und die mangelnde Ausruestung sowie fehlende Vorbesprechung beklagt. Wir haben Fakten ueber Fakten aufgezaehlt (schlechte Bremsen und Schaltung, nicht genuegend Ausruestung, usw. , doch das hat den Hollaender nur noch mehr in Rage gebracht, bis er uns als Luegner beschimpfte und uns die Pest an den Hals wuenschte (im Detail: wir waeren Arschloecher und die Bremsen unseres Autos moegen doch versagen!). Bravo. Dann hat Flo ihm die Tuer vor der Nase zugemacht, was ihn nicht sehr begeistert hat, (er hat weiterhin auf uns eingeschimpft) doch immerhin war er draussen. Ich hatte danach echt Bammel, dass er uns was will, doch Gott sei Dank ist er abgezogen.

Wir haben dann noch versucht, unseren kaputten Benzinkanister zu flicken. Dort war bei der Herfahrt der Deckel aufgrund des Druckes der Hoehe geplatzt. Wir hatten schon immer wieder einen Druckausgleich gemacht, doch das hatte wohl nicht gereicht, so dass ein Riss im Deckel war. Flo hat ihn mit Schnueren, Folie und Faeden geflickt. Dann gings los. Wir sind diesmal zum Glueck gut an der Polizeikontrolle vorbeigekommen, denn der Beamte vom letzten Mal hatte frei. Aufatmen.
Nach kurzer Zeit und diversen Staubladungen durchs Fenster spaeter hat sich bewiesen, dass der Kanister immer noch undicht war und der Benzingestank im Auto unertraeglich. So haben wir angehalten und versucht, das Benzin in den Tank umzufuellen. Nicht so einfach, wenn man keinen Einfuellstutzen hat. Festes Papier hat als Trichter versagt, doch wir haben es so halbwegs hinbekommen. Anschliessend mussten wir den stinkenden Kanister am Wegrand stehen lassen, mit schlechtem Gewissen, doch der Benzingestank waerer noch schlimmer gewesen. Wir hatten Glueck, dass ein kleiner Wasserfall in der Naehe war, wo wir uns noch den Rest des Benzins von den Fingern gewaschen haben.

So sind wir gegen 13.30 Uhr in La Paz angekommen, haben noch schnell Geld geholt (am Titicacasee sollte es keinen Automaten geben) und weiter gings. Es war alles andere als einfach, den Weg Richtung Copacabana zu finden und schnell wurde uns klar, dass es Montag war und wir hatten mit unserem Kennzeichen am Montag ins Zentrum fahren durften. Doch zu spaet. Schon waren wir mitten drin. Wir hofften, dass uns keiner entdeckt, doch Pustekuchen. Nachdem wir uns schon dem Ende der Verbotszone naeherten, hielt uns ein Polizist auf und wollte 70 BS, weil wir illegal fuhren. Wir haben uns dumm gestellt, die unwissenden Auslaender mit 3 Worten Spanisch gemimt und es hat funktioniert. Er liess uns passieren. Aufatmen. Es dauerte keine 2 Minuten, schon der Naechste. Der war auf dem Motorrad und hielt uns mitten in einer Kreuzung an, als wir einen Moment gezoegert hatten, ob wir links oder rechts fahren sollten. Er war sehr hartnaeckig und die Masche des dummen Touris schien nicht zu ziehen. Er meinte, wir muessten das Geld bei der Bank soundso deponieren (jetzt waren es schon 200 Bol), die in mitten der Stadt waere. Haha. Wir sollten wir denn da wieder dahin finden, wo wir hinwollten. Ausserdem duerften wir ja heute nicht in der sTadt fahren. Dann wollte Flo ihm 10BS "Schweigegeld" geben, das wollte er leider nicht. Er hat immer wieder gesagt, dass wir hier Fahrverbot haetten und am Ende war er bereit, dass wir gemeinsam zu einer Tankstelle fahren und wir ihm 15 Liter Benzin zahlen. Doch auf die Frage, wo die Tanke sei, sagte er, in der Stadt. Schlecht. Wieder das Problem, dann das richtige Loch aus der Stadt zu finden und vor allem weiter Gefahr zu laufen, wieder in eine Kontrolle zu kommen. So haben wir noch 10 Min hin und her und uns dumm gestellt, dann hat er die 10 BS genommen und liess uns ziehen. Juhu. Nach mehrmaligem Nachfragen hatten wir dann auch nach 10 Abzweigungen den richtigen Weg und mussten uns wieder mal durch Massen an Bussen und Trufis quetschen. Nach 2 voellig erschoepfenden Stunden waren wir endlich aus der Stadt.

Gegen Nachmittag naeherten wir uns auf sehr guten Stassen dem See und waren begeistert. Der Titicacasee ist tiefblau und wirkt vor dem Hintergrund der schneebedeckten Gipfel und der gelben Felder wunderschoen. Wir waren ueberwaeltigt. Der Titicaca-See ist das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Er liegt auf einer Höhe von 3810 m über dem Meeresspiegel, ist 194 km lang und 65 km breit und hat eine mittlere Tiefe von 140 bis 180 m und eine maximale Tiefe von 370 m. Mehr als 25 Fluesse fließen in den Titicaca-See. Es gibt eine Vielzahl großer und kleiner Inseln, von denen einige Relikte der Inkkultur beherbergen, z. B. die Isla del Sol.
Die Herkunft des Namens Titicaca, ursprünglich eine Bezeichnung für die Sonneninsel ist nicht sicher bekannt. Er soll auf zwei Aymara-Wörtern beruhen: titi heißt „Große Katze“ oder „Puma“ und kaka heißt „grau“. Der Legende nach ist der erste Inka, Manco Capac über einen Felsen auf der Sonneninsel („Titi-Karka“, oder „Puma-Felsen“; „karka“ = Stein, Felsen) auf die Erde gestiegen. Dieser Felsen hat (mit genügend Fantasie betrachtet) die Form des Kopfes einer Wildkatze. Eine liegende Katze ist aber auch zu erkennen, wenn die Landkarte mit dem See auf den Kopf gestellt wird. Auf Quechua dagegen heißt titi „Blei“ oder „bleifarben“, qaqa heißt „Felsen“, also „bleierner (bleifarbener) Felsen“.
Nach ca. 40km um den See kamen wir in San Pablo, einem kleinen Ort, in dem wir mit dem Boot uebersetzen sollten, an. Wir hatten uns schon ein wenig Sorgen gemacht, dass wir um die Uhrzeit noch ein Boot bekommen, doch es gab hier sicher 20. Bis wir uns versahen, fuhren wir mit unserem Jeep schon auf den wackligen Holz-Kahn und schon gings los. Uns kam ein Boot mit einem Bus entgegen, da meinte man, das ganze Ding versinkt gleich im See. Nach ca. 10 Minuten und einem tollen Blick auf die Landschaft kamen wir am Schwesterort San Pedro an. Noch 45km und wir naeherten uns ueber die Berge dem Ort Copacabana. Der Ort ligt herrlich in einer Bucht der Halbinsel "Peninsula de Copacabana". Der Sonnenuntergang war genau auf uns getimed. Wir fuhren zum Strand und da war er. Tolll.... Der See wirkt hier so gross wie ein Meer und man sieht am Horizont nichts als Wasser und ein paar Inseln. Ich habe noch nie solch einen riesigen See gesehen. Copacabana liegt ca. 10 Kilometer von der peruanisch-bolivianischen Grenze entfernt auf 3841m . Der Ort besitzt ca. 8.000 Einwohner und ist durch seine Lage und touristische Infrastruktur bei Individualtouristen, die auf der Südroute durch Peru unterwegs sind, beliebt.

Nach dem Sonnenuntergang wollten wir eigentlich ins Hostal "La Cupula", das einen sehr guten Ruf hat. Doch das war leider voll. So sind wir in einem anderen netten Hostal gelandet und von unserem Zimmer aus haben wir Blick auf den See. Wunderschoen. Noch schnell was essen. Im Restaurant hat uns ein Junge bedient. Unglaublich, wie hier bedient wird. Ist fast ueberall das Gleiche. Das Besteck gibt es erst, wenn das Essen schon halb kalt ist und fuer jede Gabel, Salz, Messer, Glas muss extra gelaufen werden, so dass alles unendlich lange dauert. Nachdem Flo nach einer Ewigkeit die Nudeln unseres Tischnachbarn bekommen hatte und er sie wegen Hunger trotzdem gegessen hat, war die Verwirrung perfekt :).

Die Nacht war aufgrund der Kaelte nicht so angenehm und vor allem hat die Badtuer so geknarzt, dass man im Bett stand, wenn der andere sich dieser nur genaehert hat. In aller Frueh um halb sieben ging draussen ein Geschrei los. Ein Mann hupte permanent (keine Uebertreibung) und schrieh dabei im sekundenabstand "Kansali, Kansali": Flo dachte zuerst dass ein Marktschreier etwas verkaufen wuerde ... aber warum dann die Hupe. Dann stellte sich heraus: Es war ein Trufifahrer, der Fahrten in den Ort "Kansali" verkaufen wollte. Nicht, dass die Menschen um die Zeit in ein Kaff in der Pampa fahren wollen und auch, dass die die doch fahren wollen nicht wuessten, wo die Trufis abfahren. Nach einer Stunde Dauerbeschallung gaben wir das Schlafen auf und waren hellwach...

Aufgestanden gab es zu unserem Erstaunen halbwegs frische Brote, wenn auch der Esssaal Minusgrade aufwies. Anschliessend haben wir erst mal unsere sehr staubige Waesche der Vortage gewaschen, da das Hotel Esmeralda die Waesche nach der der Maschinenwaesche schmutziger zurueckgab, als wir sie abgegeben hatten.
Dann gings zu Fuss los zum Cerro Calvario, dem gut 4.000 m hohen Hausberg von Copacabana. Der Weg hinauf ist unter den Pilgern beliebt, da er auf 14 Stationen den Leidensweg Jesu bis zur Kreuzigung zeigt. Aufgrund der Hoehe haben wir ganz schoen gekeucht, aber wir haben ihn bezwungen. Was hier wieder einmal sehr unangenehm auffiel, waren die Berge an Muell, die es UEBERALL gab. Nachdem sich ein Junge ca. 15 Meter vor unserer Nase mitten auf der Wiese hinsetzte und sein grosses Geschaeft verrichtete, hatten wir es endgueltig schwarz auf weiss. Die Umwelt zaehlt hier nix, auch wenn die Menschen die Pachamama sonst immer und ueberall anbeten und ihr huldigen. Ueberall wird alles hingeworfen was man gerade nicht mehr braucht. Egal ob ein Muelleimer 2m weiter ist oder nicht. Ueberall sind Haufen von Tier und Mensch samt Klopapierfetzen und es stinkt dementsprechend. Die Menschen haben kein Gefuehl dafuer, dass es ihre eigene Um-Welt ist, die sie ruinieren.

Wieder unten im Dorf haben wir im Mercado einen Streichkaese erstanden, wenn auch nicht den, den es in der Stadt gab. Diesen gab es natuerlich im Fleischviertel, in dem es mit den Kuh- und Schweinehaelften dementsprechend stank. Aber wir sind ja schon dran gewoehnt.
Ein Mittagessen spaeter sind wir zur wunderschoenen Kathedrale gelaufen. Darin befindet sich die einen Meter hohe Figur der „Dunklen Jungfrau“ bzw. Virgen Morena, auch Virgen de Copacabana genannt. Die Figur wurde 1576 von einem Indio aus dunklem Holz geschnitzt. Sie hat eine Krone aus purem Gold. Die zugehörige Basilika im maurischen Stil wurde erst 1820 erbaut. Die Basilika sieht aus wie eine Moschee und ist wunderschoen, auch ihre zahlreichen Nebenkapellen.

Der Marienfigur werden zahlreiche Wunder und Heilungen zugeschrieben, sie wird als Schutzheilige des Titicaca-Sees verehrt. An jedem Wochenende kommen hier Familien aus ganz Bolivien und dem angrenzenden Peru und lassen ihre Autos segnen. Der Segen wird von einem Schamanen erteilt. Wir konnten solch einem Ritual auf dem Berg folgen. Dort gab es viele Altare, vor denen die Schamanen sassen. Eine Familie hatte ein Plastikauto, Plastikgeld und einen Wunschzettel dabei, auf das in der Zukunft Wirklichkeit werden sollte. Es gab viel Weihrauch, Beschwoerungsformeln, Bier wurde verspritzt, Kronenkorken gedeutet, Worte nachgesprochen. Dieses Ritual soll den Menschen verhelfen, dass ihre Wuensche in Erfuellung gehen.

Nachdem wir ca. 1 Std nach einem funkionierenden Internet gesucht hatten, waren wir endlich erfolgreich. Immerhin habe ich am Markt noch eine riesen Tuete mit gepopptem Mais und Weizen erstanden (7BS). Das ist genial hier. Der Weizen sieht aus wie Smacks, nur groesser und ist nicht so suess. Der Mais wie Popkorn, nur auch groesser und weniger Zucker. Das Ganze gibts auch mit Reis und alles ist superlecker. Diese Snacks werden hier schubkarnweise verkauft (kein Witz). Das Internet kostet hier im Touriort ein Vermoegen. 12BS pro Std, in La Paz waren es 7 fuer 3,5 Std. Naja.


Sonntag, 6. Juli 2008

Las Jungas / Choroico

Am Freitag sind wir gegen 11 Uhr in La Paz gestartet und haben gleich gesehen, dass unser neuer "especho" (Aussenspiegel) super ist. War nicht so einfach, das Loch aus der Stadt Richtung Coroico zu finden. An der Rezeption des Hostals haben wir immerhin erfahren, wie wir bis zum Busterminal kommen und dort war wieder mal nachfragen angesagt. Drei Leute gefragt, zwei Antworten. Wir haben uns fuer die Mehrheit entschieden und das war gut so. Nach kurzer Strecke hat sich herausgestellt, dass wir tatsaechlich die Teerstrasse nach Coroico erwischt hatten, die seit 2003 existiert. Die alte Strasse war naemlich ein Acker und zwar angeblich die "gefaehrlichste Strasse der Welt". Die Strecke sollte uns in die Jungas fuehren, der gemaessigten Landschaft zwischen dem Altiplano und dem feuchtheissen Amazonasgebiet. Dort werden Fruechte, Cafe und vor allem Koka angebaut. Neben Capare sind die Jungas das groesste Koka-Anbaugebiet in Bolivien. Die Strasse nach Coroico fuehrte uns ueber hohe Berge auf einer atemberaubenden Strecke mit der besten Sicht der ganzen Reise. Die Landschaft wurde schnell gruener und man konnte bis ins Unendliche nach unten blicken. Ganz schoen mulmig an manchen Stellen. Die Strasse zog sich ueber die Berge, Schleifen ueber Schleifen.

Nach einigen Fotostops haben wir an einer Ecke Halt gemacht, an der auch schon ein Bus am Reifen wechseln war. Ploetzlich hat uns ein Mann angesprochen, den wir schon in einem Auto hinter uns auf der Strasse gesehen hatten. Er hat sich fuer unser Auto interessiert und hat uns das erste echte Angebot gemacht. 5.500 USD. Und er kann bis August warten, das Auto muss nur irgendwie nach La Paz kommen. Das ist doch schon mal ein Anfang. Schauen wir mal. Wenn uns nichts besseres einfaellt, ist das auf jeden Fall eine Option.

Auf der Strecke gab es diverse Kontrollen und Polizeiposten. Hier werdem vor allem die Papiere und die Autos auf Drogen kontrolliert, schliesslich fuhren wir ins Megaanbaugebiet. So wurden wir, wie immer genau registriert, doch das sind wir ja schon gewoehnt. Immerhin sind die Polizisten immer sehr nett und auch hier hat sich wieder mal einer fuer unser Auto interessiert :)

Nach ca. 3 Std Fahrt sind wir erneut an einem Polizeiposten angekommen. Dort hiess es: Aussteigen und Papiere vorzeigen. Der juengere Polizist wollte mich nicht passieren lassen, da wir angeblich keine "Rosette" am Auto hatten, das ist eine Art TUV Bescheinigung. Diese ist aber fuer unser Auto nicht noetig, da es neu gekauft ist und wir hatten so auch noch nie ein Problem. Doch hier war es ploetzlich eines. Wir hatten mittlerweile seit 10 Minuten mit dem Herren diskutiert, mit ihm Gesetzestexte gesichtet und den ganzen Verkehr aufgehalten, so dass wir zur Seite fahren mussten. Schliesslich wussten wir uns nicht mehr anders zu helfen und riefen wieder mal unseren Retter in der Not, Jorge an ... der sprach mit dem Herren und sagte mir, ich solle ihm 20 BS geben, dann wuerde er uns durchlassen. So geschah es. Immerhin war er gnaedig und gab sich sogar mit 10 BS zufrieden. Glueck gehabt. Wir hatten alles richtig gemacht, doch der Polizist hatte sich wohl gedacht, dass er sein Gehalt mit uns Gringos ein wenig aufbessern kann. Naja. Damit fing es also schon mal gut an...Die letzten 15 Minuten sind wir auf einem Acker nach Coroico gefahren und hatten nach einigen Nachfragen auch das Hotel Esmeralda gefunden. Dies hatte uns unser Taxifahrer und Spiegelretter Augusto in La Paz empfohlen. Dort hatten wir festgestellt, dass uns der Deckel vom Benzinkanister wegen der Hoehenunterschiede geplatzt war (nix passiert oder ausgelaufen). Im Hotel hatten wir ein nettes Zimmer mit Haengematte auf dem Balkon bekommen, wenn das auch nur fuer eine Nacht ging. Das Hotel liegt wunderschoen oben am Berg, ein wenig ausserhalb des Ortes, terassenfoermig angelegt. Wir mussten gleich den Pool testen, zumal es wirklich warm war. Da dieser, wie alles Wasser hier aus einem nahegelegenen Wasserfall kommt, ist der Pool eisig kalt, doch wir hatten es trotzdem gewagt. Wenn schon mal ein Pool da ist, muss er schliesslich auch genutzt werden. Nachdem wir kraefig durchgefroren waren, hatten wir den Plan, hier im Hotel was zu essen. Leider hat sich niemand erbarmt, uns zu erklaeren, wie dies funktioniert. Ein Buffet war in Sicht, ein Kellner nicht. Speisekarten gab es diverse verschiedene, nur welche war die Richtige? Nachdem ewig keiner kam, haben wir den beschaeftigen Herren, der abspuehlte, befragt. Er war alles andere als freundlich, aber immerhin wussten wir dann, dass es heute nur Buffet gab. Naja. Besser als nix. Lecker war es nicht wirklich, aber dafuer war der Service auch wirklich eine Frechheit... WiFi sollte es geben, ging auch nicht. Um 22 Uhr haben sie uns rausgeworfen, da geschlossen wurde. Naja. Das gab uns den Rest und wir waren echt schon angesaeuert. Als wir noch die Waesche abgeben wollten, hiess es ebenfalls, nur in der Frueh kann man was abgeben. Ist ja auch wirklich zu viel verlangt, so einen Beutel Waesche am Abend anzunehmen. So ein tolles Hotel und dann so ein Service, schade. Immerhin war es ja auch nicht so billig. 20 EUR pro Nacht sind hier viel Geld.

Am naechsten Tag (Samstag) haben wir eine Wanderung zu dem Wasserfall gemacht, der das Wasser hier liefert. Die Tour ging ca. 2 Std um die Berge herum und man hatte einen tollen Ausblick. Wir liefen einen kleinen Wanderweg, der uns durch die Kokapantagen fuehrte. Die Blaetter des Koka hier sind kleiner als in Capare, doch dafuer sind sie feiner. Koka wird hier an den Steilhaengen in Terassen angebaut, die nicht mit Maschinen bearbeitet werden koennen. So ist in den Plantagen alles Handarbeit. Die Maenner sind fuer das Anlegen der Terassen und Pflanzen der Setzlinge, die Frauen fuer die Ernte zustaendig. Die Frauen ziehen dazu ihre besten Kleider an, so hoch wird die Ernte hier angesehen. Dabei wird natuerlich fleissig Koka gekaut. Wir haben einige Fauen bei der Ernte gesehen, die die Blaetter in ihre Schuerzen gezupft haben, was bei der Hitze und der gebueckten Haltung eine schwere Arbeit ist. Der Wasserfall, an dem wir gepicknickt haben, war nicht wirklich aufregend, aber die Strecke dorthin war superschoen. Der Blick ueber die Berge war wieder einmal fantastisch und was mich nach wie vor an Bolivien fasziniert, ist diese unendliche Weite. Kilometer ueber Kilometer nichts als Berge, Pflanzen und Steine. Und die Berge sind hier wahnsinnig hoch. Bei uns bildet man sich ja bei 2400m schon ein, hochalpin zu sein, darueber kann man hier nur lachen. Auf 2400m liegen riesige Staedte und Ebenen... Der Weg zurueck vom Wasserfall ins Hotel war schnell gefunden, auch wenn wir einmal eine falsche Abzweigung erwischt hatten, kamen wir gut dort wieder an.

Nachmittags haben wir uns dann auf den Weg ins Dort gemacht und erst mal eingekauft. Anschliessend sind wir in der Pizzeria Italia gelandet und waren doch die einzigen Gaeste. Meine Pizza hat schon 20 Minuten gedauert, Flo´s noch einmal so lange. So dass wir nacheinander gegessen haben ... Waehrenddessen war noch ein Tisch besetzt und weitere 16 (!) Leute sind in das Restaurant gekommen, haben sich hin gesetzt und sind wieder gegangen, weil niemand da war, der bediente. Der Service war auch hier unglaublich schlecht, auch wenn die Pizza gut war. Wir haben hier immer mehr den Eindruck, dass die Menschen hier - obwohl sie zum Teil sehr arm sind - einfach kein Geschaeft machen wollen. Sehr seltsam, denn Moeglichkeiten dazu gibt es genug.

Dann sollte die Agentur gefunden werden, mit der wir hier Unternehmungen machen koennen. Wir wollten mit den Rad die bekannte Todesstrecke (alte Strasse) fahren, die ueber riesige Abhaenge fuehrt. Die Tour ist von La Paz aus buchbar, doch wir dachten, dass das vor Ort besser waere. Falsch gedacht. Hier hat sich herausgestellt, dass es nur eine Agentur gibt, die dies anbietet, CXC Coroico. Nachdem wir das ganze Dorf abgesucht hatten und 2x gefragt hatten, fand sich diese in einer dunklen, etwas gruseligen Seitenstrasse ganz unten. Die Tuer war halboffen, alles war duster. Ich wollte schon aufgeben, der erste Eindruck war schon mal sehr schlecht, doch Flo hat doch noch jemand aufgetrieben.

Ein bolivianischer Hollaender, der uns die Tour fuer 40 USD pro Nase fuer den naechsten Tag (Sonntag) angeboten hat. Nach einigem Ueberlegen und Abwaegen haben wir uns dafuer entschieden, weil die Alternative war, wieder nach La Paz zurueckzufahren, um von dort aus wieder hierher zu kommen, was ja echt Bloedsinn ist. So haben wir vereinbart, dass wir uns heute um 8.30 Uhr treffen, damit wir vorher noch zur Bank koennen und Geld holen koennen.

Hier sind alle Laeden sonntags offen und Montags zu, damit die Touris aus La Paz und Umgebung, die am Wochenende kommen, einkaufen koennen...

Heute haben wir uns den Wecker dementsprechend frueh gestellt, Fruehstueck gab es im Hotel um die Zeit noch keines. So haben wir uns wieder mal von Bananen und immerhin Knaeckebrot ernaehrt. Besser als nichts. Die Bank war heute natuerlich nicht offen, so dass wir um 8.20 Uhr bei der Agentur ankamen. Immerhin 10 Minuten zu frueh. Dort hiess es schon, wir muessen uns beeilen, denn der Bus faehrt in 5 Min. Komisch. Also schnell schnell irgendwelche Raeder bekommen, irgendwelche Helme und los.
Unser Guide hiess Loy und sah aus wie 16. Na bravo, wir waren echt begeistert. Aber wir behielten die besten Vorsaetze fuer den Tag. Der vollbesetzte, oeffentliche Minibus hat uns in 2 Std bis La Cumbre gebracht und dort abgeladen. 4.700m hoch und schweinekalt. Wir hatten gestern noch gefragt, was wir alles mitnehmen sollten, da hiess es, ein Fliespulli reicht. Es war schnell klar, dass das nicht der Fall war. Nachdem sich Loy einen Anorak und Muetze anzog, haben wir den Typ der Agentur CXC echt verflucht. Wenn wir nicht noch gefragt haetten. Wir sind dann die offizielle Teerstrasse runtergebraust, die wir vor 2 Tagen auch mit dem Auto gekommen sind. Davon war auch nicht die Rede. Nun sollte es 40km auf der Teerstrasse und 48km auf der alten Strasse (Acker) gehen. Wir hatten gesagt bekommen dass wir auf der alten Strasst, abseits des Verkehrs fahren wuerden. Nach 10 Kilometer waren unsere Haende und Oberkoerper schon eingefroren und wir hatten Kraempfe in den Haenden vom Dauerbremsen. Die Gangschaltung und Bremsen hatten sich als ziemlich schrottreif herausgestellt. Bremsbelaege fast runter, Seilzugbremsen super schwergaengig. Mein Helm war wohl schon mal benutzt worden und leicht kaputt. Ausserdem drueckte er. Der von Flo hielt nicht, das Kinnband war aus verschiedenen Helmen zusammengestellt worden. Dann hat Flo ein Teil des Wassertrinkschlauches verloren und ist als letzter in der Riege einfach stehengeblieben und abgestiegen und hat das Teil gesucht. Ich und Loy waren schon um die Ecke, bis ich merkte, dass Flo fehlte. Also Loy informiert - normalerweise sollte der Guide soetwas zuerst merken - schnell zurueck, doch Flo war auch hinter der Kurve nicht in Sicht. Sein Fahrrad lag am Strassenrand, daneben ein Abhang. Ich rief laut nach ihm, keine Antwort. Loy, der wirklich erst 16 war, war sichtlich ueberfordert. Ich sagte ihm, wo er suchen sollte und rannte die Strasse entlang. Ich war in dem Moment echt panisch, dass Flo diesen Abhang runtergefallen war. Einen Fastherzinfarkt und 40m weiter gerannt, hat Flo geantwortet. Er lief selenruhig die Strasse entlang und suchte sein Ersatzteil. Aufatmen bei mir. Loy fuhr ihm hinterher und das Teil war schnell gefunden. Flo und ich waren uns einig, dass wir mit diesen Raedern in keinem Fall die 88km lange Strecke (48km Teer, Rest Acker mit steilen Abhaengen und engen Strassen) fahren konnten, zumal wir jetzt schon platt und die Haende im Eimer waren. Das Risiko war uns einfach zu hoch, zumal dieser Teil der Strecke wirklich noch harmlos war. Wir haben Loy gesagt, dass wir ein Taxi oder einen Bus brauchen, denn wir fahren nicht bis zum Ende. Er nahm uns nicht ernst, meinte es gaebe hier nix und es waere auch kein Handy empfang und so ging es nochmal 5km weiter. Dann mussten wir kurz zu Trinken halten und schon kam ein Bus vorbei, den Flo und ich per Handzeichen angehalten haben. Der Bus hielt tataechlich an und hatte noch 3 Plaetze. 15 BS pro Nase und wir hatten einen Rueckfahrplatz nach Coroico. Loy war ganz verdutzt, dass wir nun echt mit dem Bus fahren wollten und entschied sich, allein weiterzuradeln. Das lag unserer Meinung vor allem daran, dass der Bus vermutlich so viel kostete, wie vermutlich sein Tageslohn war. Wir haben die Busfahrt sichtlich genossen und uns ueber unsere Dummheit amuesiert. Auch hier hatte sich wieder die Devise bewiesen: Der erste Eindruck ist entscheidend und der war bei dieser Agentur CXC nicht gut. Dass wir so schnell wieder mal Busfahren wuerden, haetten wir auch nicht gedacht. Nur gut, dass die Busse hier echt ueberall anhalten, was uns schon oft genervt hatte, hier kam es uns zugute. Nachdem wir wieder in Coroico waren, haben wir die Raeder abgegeben. Nur gut, dass der Eigentuemer da war. Wir haben ihm geschildert, was Sache war und er konnte gar nicht verstehen, warum die Raeder so schlecht seien. Immerhin wuerden sie nach jeder Tour gecheckt. Haha. Wir haben ihm auch gesagt, dass es unverantwortlich ist, einen 16jaehrigen als Guide mit uns zu schicken. Der Kerl war nett, aber das geht nicht. Immerhin haben wir 160 Bol (von 560) zurueckbekommen. Da ich das Geld schon abgeschrieben hatte, hat mich das gefreut. Als Abschluss sind wir dann in die Backstube gegangen, ein Restaurant, dass von einem Norddeutschen gefuehrt wird. Dort hat Flo einen Sauerbraten, ja einen echten Sauerbraten mit Spaetzle und ich einen Pfannkuchen gegessen... Unglaublich lecker.

Morgen werden wir hier abreisen und nach Copacabana am Ticicacasee aufbrechen, um von dort aus nach Peru einzureisen. Nun hoffen wir mal, dass wir nicht wieder ueber La Paz fahren muessen, was ich immer noch bezweifle :)

Nachtrag:
Nachdem ich (Flo) bei anderen Anbietern nachgesehen habe stellt sich folgender Vergleich:









































LeistungAnbieter

CXCz.B. Gravity Assisted
Radnoname, selbstgebautKona mountain bikes
Federungnur Vorne, nicht einstellbarMarzocchi front suspension sowie Federung fuer das Hinterrad
Bremsenstandard SeilzugbremsenHayes hydraulic disc brakes
Equipmentbillige, alte Helmeneue Integralhelme, Handschuhe, Sicherheitswesten
BegleitungGuide, 16 Jahreeigenes Begleitfahrzeug (Transport von und nach La Paz, Transport von Rucksaecken und Ersatzteilen, Moeglichkeit zum Einsteigen wenn man muede ist), professionelle Guides
Preis40 $us70 $us


Wir sind heil froh dass wir noch auf dem Teerstueck ausgestiegen sind und einen Bus erwischt haben. Ueber Preis / Leistung kann sich hier jeder selbst eine Meinung bilden.


Nachtrag #2:
Siehe unseren naechsten Eintrag fuer das "Nachspiel" mit Chef von CXC und Guide vor unserer Hotelzimmertuere.

Donnerstag, 3. Juli 2008

La Paz

Am Dienstag sind wir um 8.30 Uhr losgestartet, um Richtung La Paz zu fahren. Angeblich sollte die Stadt in 3-4 Std. von Cochabamba aus erreichbar sein, doch angesichts der fast 400km haben wir das nicht ganz geglaubt. So ganz trauen wir den bolivianischen Zeitangaben nicht mehr. :-)

Die erste Haelfte der Strecke kamen wir recht langsam voran, weil die Strasse viele Loecher hat und vor allem weil wir mitten in den Bergen waren. So sind wir innerhalb der ersten 2 Stunden von 2400m auf 4400m hochgekommen. Da meine Mutter an dem Tag Geburtstag hatte und nur von 9.30 bis 10.30 Uhr unserer Zeit erreichbar war, hatten wir es schon fast aufgegeben, sie in dieser Zeit anrufen zu koennen. Doch ploetzlich ist wie aus dem Nichts ein Telefonshop aufgetaucht, den wir natuerlich prompt genutzt haben. Ist schon komisch, dass man mitten im bolivianischen Niemandsland ans andere Ende der Welt telefonieren kann.

Gegen 12 Uhr haben wir dann wieder den Altiplano erreicht und dann ging es nur noch geradeaus, so dass man sogar mal 130 km/h fahren konnte. So sind wir tatsaechlich entgegen unserer Vorstellungen um 14 Uhr in La Paz angekommen. Vor La Paz haben wir schon die ersten schneebedeckten Gipfel gesehen. Die Stadt liegt mitten in den Bergen zwischen 3.800 und 4.000m und auf den ersten Blick scheint es, dass die Stadt so dicht bebaut ist, dass kein Fleckchen Luft dazwischen ist. Die Haeuser kleben an den Haengen und der Talkessel ist umrundet von Bergen, die mehr als 6000m hoch sind.

Vom Altiplano aus fuehrt eine mehrspurige "Autobahn" direkt ins Zentrum der Stadt. Naiv wie wir waren haben wir uns natuerlich brav hinter den "Micros" (den hiesigen Bussen) eingereiht und prompt waren wir mitten in einer Art "Bus-Boerse". 100 Micros mit 100 "Marktschreiern" priesen ihre Strecken an und warben um Mitfahrer. Interessanterweise fuhren keine los ... es war ja auch viel zu voll und als wir das eine Viertelstunde mit angesehen hatten, erbarmte sich ein freundlicher Polizist mit uns "Gringos" und winkte uns auf die linke "Fahrspur" ... hier ging es tatsaechlich langsam voran.

Bei der etwas verwirrten Fahrt durch die Stadt checkten wir noch schnell 20 "Repuesto" Shops um einen neuen (oder gebrauchten) Aussenspiegel fuer unser Autochen zu erstehen ... erfolglos. Nach 60 Minuten Fahrt fanden wir aber ein Hostal mit annehmbaren Preisen und !!! WIFI !!! und haben gleich eingecheckt. Die Garaje um die Ecke wird von einem sehr netten aelteren Paerchen betrieben und sah sehr vertrauenserweckend aus. Sie gaben uns auch gleich noch einen Hinweis, wo unser Spiegel aufzutreiben sein und telefonierten nach. Im "Casa Vicor" sollte es einen geben.

Am Abend war als erstes "Tourist-Office" angesagt, in dem wir zwar keinen Stadtplan fuer 18 Bolivianos (merke: manche Menschen verdienen hier 5 Bol. pro Tag) erstanden, aber vier Tickets fuer zwei Stadrundfahrten.

So sind wir am naechsten Morgen losgezogen, um zuerst einmal das Koka Museum zu besuchen. In ihm wird die Geschichte der Koka von ihren Anfängen als Bestandteil kultischer Riten bis hin zur Verwendung in der modernen Medizin dargestellt.Dies war direkt in der Tourimeile versteckt und nach 3x fragen hatten auch wir es gefunden. Juhu. Sehr klein und schnuckelig, doch hochinteressant. Anschliessend sind wir durch den Markt gelaufen, auf dem es allerhand Neues zu sehen gab. Das seltsamste sind wohl hier Lamafoeten, die als Mumie im Ganzen und uneingepackt verkauft werden. Sollen wohl Glueck bringen. Anschliessend haben wir den ersten Teil der Stadtrundfahrt mit dem Bus gemacht. Hier haben wir mit einem Touridoppeldeckerbus die ganze Stadt abgefahren und sind am Ende an einem tollen Aussichtspunkt gelandet, von dem aus der Blick ueber die Stadt atemberaubend ist. Von hier aus sieht man die vielen Hochhaeuser und Leuchtreklame noch besser. Was uns am besten gefaellt sind die hohen Berge hier um die Stadt. Die Stadt wird vom mächtigen Illimani (6.439 m) mit seinen drei Gipfeln beherrscht. Mit viel Fantasie kann man in den Felsen an seinen Hängen ein Bild eines Indio mit Frau, Kind und einem Lama erkennen.

Was in La Paz auffaellt sind die Schuhputzer. Wie ueberall in Bolivien gibt es sie auch hier massenweise auf den Strassen, doch hier haben sie ihr Gesicht verhuellt. Wir haben uns sagen lassen, dass dies deswegen gemacht wird, um nicht von Freunden erkannt zu werden. Die Schuhputzer schaemen sich hier fuer ihren Job.

Und noch ein Highlight gibt es hier ... "Chicle Eis" ... Eis mit Kaugummi-Geschmack und kleinen Kaugummi-Stueckchen drin :-) sehr geil! Im "Eli´s" gab es eine schnelle, leckere Pizza und dann sollte es mit dem Taxi zum "Casa Vicor" gehen ...
Nachdem der Taxifahrer sich echt super bemueht hatte war die Casa zwar gefunden ... aber geschlossen. Nachdem wir ihm erklaert hatten, was wir eigentlich suchen, ueberlegte er kurz und wir fuhren los. Eine kleine Werkstatt drueckte uns auch sogleich fuer 220 Bol. das gesuchte Stueck in die Hand. GENIAL! Nachdem sich "Augusto" anbot am naechsten Tag noch mit zum Einbauen zu fahren, machten wir 9:30 Uhr aus (Deutsche Zeit ... nicht wie in Bol. ueblich eine halbe Stunde zu spaet (Original-Ton Augusto).


Am naechsten Tag ging es super puenktlich los ... Augusto gab auf unsere Frage hin seinen Ausweis bei unserer Rezeption ab (fuer unsere Sicherheit, man weiss ja nie wo er uns hin schleppt) und die Hotel-Dame telefonierte noch schnell mit seiner Frau um sicherzustellen dass er derjenige ist und sie ihn kennt und er OK ist :-) 15 Minuten spaeter waren wir mit unserem Auto bei der Werkstadt und bekamen den neuen Spiegel in sein Gehaese geklebt ... mit glasfaserverstaerktem Kunststoff ... den nimmt niemals jemand mehr ab! Unser Taxi-Driver half uns super mit Verstaendigung und wir haben seine Nummer damit wir ihn anrufen koennen falls wir mal Probleme haben ... cool!

Nachmittags wollten wir uns den zweiten Teil der Stadtrundfahrt in den Sueden der Stadt und Valle della Luna zu Gemuete fuehren, doch nachdem wir am Treffpunkt ankamen, teilte uns eine Dame mit, dass der Bus leider heute morgen kaputt gegangen ist. Nix wars, aber wir bekamen nach langem hin und her immerhin unser Geld zurueck. So haben wir uns noch ein paar leckere Empanadas Napolitana im Cafe um die Ecke gegoennt, die definitiv die besten bisher waren. Und ein Chickle Eis musste natuerlich auch wieder her. Das gabs wie immer beim Dumbo, der besten Eisdiele, die auch supertolle Torten im Angebot hatten. Als wir dort ankamen, hat ein Paaerchen versucht eine riesige Torte, die ca. einen dreiviertelten Quadratmeter Flaeche hatte, in ein Taxi zu packen. Der Kofferraum war zu klein und das Ding durch die Tuer zu bringen, war echt eine Tortur (haha), aber sie haben es geschafft und wir haben nur noch gestaunt.

Abends haben wir beschlossen, das Restaurant ¨Leckerbissen¨aufzusuchen. Es war etwas ab vom SChuss, doch mit dem Taxi haben wir es gefunden. Dort war Tote Hose, aber das Essen war lecker. Die Spaetzle mussten einfach mal sein...mmmhhhh....dort haben wir noch zwei Bayerinnen getroffen, die einfach witzig waren....als die eine ploetzlich auf den spanischen Redeschwall des Kellners "Wooos hot er gsogt?"antwortete, hatten wir wirklich Muehe uns zu halten, so skuril klang das hier und doch war es so passend....

Wir sind hier in La Paz im Dunkeln alles im Radio Taxi gefahren, nie gelaufen, da die Stadt als besonders gefaehrlich gilt und wir kein Risiko eingehen wollten. Wir hatten immer nur das Noetigste dabei und das doppelt und dreifach gesichert und das hat sich bewaehrt.

Was hier in a Paz noch auffaellt ist der wahnsinnige Verkehr in der Stadt. Man steht immer im Stau und alles ist voller Taxis und Busse. Dazwischen massen an Minibussen (Trufis), die ebenfalls Leute einsammeln, es ist kein Durchkommen. Um den Verkehr in der Stadt einzudaemmen, gibt es eine Verordnung, dass jedes Auto an einem bestimmten Wochentag nicht in die Stadt fahren darf. Die mit der 0 und der 1 am Ende des Nummernschildes am Montag, 2 und 3 am Dienstag usw. Nur Samstag und SOnntag duerfen alle fahren. Sehr witzig...Funktioiniert mehr oder weniger, Verkehr gibts immer noch genug.

Wettertechnisch ist La Paz sehr angenehm. Tagsueber echt sehr heiss, nachts kalt, aber nicht eisig, sehr zu unserem Geschmack.

Am Freitag haben wir den Plan, La Paz zu verlassen und Richtung Jungas zu fahren, dem Gebiet zwischen Altiplano und Amazonasgebiet. Dort ist unser Ziel Choroico.

Montag, 30. Juni 2008

Wieder in Cochabamba

Wieder in Cochabamba angekommen haben wir erst mal ueberlegt, wo wir diesmal uebernachten wollen. Das Hotel Regina 3 war toll gewesen (super Preis-Leistungsverhaeltnis), doch leider liegt es etwas ab vom Schuss und nicht im besten Viertel. So haben wir 2 Std. lang die Stadt nach diversen Unterkuenften abgegrast, um am Ende doch wieder im Regina 3 zu landen. Das war einfach immer noch das Beste fuer den Preis. Anschliessend haben wir uns Richtung Avenida America gemacht, denn dort sollte laut Maribel die beste Pizzeria der Stadt sein. Wir hatten zwar keine Ahnung wo und wie sie hiess, doch wir haben sie gefunden. Die Pizza im "Sole Mio" war tatasechlich die beste, die wir bisher auf unserer Reise bekommen hatten. Wir koennen gar nicht genug schwaermen. Aber der Hammer war die Bruschetta: ein Brot mit ca. 15 gepressten Knoblauchzehen, dafuer ohne Tomate. Die Knoblauchbombe schlechthin, aber genau meine Kragenweite :).

Am Sonntag haben wir uns fuer 12 Uhr mit Anita und ihrer Oma im "Bufalo" zum Essen verabredet. Ein Lokal, in dem vor allem Auslaender verkehren und in dem man fuer 57 Bolivianos essen kann, so viel man will. Es gibt ein riesiges tolles Salatbuffet (der Salat ist mit sauberem Wasser gewaschen), tolle Beilagen und die Kellner laufen alle 2 Minuten mit riesigen gerillten Spiessen mit aller Art von Fleisch durch die Reihen und man kann sich davon etwas abschneiden lassen. Ein Traum. Wir wussten gar nicht, was wir zuerst essen sollten und vor allem endlich mal Salat in Huelle und Fuelle, wir waren im Paradies. Nachdem auch noch der Nachtisch phantastisch war (vor allem die Maracujatorte), hatten wir uns endgueltig hoffnungslos ueberfressen. Egal. Schliesslich kriegt man so was Tolles nicht alle Tage und ich habe schon mal auf Vorrat gegessen. Als wir rauskamen, kam der Wehmutstropfen: von unserem Auto Schorsch fehlte der linke Aussenspiegel. Anita hatte vorher schon mit der Parkwaechterin gesprochen, doch den Spiegel haben sie ihr wohl unter ihrem Hintern weggeklaut. Das Gehauese an sich war noch dran, nur die Scheibe war rausgeklipst und damit fehlte fuer uns leider das Entscheidende. Ich war ganz schoen sauer, Flo ein bisschen weniger. Es konnte doch nicht sein, dass wir nun ein Auto haben, doch nirgendwo hinfahren koennen, weil wir ueberall Angst haben muessen, dass was fehlt oder kaputt geht. Das Auto ist fuer hiesige Verhaeltnisse einfach zu neu (10 Jahre alt) und zu gut in Schuss.

Wir sind dann nach einem Abstecher in den Supermarkt zu Anitas Familie gefahren und dort haben wir uns alle gemeinsam das Endspiel der EM Deutschland-Spanien angesehen. In der Halbzeit gab es Nachos mit Obatzter, Guacamole und Jajua. Alles sehr lecker und wenn wir von Mittags nicht so ueberfressen gewesen waeren, haetten wir noch mehr gegessen. Nachdem das Spiel ja leider alles andere als aufregend war, waren wir natuerlich nicht begeistert, dass wir auch noch verloren haben. Der einzige, der sich freute, war Alfredo. Er wollte, dass die Spanier auch mal gewinnen. Am Ende wurde er beschulidgt, dass wir nun verloren haetten, weil er ja gegen einen Sieg der Deutschen war. Nur er hat sich gefreut "wie ein Schnitzel" :-)

Anschliessend sind wir mit fast der ganzen Familie in unserem und Anitas Auto in die Stadt zum "Dumbo" gefahren, eine der besten Eisdielen. Insgesamt waren wir 9 Leute und haben demnach unsere Muehe gehabt, einen Platz zu bekommen. Der Ausflug wurde vor allem fuer Analie gemacht, die im Mai 9 Jahre alt wurde und die sich von dem Geld das sie aus Deutschland zum Geburtstag geschickt bekam, Eis fuer die Familie wuenschte. Jetzt war die Gelegenheit da. Leider war der Kellner wirklich unfaehig und hat zuerst mir nicht das gebracht, was ich wollte und Analie als die Juengste bekam als Letzte ihr Eis. Echt gemein, vor allem weil es ebenfalls das Falsche war. Mit Bergen an Sahne, die sie doch gar nicht wollte. So gabs als Entschaedigung noch ein Waffeleis und wir sind zurueck zum Haus der Familie gefahren. Dort haben wir noch ein Abschiedsbild gemacht (siehe Album) und waren echt traurig, uns wieder von einander verabschieden zu muessen. Wir hatten die Familie wirklich lieb gewonnen (ihr seid alle superlieb) und freuen uns, dass wir so toll aufgenommen wurden.
Doch wir muessen weiter ... Ecuador ist immer noch das Zie. :)

Heute haben wir in der Frueh versucht, einen neuen Aussenspiegel zu kaufen. Nachdem wir in der Hauptstasse Heroinas 20 Laeden durch hatten, fand sich nur ein rechter, aber kein linker Spiegel. Dann noch in die Nebenstrasse und nochmal 10 Laeden und der Frustfaktor stieg. Wieder nix. Nur ein rechter. Nach 30 Laeden hatte ich die Nase voll und habe aufgegeben. Muessen wir uns wohl auch irgendwo einen klauen, zu kaufen scheint es keinen zu geben. So ein Mist. So sind wir voellig gefrustet zum Burgerking, den ersten den wir in Suedamerika gesehen haben.

Anschliessend haben wir uns endlich auf den Weg zum Christo gemacht. Das ist eine 34m hohe Christusstatue auf einem Berg mitten in Cochabamba. Wir sind mit dem Auto zum Eingang gefahren und haben dort gesehen, dass dort auch Kerzen verkauft werden. Wir wollte welche kaufen, doch die Verkaeuferin wollte uns keine geben, da wir sie fuer uns und nicht fuer den Christo wollten. Komische Logik. Sei wollen einfach kein Geaschaeft machen hier.
Oben angekommen hatten wir einen tollen Ausblick ueber die Laguna Alalay und die Stadt. Der Christo, den man angeblich innen hochsteigen kann, war leider geschlossen. Schade. Aber wir haben gesehen, dass die Stadt echt riesig ist und in einem richtigen Talkessel liegt, in dem sich der Smog wirklich festhaengt. So war die Sicht leider nicht so klar wie erhofft.

Morgen werden wir in aller Fruehe Richtung La Paz starten, um Peru ein Stueck naeher zu kommen. Ein wenig haben wir schon wieder Angst vor der Kaelte, denn hier ist es wirklich sehr schoen warm (2400m). La Paz ist mit knapp 4000m angeblich bitterkalt und es soll Schnee haben. Schaun wir mal ...

Donnerstag, 26. Juni 2008

Ein paar Tage im Dschungel

Am Mittwoch ging es los ... mit dem Auto nach Chapare, einer Region im Osten von Cochabamba in den Ort Villa Tunari. Wir hatten uns von Alfredo, Anitas Stiefpapa schnell ueberzeugen lassen, dass wir diese Ecke von Bolivien unbedingt sehen muessen. Zuerst hatte Maribel, Anitas Schwester ueberlegt, uns zu begleiten, doch leider durfte sie an der Uni am Freitag nicht fehlen. Pruefungen gehen vor!
Wir sind wieder mal erst Mittags losgekommen, wie immer. Doch das war nicht weiter schlimm, denn die Strecke sollte nur 150km lang sein und die Strasse asphaltiert sein. Nach den ueblichen diversen Polizei- und Zahlkontrollen sind wir eine wundervolle Strecke gefahren. Irgend jemand hatte uns gesagt, dass dort alles eben sei, doch davon war aber gar nichts in Sicht. Nachdem wir den Talkessel Cochabamba verlassen hatten, kamen nur noch Berge. Die Strassen hatten zwar diverse Loecher und immer wieder gab es "instabile Zonen", die nur mit Steinen gepflastert waren, doch in der Rangliste der bolivianischen Strassen war diese echt als top anzusehen. Auf dem Weg haben wir massenweise Tiere (Kuehe, Schweine, Schafe, Pferde, Hunde) am Strassenrand gesehen, die rot und rosarot angesprueht waren. Zuerst hatte ich noch an einen Scherz geglaubt, doch dann hat sich rausgestellt, dass die Tiere zu San Juan (24.6.) rot angemalt werden, damit sie viele Nachkommen produzieren. Demnach war wirklich alles rosa, war sich nur auf 4 Beinen bewegt hat. Sah echt witzig aus. Nach ca. 50 Kilometern kamen wir in Nebel. Kaum zu fassen, dass wir hier nach 11 Wochen das erste Mal Nebel sahen. Der war so dicht, dass man kaum was sah und schon hatten wir auch bemerkt, dass die Landschaft von relativ trocken mit wenig Vegetation in Wald, Buesche und gruene Wiesen gewechselt hat. Wir waren im Regenwald angekommen. Draussen wurde es immer feuchter und nach weiteren 50km war auch die Sonne wieder da. Aber es war nicht sehr warm. Wir sahen die ersten Fluesse in Bolivien, die richtig Wasser fuehrten. Die meisten sind im Winter fast wasserlos, weil gerade Trockenzeit ist. Die Landschaft war superschoen und endlich mal alles gruen. Wir sind gegen 16 Uhr in Villa Tunari angekommen, einem kleinen Ort mitten im Dschungel mit mehreren Fluessen. Alle sind Zufluesse des Amazonas, der hunderte von Kilometer entfert von hier ist. In Villa Tunari (230 Hoehenmeter) haben wir uns entschieden, da wir ja unser Autos haben, eine Unterkunft mitten im Nichts zu waehlen. Das Hotel "El Puente" ist ca. 3km vom Ort entfernt mitten im Wald, ebenfalls ein einem Fluss. Traumhaft. Absolute Ruhe - so der erste Gedanke. Wir hatten ein schoenes Zimmer in einem tollen Garten und wir waren echt erstaunt als uns hinter der Rezeption Paula in perfektem deutsch begruesste. Sie ist etwa in unserem Alter und hatte 8 Jahre in Deutschland gelebt. Sie hat uns alle gezeigt und auch erklaert dass man hier im Hotel verschiedene Touren buchen kann.
Wir haben - um vergleichen zu koennen - im Ort noch nach einem Anbieter fuer Touren gesucht, da wir hier in Chapare unsere Wanderleidenschaft ausleben wollten. Sozusagen vom "Flachland" aus und nicht mit einem Start bei bereits 2.500 Metern.
So haben wir Jose gefunden. Dieser mehrere Touren anbieten kann. Von einem Tag bist zu vier Tagen - von 230 Hoehenmeter bis auf 4700. Die letztere war uns zu anstrengend. Wir hatten uns schnell fuer eine zwei Tages Tour interessiert, die eine Uebernachtung im Wald beinhalten sollte. Susi haette da Ganze sofort gebucht, Flo war da etwas vorsichtiger. Wir hatten einen netten Plausch mit Jose auf Spanisch, der uns ca. 2 Std lang alles ueber den geplanten Trip berichtete. Flo war immer noch skeptisch. So haben wir uns entschieden ihn zu fragen, wie denn das im Falle eines Notfalls im Wald waere, man weiss ja nie. In dem Moment ist ein 4cm grosser dicker Mai-Kaefer gegen die Lampe geflogen und Jose hat ihn aufgehoben und sich auf die Hand gesetzt. Er meinte solch einer waere leider nur 1 Boliviano wert, doch die grossen mit den Hoernern, die 10cm gross sind, sind 80 BS wert und die gibt es im Wald. Als er dann von Schlangen, Skorpionen, Spinnen und sonstigem berichtete, waren wir schon nimmer so begeistert. Er meinte, er haette den Hund dabei, zur Sicherheit, doch das war uns einfach nicht geheuer. Dieser wuerde auch nicht im Zelt schlafen ... keine Angst. Als er dann von einer anderen Tour kuerzlich berichtete, bei der ein Israeli von einer Schlange gebissen wurde und der am naechsten Tag eine so dick angeschwollene Hand hatte, dass Krankenhaus angesagt war, fanden wir das nicht mehr so lustig. Die Strecke von "Mitten-im-Wald" bist ins Krankenhaus, das dauert. So haben wir vor der Uebernachtung im Wald gekniffen und erst mal offen gelassen, was wir machen.

Am Donnerstag sind wir mit Paula zur "Jungla" gefahren. Das ist eine Art Hochseilgarten mitten im Urwald. Mit dem Auto mussten wir wieder mal durch einen Polizeiposten und da wir die Papiere vergessen hatten, war umdrehen angesagt. Ohne Papiere kamen wir nicht mal mit Paula weiter. Am Posten wird jedes Auto genau registriert, denn in Chapare werden viele Drogen angebaut (vor den Haeusern lagliegen immeren Berge an Koka-Blaettern zum Trocknen aus) und da will man wissen, wer wann wohin gefahren ist.
Die Jungla ist toll gemacht. Mitten im Wald gelegen sind die Stege und Seile von Baum zu Baum gespannt. Nur die Holzkonstruktionen sind zum Teil ganz schoen wacklig. Zwei grosse Papageien haben uns gleich am Eingang begruesst. Ich (Susi) muss gestehen, dass ich ganz schoen feige war, was die Schaukeln im Urwald angingen, doch so ganz ohne Sicherung war mir das zu gefaehrlich. Flo und Paula haben die 8 und die 12m hohe Schaukel mit Bravour gemeistert und sind erst bei 18m ausgestiegen. Am Ende haben wir unsere Fuesse noch im Fluss gebadet, mit einen richtigen Sandstrand, ein wahres Paradies.

Anschliessend haben wir uns dafuer entschieden, noch zum Orchideengarten zu fahren. Der Garten ist von einem schwulen deutschen Paaerchen angelegt worden die darauf hin gleich eine kleine "Szene" in Villa Tunari gegruendet hatten.
Leider gab es, als wir dort waren, wenige Orchideen die gerade bluehten, doch die Krokodile und Kaimane im Teich haben uns echt faszininiert. Nur nicht zu nahe kommen (Susi). Im Garten gibt es allerhand interessante Pflanzen, so z.B. viele Wanderpalmen, die ca. einen Meter ueber dem Boden Wurzeln aus dem Stamm wachsen lassen bis diese den Boden erreichen. Dabei sind immer ca. 4-10 Wurzeln am Boden und die, die wenig Wasser bekommen, fallen ab. Die neuen wachsen dann dort am Boden an, wo viel Wasser ist. Die Baeume sind riesig und haben nur ganz oben Blaetter. Zudem gibt es viele Ameisenkobel an den Baeumen. Diese sind bis zu einen Meter gross und beherbergen Tausende von Ameisen. Wir haben Ameisenstrassen gesehen, die ueber weite Strecken durch den Wald und ueber die Wege fuehren. Die Ameisen schneiden Blaetter von den Baeumen und transportieren sie durch den halben Wald. Paula hatte ein Blattstueck aufgehoben, das im Vergleich zur Riesenameise gigantisch gross war. Die Ameise hat ihr Blatt verteidigt und sich daran festgeklammert, bis es Paula wieder auf den Boden gesetzt hatt.

Nachmittags haben wir dann im Hotel den Fluss gesucht, der gleich daneben sein sollte. Nach ca. 5min Abstieg im Wald hatten wir ihn schon. Ein wahres Idyll mit mehreren Becken, in denen man baden kann und dazwischen gibt es Steine und kleine Wasserfaelle. Im Hotelgarten gibt es drei Wegezu Fluss und da wir den ersten genommen hatten, wollten wir am Fluss entlang zum letzten laufen und dort wieder hoch in den Garten. Gar nicht so einfach, ohne durch´s Wasser waten zu muessen. So haben wir uns mit grossen Steinen eine Bruecke gebaut und sind so tatsaechlich ans Ziel gekommen. Muehsam, aber es hat super Spass gemacht. Der Fluss ist nur vom Hotel aus zugaenglich und demnach ein absoluter Traum. Abends haben wir dann den Luxus unserer Badewanne testen wollen. Die erste nach Buenos Aires. Wasser gibt es hier ja genug da es aus dem Fluss kommt und damit kostet es niemanden etwas. Leider hatten wir nur heisses Wasser in der Wanne, kaltes kam keines mehr ... so konnte ich unmoeglich baden. Flo musste also draussen die Gastherme und saemtliche Haehne ausprobieren. Nix. So ging er also zur Rezeption und versuchte dem Mann irgendwie klarzumachen, was Sache war. Nachdem sie zu zweit rumgemacht hatten, hiess es ploetzlich, in 15 min sei wieder Wasser da. Also erst mal was essen, danach hat es wirklich funktioniert! :-)

Am Freitag hatten wir mit Paula verabredet, eine Tageswanderung mit ihr und einem Guide zu einem Wasserfall zu machen. Leider hatte es schon die ganze Nacht geregnet, so dass es auch am Morgen nicht aufhoerte. Wir waren eben im Regenwald. Alles halb so wild, immerhin war das erst unser 3. Regentag in 11 Wochen und wir haben das Rumgammeln genossen. Nur die Wanderung war damit dahin, vor allem da auch fuer den naechsten Tag kein besseres Wetter angesagt war. Ich bin an dem Nachmittag kurz ins Dorf gefahren, ein paar Sachen kaufen. Nicht dass es einfach war, Butter zu kaufen, es gab einfach nichts. Und Bananen sind auch nicht einfach zu bekommen, auch wenn man im Urwald tausende von ihnen finden kann. Die Menschen wollen einem zum Teil einfach nichts verkaufen. Immerhin hatte ich am Ende alles zusammen (bis auf Butter) und bin zurueck zum Zimmer. Abends hat uns Paula dann erzaehlt, dass jemand vom Dorf angerufen haette, der wissen wollte, was unser Auto kostet. Sie hatten mich gesehen mit dem Auto, auf dem immer noch "En venta" klebt und haben herausgefunden, wo wir wohnen. Auch die Hotelangestellten waren ganz vernarrt in das Auto, denn so eines wollen sie fuer das Hotel kaufen ...

Nachdem am Samstag noch kein besseres Wetter in Sicht war, hatten wir uns entschieden, abzureisen. Kaum hatten wir alles gepackt und fertig, kam die Sonne. Naja, auch egal. Schliesslich haben wir ja immer noch die Vision, Ecuador doch noch mit dem Auto zu erreichen.