Nachdem wir gestern frueh am Markt schon diverse Kameras gesichtet haben, sind wir nachmittags mit Omar zum Schwarzmarkt gefahren. Leider gab es dort keine Kamera zu einem annehmbaren Preis, die uns gepasst hat. So sind wir anschliessend noch zu einem anderen Markt gefahren und haben hier nach langem Hin und Her Verhandeln eine gefunden, die fuer uns ok war. Leider nicht das neueste Modell, aber soweit wir das im Internet rausgefunden haben, stimmt hier Preis und Leistung. Und so sind wir nun wieder mit Kamera.
Dann sind wir noch einmal zum Zahnarzt gegangen, um das Provisorium bei Susi´s Backenzahn durch eine richtige Fuellung austauschen zu lassen hat uns Anita eingeladen, den Abend mit Ihrer Familie zu verbringen. Wir haben uns sehr ueber die Einladung gefreut und haben uns gegen 20:00 mit ihr an der Praxis getroffen. Wir sind dann raus zu ihrem Haus gefahren, das wirklich erstaunlich ist. Ein Haus mit 3 Stockwerken und Garten, supergut in Schuss fuer 350 USD. Da kann man echt neidisch werden, wenn man bedenkt, was wir in Muenchen an Mieten haben. Dort waren 5 ihrer Geschwister, ihre Oma und ihre Eltern, die schon auf uns gewartet hatten. Alle waren supernett und wir haben uns koestlich amuesiert. Dann haben wir noch zwei ihrer Schwestern zu einer Party gefahren und sind dann weiter ins "El Griego" gezogen, ein Cafe, das ihrer Cousine gehoert. Dort haben wir sehr leckeren Erdbeersaft (frisch) getrunken und bis um 2 Uhr geratscht. Draussen gab es ueberall Krachr und Leuchtraketen, ein wenig wie an Silvester. Anschliessend sind wir zum Hotel und mussten dann feststellen, dass wir ausgesperrt waren. Der Nachtportier war nicht in Sicht und so haben wir 15 Minuten geklopft und gehaemmert, doch niemand kam. Erst als wir hier mit dem Handy anriefen, kam er angejoggt, wo auch immer er war. Glueck gehabt, denn so nett ist die Gegend um die Uhrzeit nicht.
In der Nacht war so ein Qualm in der Stadt, dass man kein Fenster aufmachen konnte.
Heute haben wir bis Mittags ausgeschlafen und dann hat uns Anitas Oma zu Semmelknoedel, Rindfleisch und Kraut eingeladen. Alles sehr sehr lecker und dann wir auf unserer Reise mal ein bayriches Essen bekaemen, haetten wir uns nicht traeumen lassen. Nachdem uns gestern Anitas Stiefpapa Alfredo vorgeschwaermt hat, dass wir unbedingt in die Provinz Chapare fahren muessen, waren wir schnell entschlossen. Heute haben wir uns von Anitas Schwester Maribel noch genau zeigen lassen, wo es hingeht und so werden wir wohl morgen dorthin losstarten und gegen Wochenende wieder hier zurueckkommen.
Nachmittags haben wir dann endlich auch unser Auto zurueckbekommen. Nachdem es ja schon am Samstag fertig sein sollte und auf gestern aufgrund von fehlenden Teilen verschoben wurde, hiess es gestern, heute...der Mechanico rief mittags an und meinte, der Spass kostet 2160 BS. Haha. Ausgemacht waren maximal 1000 BS. So haben wir Omar und Nancy um Hilfe gebeten und wir haben uns dort um 3 Uhr getroffen. Erst war der Laden noch zu, dann war der Mechanico nicht sehr einsichtig. Doch wir sind hart geblieben und haben es immerhin geschafft, ihn auf 1300 BS runterzuhandeln. Naja. Anschliessend haben wir uns im Globus noch ein Eis gegoennt, das hier echt lecker ist. Und eine Tumbo-Saftschorle. Das ist hier eine Frucht, die geschmacklich zwischen Orange und Maracuja liegt und sehr lecker ist. Alles frisch gemixt.
Abends sind wir noch zum Supermarkt IC Norte, den uns Anita empfohlen hatte und der hatte echt fast alles, bis auf ein gescheites Duschgel. Das kriegt man einfach nicht in Suedamerika. Immerhin hatte ich am Ende sogar mal Essiggurken, die ich schon vermisst habe.
Dienstag, 24. Juni 2008
Montag, 23. Juni 2008
Fauler Tag mit Pizza
Heute haben wir mal einen superfaulen Tag gemacht. Zum Teil freiwillig, zum Teil unfreiwillig. Wir haben ausgeschlafen und hatten eigentlich den Plan, nachmittags was in der Naehe des Hauptplatzes zu essen und dann auf den Berg hier mit der riesigen Christusstatue zu steigen, von dem man einen tollen Blick ueber die Stadt haben soll. Die Statue ist angeblich hoeher als die in Rio de Janeiro und man kann innen hochsteigen und durch die Augen rausschauen. Am Plaza angekommen, hatte schon mal kein einziges Restaurant oder Cafe offen, so dass wir Hunger hatten und nix war in Sicht. Bei uns ist ja am Sonntag schon der Gehsteig hochgeklappt, aber hier ist wirklich kein Mensch auf der Strasse. Unglaublich. Dann haben wir versucht, ein Radio Taxi zu finden. Es gibt hier 2 Arten von Taxis. Einmal die normalen, die vorne an der Scheibe nur ein Taxischild haben, diese werden von Privatpersonen gefahren. Und dann gibt es die Radio Taxis, die einer Taxifirma angehoeren. Nachdem uns Omar gestern gesagt hat, dass selbst er als Einheimischer nur mit den Radio Taxis faehrt, weil die anderen gefaehrlich sind (wir haben uns bisher nie darum gekuemmert, welches es war), haben wir beschlossen, in Zukunft auch immer diese Taxis zu nehmen. Leider haben wir ca. 15 Taxis vorbeifahren sehen, doch keines war ein Radio Taxi. Dann war es uns zu dumm und wir sind zurueck zum Hotel. Immerhin lief gerade Fussball-EM Spanien-Italien und das Spiel war echt spannend. Und das Vollkornbrot aus dem Supermarkt "Super Haas" wartete.
Abends hatten wir mit Anita von der Zahnarztpraxis ausgemacht, dass wir in der Pizzeria essen, in der sie noch nebenbei arbeitet. Sie hat sich riesig gefreut, als wir gekommen sind und uns ihren Chef Jonny vorgestellt, einen ehemaligen Laeufer von Bolivien, der schon viel in der Welt herumgekommen ist und auch 2 jahre in Deutschland war. Seine Pizza war ausgezeichnet, mit ganz frischen Zutaten, was man hier bei Pizzen sehr selten findet. Und billig war sie noch dazu.
Wir haben nebenbei so einges ueber Anita erfahren, so auch dass sie Nancys Sohn Omar aus Muenchen kennt. Wie klein doch die Welt ist. Sie ist 28 und vor 2 Jahren nach Bolivien gekommen, weil ihre Mutter und ihre 5 Halbgeschwister hier leben. Mitgebracht hat sie ausserdem ihre 75jaehrige Oma, die daheim mit ihren ca 700 Euro im Monat kaum ueberleben kann, waehrend sie hier damit ganz gut auskommt. Anita ist Zahntechnikerin, hatte aber hier Probleme, einen Job zu finden. So hat sie in der Pizzeria angefangen und hat hier ihren neuen Chef kennengelernt, der in der Pizzaria zu Mittag ass. Seine Praxis ist gleich nebenan. Er hat sie als Zahnarzthelferin eingestellt und nebenbei macht sie ihm auch noch die Protesten und Implantate. Sie hat uns fuer morgen Abend zu ihrer Familie eingeladen, denn dort gibt es ein Fest.
Morgen ist hier San Juan, das ist die Feier zum kaeltesten Tag des Jahres. Seit Tagen werden hier schon Feuerwerkskoerper verkauft, die morgen angeblich die ganze Stadt in Nebel versetzen werden. Zudem soll es Lagerfeuer auf den Strassen geben, die zwar nicht mehr erlaubt sind, aber trotzdem gemacht werden. Wir sind schon gespannt.
Sie hat uns auch berichtet, was unser Zahnarztbesuch gestern noch fuer Wellen geschlagen hatte. 2 Ueberstunden, aber die hat sie gern gemacht. Sie ist echt angagiert. Der Chef der Praxis ist ein Bolivianer, der in USA studiert hat und dort ein Verfahren mitgebracht hat, Implantate ohne Operation einzusetzen. Damit ist er der Einzige in Cochabamba und sehr bekannt und anerkannt. Seine ganze Familie (Tochter, 2 Soehne, Frau, Schwiegertochter) ist ebenfalls Zahnarzt und er hat auch 2 Jahre in der Schweiz gelebt. Er hat 2 Praxen in Bolivien und 2 in den USA, wobei die Familienmitglieder durchwechseln, wo sie gerade arbeiten. Er ist gerade selbst in den USA und muss bei allen wichtigen Behandlungen angerufen werden. So hat waehrend meiner ganzen Behandlung Telefonkontakt zu ihm bestanden. Anita hat berichtet, dass mich eine neue Zahnaerztin behandelt hat, die erst seit einer Woche da ist und die er noch nicht kennt. Anita hatte mich ja genau gefragt, was ich habe und da das nicht allzu schwer klang, hat sie entschieden, dass das jeder Zahnarzt koennen muss und somit auch die Neue. Der Zahnarzt hat am Telefon genau angewiesen, was sie tun darf und was nicht. Trotz alledem hatte ich den Eindruck, dass sie sehr professionell war. Am Ende hat er wohl noch 30 Minuten mit Anita gesprochen und er wollte wohl in jedem Fall, dass wir als ihre Landsleute gut behandelt werden. So hat er angewiesen, dass die neue Fuellung morgen von der Schwiegertochter eingesetzt wird, die schon lange bei ihm arbeitet, damit ja alles gut wird. Nachdem wir am Ende die Gesamtsumme auch noch im Voraus bar bezahlt hatten, hatten wir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn das ist wohl hier nicht ueblich. Die meisten Leute zahlen irgendwann, wenn ueberhaupt. So bin ich mal gespannt, wie morgen alles wird, aber bisher bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
P.S. Es gibt wieder neue Bilder im Album...
Samstag, 21. Juni 2008
Hilfe, wo ist denn hier ein Zahnarzt?
Gestern haben wir in der Frueh erst mal ausgeschlafen (nachdem uns die Militaers gegenueber in aller Fruehe mit ihren Singuebungen aus dem Bett geholt hatten) und das amerikanische Fruehstueck genossen. Immerhin gab es 3 Sorten Brot, eine absolute Sensation, wenn auch dazu nur Butter (con Sal) und Erdbeermarmelade, aber immerhin. Anschliessend Waescherei suchen und die Waesche der Fahrt mit den restlichen 2kg Dreck abgeben. Ihr koennt euch gar nicht vorstellen, wie dreckig man nach 2 Tagen im Auto sein kann, wenn einem staendig der Staub um die Ohren fliegt. Ok, ich gebe zu, ich war daran nicht unschuldig, weil ich die Fenster einmal genau dann aufgemacht hatte, als ein LKW heranraste. Da haben wir echt ganz schoen geroechelt.
Naja. Dann haben wir uns um 11 Uhr auf den Weg gemacht und wollten das Auto waschen lassen, dass es bis um 15 Uhr (unserem Treffen mit Nancy) schick ist und man nicht wieder nach 2 Min Sitzen duschreif ist. Leider hat uns die Autowascherei mitgeteilt, dass das Waschen einen halben Tag dauere, den wir natuerlich nicht hatten. Da in der Stadt so viel Verkehr war, haben wir es aufgegeben, eine weitere Auto-Wascherei zu suchen und damit ist das Auto nun immer noch eine Drecksschleuder. Mittags haben wir nach dem Almuerzo im Sucremanta (leckeres Restaurant) noch einen Kaffee/Tee getrunken. Dort haben wir einen bolivianischen Amerikaner getroffen (ca. 80 Jahre alt), der uns sein halbes Leben ausgebreitet hatte. Sehr interessant, zumal wir am Ende sogar seine Adresse hatten. Weniger schoen war, dass ich mir beim Beissen in einen harmlosen Keks einen Teil meiner Fuellung meines rechten oberen Backenzahns rausgebissen hatte. Flo wollte zuerst nicht glauben, dass das Teil in meiner Hand meine Fuellung ist und nicht der Keks. Aber doch, denn ich spuerte das Loch, vor allem abends beim Essen ...
Nun hatten wir erstmal Nancy empfangen, die mit uns zum Mecanico fuhr, den sie kennt. Dort haben wir das Auto zum Allroundcheck gelassen, denn wir wollen auf Nummer Sicher gehen. Nachdem uns Nancy noch in die beste Empanaderia Cochabambas geschleppt hatte, wussten wir: Empanandas hier sind genial. Viel besser als wo anders. Hier gibt es am Morgen Salteñas. Teigtaschen mit Fleischfuellung und viel Saft drin, mit denen man sich zu 100% die Klamotten einsaut, wenn man reinbeisst. Ab Mittags gibts nur noch Empanadas, die sehr aehnlich sind, nur dass sie innen fest sind und mit Kaese oder Locoto (scharfer Paprika) gefuellt sind. Megalecker.
Nach einer sehr ruhigen Nacht haben wir heute beschlossen, dass ein Zahnarzt her muss. Mein Loch drohte groesser zu werden und tat weh. Der Plan, das auszusitzen, ging nicht auf und immerhin befinden wir uns in einer Stadt mit fast 600.000 Einwohnern. Da sollte es wohl einen Zahnarzt geben. Aber: Gar nicht so einfach, einen guten zu finden. Also: An der Rezeption nachgefragt, die den Hinterhof-Klempner gegenueber empfahl. Nachdem der nur einen Miniraum und ne angeschaltete Glotze zu bieten hatte, war mir das Ganze zu heiss. Nur kein Risiko eingehen. So haben wir im Internet gesucht, da Nancy nicht erreichbar war. Nix. Das Internet hatte keinen einzigen Zahnklempner in Cochabamba zu bieten. Sehr frustrierend. Nachdem ich schon kurzzeitig gegen 12 Uhr den Kopf in den Sand gesteckt hatte, kam Flo mit dem Telefonbuch an und dort suchten wir weiter. Nix unter: Dentista, Clinica Dental. Null. Am Ende haben wir durch Zufall entdeckt, dass hinten alle Zahnaerzte zusammengefasst sind. Am besten hat mir "Sandys Family Dentist" gefallen. Eine Familie, die aus 3 Zahnaerzten besteht und die alle Sandy heissen und angeblich englisch sprachen. Ich rief an, es stellte sich raus, englisch kann keiner. Der englischsprechende Zahnarzt ist gerade in USA. Aber man fragte mich, was ich noch spreche und nach der Antwort "Deutsch" kam mir schon nettes Bayrisch entgegen. Die Sprechstundenhilfe/Dame am Telefon hiess aemlich Anita und kommt aus Muenchen. Was fuer ein Glueck. Sie sagte, die Aerztin sei schon im Feierabend (immerhin ist heute Samstag, kurz nach 12), aber ich sollte kurz warten. 2 Min spaeter meinte sie, wir sollen noch kommen. Wir sind mit dem Taxi hingespurtet, Anita hat schon auf uns gewartet. Die Praxis war zwar klein, aber nagelneu und machte einen sehr professionellen Eindruck. Ihre Chefin hat sich meinen Zahn angesehen und geroentgt. Nach einer starken Spritze und diversen Bohraktionen (leider aufgrund meiner Spritzenresistenz nicht schmerzlos) war klar, dass ich doch kein Karies hatte, sondern nur eine kleine Infektion wegen dem kaputten Zahn. Die alte Fuellung wurde komplett rausgemacht (war ja immerhin 10 Jahre alt) und mit einem Provisorium aufgefuellt. Am Montag muessen wir nochmal hin, um die Endfuellung zu bekommen. 340 BS (34 EUR) soll uns der Spass insgesamt kosten. Dank Anita war die Kommunikation sehr einfach und sie hat uns auch noch den Supermarkt gegenueber empfohlen, der tatsaechlich deutsches Koernerbrot hat. Unglaublich. Das erste in 10 Wochen. Nur schade, dass ich kaum den Mund aufmachen kann...
Anita war echt besorgt, rief nachmittags nochmal an und meinte, wenn was waere, sie sei immer erreichbar. Abends hat sie uns sogar nochmal angerufen und gesagt, dass sie auch noch in einer leckeren Pizzeria arbeite und wir unbedingt vorbeikommen muessen. Morgen, haben wir ausgemacht. Somit hatten wir echt Glueck im Unglueck mit dem Zahn.
Um 15 Uhr sollte unser Auto fertig sein und so haben wir um 14 Uhr nachgefragt. Wie immer hier war natuerlich nichts fertig. Es hiess 16 Uhr. Nancy war schon auf dem Weg zu uns und unaufhaltbar. So sind wir mit ihr und Omar, ihrem Sohn (wohnt seit 8 Jahren in Muenchen und ist hier gerade auf Besuch) zum Markt, einen Benzinkanister kaufen. Als Reserve, wo es hier doch so wenig Tankstellen gibt. Anschliessend rief uns der Automechaniker an, dass Schorsch (unser Auto) heute nimmer fertig wuerde, weil ihm ein Teil fehle, was er erst am Montag bekaeme. Ok. Bravo. Aber so wars. Nachdem wir noch im Globus waren (Cafe am Prado, der Flaniermeile), das superleckeres Eis hatte, sind wir auf die Suche nach einem Bus gegangen, der uns zu Nancy nach Haus bringt. Nachdem wir 30 Min gesucht und gelaufen sind, aber alle vorbeifahrenden Busse voll waren, hatten wir endlich einen. Flo gab mir noch sicherheitshalber den Foto fuer den Bauchgurt, da er ihn in seiner Hosentasche nicht sicher genug fand. Er stand dann mit Omar hinten im Gang, ich sass mit Nancy vorne zwischen 30 Leuten. Ich war noch so doof, da ich am Eingang sass und habe das Fahrgeld von 2 Fahrgaesten an den Fahrer weitergereicht, weil sie nicht bis zu ihm durch kamen. Bei einer dieser Aktionen muss mir wohl einer unbemerkt den Bauchgurt geoeffnet und die Kamera geklaut haben. Ploetzlich stieg einer aus dem vollen Bus aus und da hab ich es gemerkt, doch es war zu spaet. So ein Mist. Die Kamera ist weg! Nur gut, dass es Flos Kamera war, die er mir noch zum Aufbewaren gab, weil sie dort sicherer war. Haha. Nun haben wir am Montag wieder mal was zu tun. Neue Kamera kaufen. Nancy hatte von all dem auch erst mitbekommen, als ich es bemerkt hatte.
Bei Nancys Haus angekommen, haben wir gestaunt. Ein wunderschoenes grosses Haus. Wow. Mit kleinem Garten mit Bananen, Limonen, Chirimoya (Zuckerapfel), Papaya. Ihr Mann ist sehr nett, auch wenn er wie Nancy gar kein Deutsch kann. Nancy hat fur uns ein typisches Gericht aus Cochabamba gekocht. Fleisch mit dunkler Sosse aus Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten, dazu Reis. Zum Essen gab es natuerlich Jajua, eine bolivianische scharfe Sosse aus Locoto, Tomate und Kraeutern. Diese Sosse isst scheinbar jeder Bolivianer zu jedem Essen, Jorge konnte ohne sie nichts essen. Nicht mal Tortilla. Alles sehr lecker. Den Rueckweg haben wir mit dem Taxi gemacht, sicher ist sicher.
P.S. Muelleria scheint ein Laden zu sein, der sich um technische Federn kuemmert, denn muelle heisst Feder. :)
Naja. Dann haben wir uns um 11 Uhr auf den Weg gemacht und wollten das Auto waschen lassen, dass es bis um 15 Uhr (unserem Treffen mit Nancy) schick ist und man nicht wieder nach 2 Min Sitzen duschreif ist. Leider hat uns die Autowascherei mitgeteilt, dass das Waschen einen halben Tag dauere, den wir natuerlich nicht hatten. Da in der Stadt so viel Verkehr war, haben wir es aufgegeben, eine weitere Auto-Wascherei zu suchen und damit ist das Auto nun immer noch eine Drecksschleuder. Mittags haben wir nach dem Almuerzo im Sucremanta (leckeres Restaurant) noch einen Kaffee/Tee getrunken. Dort haben wir einen bolivianischen Amerikaner getroffen (ca. 80 Jahre alt), der uns sein halbes Leben ausgebreitet hatte. Sehr interessant, zumal wir am Ende sogar seine Adresse hatten. Weniger schoen war, dass ich mir beim Beissen in einen harmlosen Keks einen Teil meiner Fuellung meines rechten oberen Backenzahns rausgebissen hatte. Flo wollte zuerst nicht glauben, dass das Teil in meiner Hand meine Fuellung ist und nicht der Keks. Aber doch, denn ich spuerte das Loch, vor allem abends beim Essen ...
Nun hatten wir erstmal Nancy empfangen, die mit uns zum Mecanico fuhr, den sie kennt. Dort haben wir das Auto zum Allroundcheck gelassen, denn wir wollen auf Nummer Sicher gehen. Nachdem uns Nancy noch in die beste Empanaderia Cochabambas geschleppt hatte, wussten wir: Empanandas hier sind genial. Viel besser als wo anders. Hier gibt es am Morgen Salteñas. Teigtaschen mit Fleischfuellung und viel Saft drin, mit denen man sich zu 100% die Klamotten einsaut, wenn man reinbeisst. Ab Mittags gibts nur noch Empanadas, die sehr aehnlich sind, nur dass sie innen fest sind und mit Kaese oder Locoto (scharfer Paprika) gefuellt sind. Megalecker.
Nach einer sehr ruhigen Nacht haben wir heute beschlossen, dass ein Zahnarzt her muss. Mein Loch drohte groesser zu werden und tat weh. Der Plan, das auszusitzen, ging nicht auf und immerhin befinden wir uns in einer Stadt mit fast 600.000 Einwohnern. Da sollte es wohl einen Zahnarzt geben. Aber: Gar nicht so einfach, einen guten zu finden. Also: An der Rezeption nachgefragt, die den Hinterhof-Klempner gegenueber empfahl. Nachdem der nur einen Miniraum und ne angeschaltete Glotze zu bieten hatte, war mir das Ganze zu heiss. Nur kein Risiko eingehen. So haben wir im Internet gesucht, da Nancy nicht erreichbar war. Nix. Das Internet hatte keinen einzigen Zahnklempner in Cochabamba zu bieten. Sehr frustrierend. Nachdem ich schon kurzzeitig gegen 12 Uhr den Kopf in den Sand gesteckt hatte, kam Flo mit dem Telefonbuch an und dort suchten wir weiter. Nix unter: Dentista, Clinica Dental. Null. Am Ende haben wir durch Zufall entdeckt, dass hinten alle Zahnaerzte zusammengefasst sind. Am besten hat mir "Sandys Family Dentist" gefallen. Eine Familie, die aus 3 Zahnaerzten besteht und die alle Sandy heissen und angeblich englisch sprachen. Ich rief an, es stellte sich raus, englisch kann keiner. Der englischsprechende Zahnarzt ist gerade in USA. Aber man fragte mich, was ich noch spreche und nach der Antwort "Deutsch" kam mir schon nettes Bayrisch entgegen. Die Sprechstundenhilfe/Dame am Telefon hiess aemlich Anita und kommt aus Muenchen. Was fuer ein Glueck. Sie sagte, die Aerztin sei schon im Feierabend (immerhin ist heute Samstag, kurz nach 12), aber ich sollte kurz warten. 2 Min spaeter meinte sie, wir sollen noch kommen. Wir sind mit dem Taxi hingespurtet, Anita hat schon auf uns gewartet. Die Praxis war zwar klein, aber nagelneu und machte einen sehr professionellen Eindruck. Ihre Chefin hat sich meinen Zahn angesehen und geroentgt. Nach einer starken Spritze und diversen Bohraktionen (leider aufgrund meiner Spritzenresistenz nicht schmerzlos) war klar, dass ich doch kein Karies hatte, sondern nur eine kleine Infektion wegen dem kaputten Zahn. Die alte Fuellung wurde komplett rausgemacht (war ja immerhin 10 Jahre alt) und mit einem Provisorium aufgefuellt. Am Montag muessen wir nochmal hin, um die Endfuellung zu bekommen. 340 BS (34 EUR) soll uns der Spass insgesamt kosten. Dank Anita war die Kommunikation sehr einfach und sie hat uns auch noch den Supermarkt gegenueber empfohlen, der tatsaechlich deutsches Koernerbrot hat. Unglaublich. Das erste in 10 Wochen. Nur schade, dass ich kaum den Mund aufmachen kann...
Anita war echt besorgt, rief nachmittags nochmal an und meinte, wenn was waere, sie sei immer erreichbar. Abends hat sie uns sogar nochmal angerufen und gesagt, dass sie auch noch in einer leckeren Pizzeria arbeite und wir unbedingt vorbeikommen muessen. Morgen, haben wir ausgemacht. Somit hatten wir echt Glueck im Unglueck mit dem Zahn.
Um 15 Uhr sollte unser Auto fertig sein und so haben wir um 14 Uhr nachgefragt. Wie immer hier war natuerlich nichts fertig. Es hiess 16 Uhr. Nancy war schon auf dem Weg zu uns und unaufhaltbar. So sind wir mit ihr und Omar, ihrem Sohn (wohnt seit 8 Jahren in Muenchen und ist hier gerade auf Besuch) zum Markt, einen Benzinkanister kaufen. Als Reserve, wo es hier doch so wenig Tankstellen gibt. Anschliessend rief uns der Automechaniker an, dass Schorsch (unser Auto) heute nimmer fertig wuerde, weil ihm ein Teil fehle, was er erst am Montag bekaeme. Ok. Bravo. Aber so wars. Nachdem wir noch im Globus waren (Cafe am Prado, der Flaniermeile), das superleckeres Eis hatte, sind wir auf die Suche nach einem Bus gegangen, der uns zu Nancy nach Haus bringt. Nachdem wir 30 Min gesucht und gelaufen sind, aber alle vorbeifahrenden Busse voll waren, hatten wir endlich einen. Flo gab mir noch sicherheitshalber den Foto fuer den Bauchgurt, da er ihn in seiner Hosentasche nicht sicher genug fand. Er stand dann mit Omar hinten im Gang, ich sass mit Nancy vorne zwischen 30 Leuten. Ich war noch so doof, da ich am Eingang sass und habe das Fahrgeld von 2 Fahrgaesten an den Fahrer weitergereicht, weil sie nicht bis zu ihm durch kamen. Bei einer dieser Aktionen muss mir wohl einer unbemerkt den Bauchgurt geoeffnet und die Kamera geklaut haben. Ploetzlich stieg einer aus dem vollen Bus aus und da hab ich es gemerkt, doch es war zu spaet. So ein Mist. Die Kamera ist weg! Nur gut, dass es Flos Kamera war, die er mir noch zum Aufbewaren gab, weil sie dort sicherer war. Haha. Nun haben wir am Montag wieder mal was zu tun. Neue Kamera kaufen. Nancy hatte von all dem auch erst mitbekommen, als ich es bemerkt hatte.
Bei Nancys Haus angekommen, haben wir gestaunt. Ein wunderschoenes grosses Haus. Wow. Mit kleinem Garten mit Bananen, Limonen, Chirimoya (Zuckerapfel), Papaya. Ihr Mann ist sehr nett, auch wenn er wie Nancy gar kein Deutsch kann. Nancy hat fur uns ein typisches Gericht aus Cochabamba gekocht. Fleisch mit dunkler Sosse aus Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten, dazu Reis. Zum Essen gab es natuerlich Jajua, eine bolivianische scharfe Sosse aus Locoto, Tomate und Kraeutern. Diese Sosse isst scheinbar jeder Bolivianer zu jedem Essen, Jorge konnte ohne sie nichts essen. Nicht mal Tortilla. Alles sehr lecker. Den Rueckweg haben wir mit dem Taxi gemacht, sicher ist sicher.
P.S. Muelleria scheint ein Laden zu sein, der sich um technische Federn kuemmert, denn muelle heisst Feder. :)
Freitag, 20. Juni 2008
Challapata - Oruro - Cochabamba
Nach der ausgefallenen Waesche und einer halben Stunde Suche nach einem offenen Restaurant gab es "desayuno" (Fruehstueck) zusammen mit 6 Einheimischen, die Suppe gegessen haben. Fuer uns gab es das "Auslaenderfruehstueck": Tee, trockenes Brot und Kaese. Naja, wir sind es ja schon gewoehnt.
Als naechste Station war eine Tanke angesagt. Fuer limitierte 100 Bolivianos (mehr wollte er uns hier nicht verkaufen) tankten wir genug Benzin (manuell "verdickt" mit Extra-Octan) fuer ein beruhigendes Gefuehl auf der Weiterfahrt.
Nach weiteren 500 Metern kamen wir mal wieder an eine Kontroll- und Mautstation. Auf allen Strecken, die aus einer Stadt heraus fuehren werden hier die Fahrzeugpapiere kontrolliert und die Mautzettel angesehen. Alle Leute sind sehr freundlich und die Polizisten meisst leicht ueberfordert von deutschen Fuehrerscheinen. :-)
Die Maut kostet zwischen 1 und 5 (10 - 50 Cent) Bolivianos pro Strecke. Da man alle Streckenabschnitte auf einmal kaufen kann, bekommt man einen Stapel aus 3-5 Zetteln in die Hand gedrueckt.
Wieder auf der Strasse ging es gut voran. Die "Autobahn" ist toll. Vor jeder Kurve steht ein Schild, es sind (fast) keine Loecher und Graeben da und wir konnten meisstens 80 - 100 km/h fahren. Einzig ein komisches Geraeusch am Fahrzeug truebte die tolle Aussicht auf bunte Berge (rot, gruen, gelb, grau). Nach zwei Stopps ohne dass wir einen Fehler gefunden haetten kam Susi auf eine grandiose Idee ... 10 Minuten spaeter waren auch schon alle Schrauben am ausgetauschten Rad wieder festgezogen und es konnte weiter gehen. Glueck gehabt.
Oruro
Oruro ist eine kleine Stadt, die wohl sehr von der Autobahn profitiert. Am Ortseingang gibt es links und rechts ca. 100 Autowerkstaetten (= kleine Bude mit Hinterhof und 5 Autowracks vor der Tuere) wobei jede Werkstaette auf einen Teil des Autos spezialisiert scheint: Elektrik, Bremsen, Karosserie, Reifen (Gomeria), Lubricantes, Batterien, Auspuff, Stossdaempfer, Scheiben, Spiegel ... stellt Euch mal vor Ihr wollt einen "Komplett-Check" machen ... das heisst dann 7-10 Anlaufstellen, mindestens!
Oruro selbst stellte sich fuer uns als eine super staubige und kalte Stadt dar (liegt ja immerhin auch auf 3.700m). Die Nebenstrassen bestehen wieder aus "Tierra" und die Hauptstrassen sind mit 8-Eckigen Pflastersteinen belegt. Loecher gibt es ueberall, weswegen einem ausweichende Autos jederzeit auf der eigenen Seite entgegenkommen koennen.
Damit wir in Cochabamba herzlich willkommen geheissen werden, haben wir noch Frau Nancy angerufen. Einige von Euch kennen sie ja persoenlich und wissen, dass sie in den zehn Jahren Deutschland fast kein Wort deutsch gelernt hat.
Ich wollte - ein bisschen unsicher und auch ein bisschen stolz - das Telefonat beginnen. Prompt kramte ich in dem bisschen spanischen Wortschatz, der sich natuerlich genau in diesem Moment tief in meinem Gedaechtniss versteckt hatte und nicht raus kommen wollte.
F: ¿Hola, Señora Nancy? (Hallo Frau Nancy?)
N: ¡Hola Florian! (Hallo Florian!)
F: Estan en Oruro, viajamos a Cochabamba hoy. (Sind in Oruro, reisen heute nach Cochabamba.)
N: (spanische Worte die wohl "Wann kommt Ihr an?" bedeuteten)
F zu Susi: Wann kommen wir an?
Susi zu F: Um fuenf.
F: Estamos en Cochabamba a las siete. (Sind um sieben in Cochabamba.) (Verdammt was heisst fuenf nochmal?)
N: (spanische Worte die ich nicht ergruenden konnte)
F: ¡He comprida una Auto! (Susi verbessert mich: Das heisst "comido"!)
F: ¡He comido una Auto! (Ich ueberlege ... comer = essen ??? ... "Ich habe ein Auto gegessen???" Nein das wollte ich eigentlich nicht sagen!!!)
N: ¿Has com ... prado una Auto? ... Susi habla español? (Sie haben ein Auto ge ... kauft? Spricht Susi vielleicht spanisch?)
F: Susi schnell ... Du bist dran!
...
Nach dem Gespraech haben wir uns totgelacht und ich lache immer noch jedesmal wenn ich dran denke! *grins* ... klar: "Ich habe ein Auto gegessen!" Die ultimative Nachricht an Nancy!
Cochabamba
Die Strasse nach Cochabamba brachte uns weiter durch die Berge mit einer Hoehe von 4.400 Metern durch grandiose Landschaften (es sieht hier wieder total anders aus als ueberall vorher). Es gibt Nadelwaelder, Buesche, gruene Wiesen und Kakteen. Nachdem wir die hoechste Stelle der Berge passiert hatten, ging es schnell wieder nach unten. Nachdem uns ein Reisebus ueberholt hatte (mit Affengeschwindigkeit) habe ich mich einfach hinten an ihn dran gehaengt, denn er kannte sichtlich jedes Loch der Strasse. So ging es schnell durch die Vororte von Cochabamba (ca. 2.400 m) ins Zentrum. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt hatte ich mich schon in diesen Ort verliebt! Es ist warm, alle Strassen sehen freundlich aus, der Verkehr wirbelt um einen herum und die Leute sind sehr hilfsbereit. Man fuehlt sich sicher.
Kurz nachdem wir den Hauptplatz (wie immer "25. de Mayo") (Nachtrag von Susi: hier heisst er ausnahmsweise 14 de Septiembre) gefunden haben, sassen wir auch schon in einem franzoesischen Cafe. Bei einer heissen Schokolade mit Zimt, Tee sowie Crepe und Croisant beschlossen wir, dass eine gute Unterkunft in einem Hotel mit heisser Dusche und weichen Betten her musste. Nachdem wir zwei guenstigere Hostals befragt hatten - 10 Euro pro Nacht fuer das Zimmer - (beide sagten auf Nachfrage dass sie selbstverstaendlich Doppelzimmer mit eigenem Bad haben ... sie diese aber leider weder herzeigen noch vermieten koennen da sie gerade nicht frei sind ... wir kamen uns ziemlich verarscht vor) fanden wir das Hotel "Regina tres". Das Zimmer - welches wir tatsaechlich als frei vorfanden - war gigantisch! ein Palast! Zwei riesen Betten in einem Raum der wahrscheinlich groesser ist als die ganze Wohnung von Frank (*grins*). Das alles inkl. Internet, Fruehstueck und Garage fuer das Auto fuer 19 Euro pro Nacht. Gigantisch!
So haben wir natuerlich ersteinmal die Dusche ausfuehrlich genutzt und eine Waage haette uns garantiert bescheinigt dass wir mindestens 2 kg Staub und Dreck durch den Ausguss geschwemmt haben. Das Abendessen bestand aus Keksen, Bananen und Wasser ... wir hatten einfach keinen Bock mehr raus zu gehen und leider war die Brot-Tuete verschwunden.
Achja: Weiss jemand was eine "Muelleria" macht?
Als naechste Station war eine Tanke angesagt. Fuer limitierte 100 Bolivianos (mehr wollte er uns hier nicht verkaufen) tankten wir genug Benzin (manuell "verdickt" mit Extra-Octan) fuer ein beruhigendes Gefuehl auf der Weiterfahrt.
Nach weiteren 500 Metern kamen wir mal wieder an eine Kontroll- und Mautstation. Auf allen Strecken, die aus einer Stadt heraus fuehren werden hier die Fahrzeugpapiere kontrolliert und die Mautzettel angesehen. Alle Leute sind sehr freundlich und die Polizisten meisst leicht ueberfordert von deutschen Fuehrerscheinen. :-)
Die Maut kostet zwischen 1 und 5 (10 - 50 Cent) Bolivianos pro Strecke. Da man alle Streckenabschnitte auf einmal kaufen kann, bekommt man einen Stapel aus 3-5 Zetteln in die Hand gedrueckt.
Wieder auf der Strasse ging es gut voran. Die "Autobahn" ist toll. Vor jeder Kurve steht ein Schild, es sind (fast) keine Loecher und Graeben da und wir konnten meisstens 80 - 100 km/h fahren. Einzig ein komisches Geraeusch am Fahrzeug truebte die tolle Aussicht auf bunte Berge (rot, gruen, gelb, grau). Nach zwei Stopps ohne dass wir einen Fehler gefunden haetten kam Susi auf eine grandiose Idee ... 10 Minuten spaeter waren auch schon alle Schrauben am ausgetauschten Rad wieder festgezogen und es konnte weiter gehen. Glueck gehabt.
Oruro
Oruro ist eine kleine Stadt, die wohl sehr von der Autobahn profitiert. Am Ortseingang gibt es links und rechts ca. 100 Autowerkstaetten (= kleine Bude mit Hinterhof und 5 Autowracks vor der Tuere) wobei jede Werkstaette auf einen Teil des Autos spezialisiert scheint: Elektrik, Bremsen, Karosserie, Reifen (Gomeria), Lubricantes, Batterien, Auspuff, Stossdaempfer, Scheiben, Spiegel ... stellt Euch mal vor Ihr wollt einen "Komplett-Check" machen ... das heisst dann 7-10 Anlaufstellen, mindestens!
Oruro selbst stellte sich fuer uns als eine super staubige und kalte Stadt dar (liegt ja immerhin auch auf 3.700m). Die Nebenstrassen bestehen wieder aus "Tierra" und die Hauptstrassen sind mit 8-Eckigen Pflastersteinen belegt. Loecher gibt es ueberall, weswegen einem ausweichende Autos jederzeit auf der eigenen Seite entgegenkommen koennen.
Damit wir in Cochabamba herzlich willkommen geheissen werden, haben wir noch Frau Nancy angerufen. Einige von Euch kennen sie ja persoenlich und wissen, dass sie in den zehn Jahren Deutschland fast kein Wort deutsch gelernt hat.
Ich wollte - ein bisschen unsicher und auch ein bisschen stolz - das Telefonat beginnen. Prompt kramte ich in dem bisschen spanischen Wortschatz, der sich natuerlich genau in diesem Moment tief in meinem Gedaechtniss versteckt hatte und nicht raus kommen wollte.
F: ¿Hola, Señora Nancy? (Hallo Frau Nancy?)
N: ¡Hola Florian! (Hallo Florian!)
F: Estan en Oruro, viajamos a Cochabamba hoy. (Sind in Oruro, reisen heute nach Cochabamba.)
N: (spanische Worte die wohl "Wann kommt Ihr an?" bedeuteten)
F zu Susi: Wann kommen wir an?
Susi zu F: Um fuenf.
F: Estamos en Cochabamba a las siete. (Sind um sieben in Cochabamba.) (Verdammt was heisst fuenf nochmal?)
N: (spanische Worte die ich nicht ergruenden konnte)
F: ¡He comprida una Auto! (Susi verbessert mich: Das heisst "comido"!)
F: ¡He comido una Auto! (Ich ueberlege ... comer = essen ??? ... "Ich habe ein Auto gegessen???" Nein das wollte ich eigentlich nicht sagen!!!)
N: ¿Has com ... prado una Auto? ... Susi habla español? (Sie haben ein Auto ge ... kauft? Spricht Susi vielleicht spanisch?)
F: Susi schnell ... Du bist dran!
...
Nach dem Gespraech haben wir uns totgelacht und ich lache immer noch jedesmal wenn ich dran denke! *grins* ... klar: "Ich habe ein Auto gegessen!" Die ultimative Nachricht an Nancy!
Cochabamba
Die Strasse nach Cochabamba brachte uns weiter durch die Berge mit einer Hoehe von 4.400 Metern durch grandiose Landschaften (es sieht hier wieder total anders aus als ueberall vorher). Es gibt Nadelwaelder, Buesche, gruene Wiesen und Kakteen. Nachdem wir die hoechste Stelle der Berge passiert hatten, ging es schnell wieder nach unten. Nachdem uns ein Reisebus ueberholt hatte (mit Affengeschwindigkeit) habe ich mich einfach hinten an ihn dran gehaengt, denn er kannte sichtlich jedes Loch der Strasse. So ging es schnell durch die Vororte von Cochabamba (ca. 2.400 m) ins Zentrum. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt hatte ich mich schon in diesen Ort verliebt! Es ist warm, alle Strassen sehen freundlich aus, der Verkehr wirbelt um einen herum und die Leute sind sehr hilfsbereit. Man fuehlt sich sicher.
Kurz nachdem wir den Hauptplatz (wie immer "25. de Mayo") (Nachtrag von Susi: hier heisst er ausnahmsweise 14 de Septiembre) gefunden haben, sassen wir auch schon in einem franzoesischen Cafe. Bei einer heissen Schokolade mit Zimt, Tee sowie Crepe und Croisant beschlossen wir, dass eine gute Unterkunft in einem Hotel mit heisser Dusche und weichen Betten her musste. Nachdem wir zwei guenstigere Hostals befragt hatten - 10 Euro pro Nacht fuer das Zimmer - (beide sagten auf Nachfrage dass sie selbstverstaendlich Doppelzimmer mit eigenem Bad haben ... sie diese aber leider weder herzeigen noch vermieten koennen da sie gerade nicht frei sind ... wir kamen uns ziemlich verarscht vor) fanden wir das Hotel "Regina tres". Das Zimmer - welches wir tatsaechlich als frei vorfanden - war gigantisch! ein Palast! Zwei riesen Betten in einem Raum der wahrscheinlich groesser ist als die ganze Wohnung von Frank (*grins*). Das alles inkl. Internet, Fruehstueck und Garage fuer das Auto fuer 19 Euro pro Nacht. Gigantisch!
So haben wir natuerlich ersteinmal die Dusche ausfuehrlich genutzt und eine Waage haette uns garantiert bescheinigt dass wir mindestens 2 kg Staub und Dreck durch den Ausguss geschwemmt haben. Das Abendessen bestand aus Keksen, Bananen und Wasser ... wir hatten einfach keinen Bock mehr raus zu gehen und leider war die Brot-Tuete verschwunden.
Achja: Weiss jemand was eine "Muelleria" macht?
Mittwoch, 18. Juni 2008
Aufofahrt Sucre - Challapata (very Basic)
Reisetag ...
Um 8 Uhr sollte es los gehen ... aber nachdem es soooo kalt war in der Frueh und wir einfach nicht in die Gaenge gekommen sind war es schon 8:45 als ich zum Auto runter bin und die ersten Sachen eingeladen habe. Nachdem wir den Zimmerschluessel abgegeben hatten und alles verstaut war, sollte es los gehen ... wenn der linke Hinterreifen nicht komisch ausgesehen haette ... ein Platten!
Unglaublich: der erste platte Reifen und auch noch in der "Garage"!
Also blieb nichts und wir riefen unseren "Retter in der Not" an: Jorge :-)
Er hatte seine Hilfe angeboten, aber dass wir sie so schnell wahrnehmen wuerden, hatte er wohl auch nicht gedacht. Wir haben ihn aus dem Bett geklingelt und er wollte 30 Minuten spaeter am Plaza auf uns warten. Der Reifen war schnell gewechselt (Kommentar Susi: Flo und Adrian, der Hausl haben tolle Arbeit geleistet), ein niegelnagelneues Ersatzrad hatten wir ja hinten am Auto. einzig ein bisschen Werkzeug mussten wir uns im Instituto leihen (Kommentar Susi: das Flo auch gleich abgebrochen hatte!!).
45 Minuten spaeter waren wir schon gemeinsam in einer "Gomeria" (einer Hinterhof-Reifenhandlung mit Reperaturwerkstaette) und nach weiteren 5 Minuten war der schuldige Nagel gefunden und das Loch im Reifen mit einem "Reperaturset" wieder dicht (und ist es bis heute, 20.06.). Unglaublich, niemand bei uns wuerde mit einem kleinen Klebestreifen der in das Loch im Reifen gesteckt wird fahren ... hier triffst Du auf komplettes Unverstaendniss wenn Du mehr Geld ausgeben willst als fuer den Gummistreifen. Nunja ... fuer einen - jetzt Ersatzreifen - wird es schon gehen.
Nachdem wir mit Jorge noch Tanken waren und "Extra-Octan" gekauft hatten gab es noch einen Schraubenzieher als Geschenk von Landen unseres Autoverkaeufers ... das Auto ist nicht wie angegeben ein "Original" sondern ein "Transformer". Leider sind wir unwissenden Deutschen mit unseren "normalen" Autos total blind fuer die eindeutigen Anzeichen gewesen:
Zurueck zum Tagesablauf: Nachdem wir also schon von den Bloqueos in Potosi wussten, ging es auf die Landstrasse Richtung Oruro. "Land"-Strasse stimmt hier woertlich, die Strasse wird hier "terra" genannt - im Unterschied zum "asphalto". :-) Ausserdem geht sie wirklich mitten durch das Land: Minidoerfer und dazwischen nix als Steine und Staub. Auf der Strasse kommen einem alle 15 Minten "Camiones" entgegen: Lastwagen mit stehenden Leuten drauf. Zum Teil schneckenlangsam (schlecht wenn man gerade dahinter ist, aber gut zum ueberholen) und zum Teil halsbrecherisch schnell. Einen "Camion" haben wir zum Glueck vor uns gehabt, als die "Strasse" gerade unsichtbar wurde (nachdem uns ein Bauer den falschen Weg genannt hatte) und sich zwischen Steinen und querverlaufenden Baechen versteckt hatte. Er schlug einfach eine bestimmte Richtung ueber eine Ebene ein, durch Fluesse und ueber Aecker und wir fuhren einfach hinterher. Irgendwann konnte man wieder einen Weg erkennen und wir waren echt heil froh dass wir einfach hinterher fahren konnten anstatt mittem in Gelaende Pfadfinder spielen zu muessen.
Mittagessen gab es in Ravela. Asado Pikante und Suppe ... lecker! Eine echt nette "Zopffrau" hat uns dann noch eine Hand voll Pepperoni geschenkt ... und langte sich an die Backen um zu sagen dass die wohl echt schaft sind. Total lustig!
Weiter ging es wieder durch die wunderschoene Landschaft, vorbei an Schafen, schwarzen Schweinen, Lamas, Huehnern, Hunden und Rindern.
In einem Dorf haben wir einen Anhalter mitgenommen der zwar sehr "einheimisch" roch, uns aber sehr zuverlaessig den Weg ansagte wenn mal wieder eine Abzweigung kam die nicht erahnen liess ob der Hauptweg links oder rechts weiter geht. Gelernt: Anhalter bleiben in Zukunft draussen ... aus Geruchs- und Sicherheitsgruenden.
Des Abends, die Sonne war schon unter gegangen, kamen wir nach ca. 7,5 Stunden Fahrt in einem kleinen Dorf namens "Ventilla" an. Insgesammt zwei Strassenlaternen an Stellen die keine Beleuchtung brauchen, sonst stock finster. Auf Nachfrage bei drei Einheimischen ergab sich dass es drei "Hotels" gibt. Das erste sah nur heruntergekommen aus, das zweite - abgelegen und menschenleer - antwortete dass sie keine Zimmer frei haetten und das dritte hatte ein Zimmer aber weder Dusche noch Licht am Klo. - very very basic -
Durch Zufall entdeckten wir beim umherfahren eine ¡¡¡TEERSTRASSE!!! ein WUNDER!
In den letzten Jahren wurde anscheinend die "Autobahn" weiter gebaut und reicht nun bis zu dem Doerfchen. Die Entscheidung war schnell getroffen und es ging weiter, ca. 1,5 Stunden auf der Teerstasse, nach Challapata. Dort gab es auch nicht viel mehr "asphalto" zwischen den Haeusern, aber wir haben letztenendlich ein Zimmer gefunden mit Fenster zum Innenhof und - immerhin - einem Waschbecken und Licht am Klo. Um 22 Uhr wurde die Eingangstuere verschlossen (essen gabs keines in dem Dorf um die Zeit, also hungern!) ... wer noch draussen war hatte Pech. Die Nacht war kurz aber einigermassen warm - auf das Waschbecken mussten wir am morgen allerdings verzichten weil es auch hier kein Wasser gab. "No hay aqua." ... am Klo wurde halt mal nicht gespuehlt *iiiiihhhh*
Um 8 Uhr sollte es los gehen ... aber nachdem es soooo kalt war in der Frueh und wir einfach nicht in die Gaenge gekommen sind war es schon 8:45 als ich zum Auto runter bin und die ersten Sachen eingeladen habe. Nachdem wir den Zimmerschluessel abgegeben hatten und alles verstaut war, sollte es los gehen ... wenn der linke Hinterreifen nicht komisch ausgesehen haette ... ein Platten!
Unglaublich: der erste platte Reifen und auch noch in der "Garage"!
Also blieb nichts und wir riefen unseren "Retter in der Not" an: Jorge :-)
Er hatte seine Hilfe angeboten, aber dass wir sie so schnell wahrnehmen wuerden, hatte er wohl auch nicht gedacht. Wir haben ihn aus dem Bett geklingelt und er wollte 30 Minuten spaeter am Plaza auf uns warten. Der Reifen war schnell gewechselt (Kommentar Susi: Flo und Adrian, der Hausl haben tolle Arbeit geleistet), ein niegelnagelneues Ersatzrad hatten wir ja hinten am Auto. einzig ein bisschen Werkzeug mussten wir uns im Instituto leihen (Kommentar Susi: das Flo auch gleich abgebrochen hatte!!).
45 Minuten spaeter waren wir schon gemeinsam in einer "Gomeria" (einer Hinterhof-Reifenhandlung mit Reperaturwerkstaette) und nach weiteren 5 Minuten war der schuldige Nagel gefunden und das Loch im Reifen mit einem "Reperaturset" wieder dicht (und ist es bis heute, 20.06.). Unglaublich, niemand bei uns wuerde mit einem kleinen Klebestreifen der in das Loch im Reifen gesteckt wird fahren ... hier triffst Du auf komplettes Unverstaendniss wenn Du mehr Geld ausgeben willst als fuer den Gummistreifen. Nunja ... fuer einen - jetzt Ersatzreifen - wird es schon gehen.
Nachdem wir mit Jorge noch Tanken waren und "Extra-Octan" gekauft hatten gab es noch einen Schraubenzieher als Geschenk von Landen unseres Autoverkaeufers ... das Auto ist nicht wie angegeben ein "Original" sondern ein "Transformer". Leider sind wir unwissenden Deutschen mit unseren "normalen" Autos total blind fuer die eindeutigen Anzeichen gewesen:
- der Einparkspielgel fuer den Randstein ist links
- die Aussenspiegel rasten so ein dass der Beifahrer alles sieht
- die Ablage fuer den linken Fuss ist beim Beifahrer
- der Beifahrer hat den tollen hoehenverstellbaren Sitz
- der Blinkerhebel ist rechts am Lenkrad
- die Knoepfe der Automatikschaltung muss man mit dem kleinen Finger statt mit dem Daumen bedienen :-)
- die Knoepfe in den Tueren fuer die Fensterheber sind irgendwie asymetrisch angeordnet
- der rechte Aussenspiegel bewegt sich wenn man den Hebel auf "L" stellt
- ...
Zurueck zum Tagesablauf: Nachdem wir also schon von den Bloqueos in Potosi wussten, ging es auf die Landstrasse Richtung Oruro. "Land"-Strasse stimmt hier woertlich, die Strasse wird hier "terra" genannt - im Unterschied zum "asphalto". :-) Ausserdem geht sie wirklich mitten durch das Land: Minidoerfer und dazwischen nix als Steine und Staub. Auf der Strasse kommen einem alle 15 Minten "Camiones" entgegen: Lastwagen mit stehenden Leuten drauf. Zum Teil schneckenlangsam (schlecht wenn man gerade dahinter ist, aber gut zum ueberholen) und zum Teil halsbrecherisch schnell. Einen "Camion" haben wir zum Glueck vor uns gehabt, als die "Strasse" gerade unsichtbar wurde (nachdem uns ein Bauer den falschen Weg genannt hatte) und sich zwischen Steinen und querverlaufenden Baechen versteckt hatte. Er schlug einfach eine bestimmte Richtung ueber eine Ebene ein, durch Fluesse und ueber Aecker und wir fuhren einfach hinterher. Irgendwann konnte man wieder einen Weg erkennen und wir waren echt heil froh dass wir einfach hinterher fahren konnten anstatt mittem in Gelaende Pfadfinder spielen zu muessen.
Mittagessen gab es in Ravela. Asado Pikante und Suppe ... lecker! Eine echt nette "Zopffrau" hat uns dann noch eine Hand voll Pepperoni geschenkt ... und langte sich an die Backen um zu sagen dass die wohl echt schaft sind. Total lustig!
Weiter ging es wieder durch die wunderschoene Landschaft, vorbei an Schafen, schwarzen Schweinen, Lamas, Huehnern, Hunden und Rindern.
In einem Dorf haben wir einen Anhalter mitgenommen der zwar sehr "einheimisch" roch, uns aber sehr zuverlaessig den Weg ansagte wenn mal wieder eine Abzweigung kam die nicht erahnen liess ob der Hauptweg links oder rechts weiter geht. Gelernt: Anhalter bleiben in Zukunft draussen ... aus Geruchs- und Sicherheitsgruenden.
Des Abends, die Sonne war schon unter gegangen, kamen wir nach ca. 7,5 Stunden Fahrt in einem kleinen Dorf namens "Ventilla" an. Insgesammt zwei Strassenlaternen an Stellen die keine Beleuchtung brauchen, sonst stock finster. Auf Nachfrage bei drei Einheimischen ergab sich dass es drei "Hotels" gibt. Das erste sah nur heruntergekommen aus, das zweite - abgelegen und menschenleer - antwortete dass sie keine Zimmer frei haetten und das dritte hatte ein Zimmer aber weder Dusche noch Licht am Klo. - very very basic -
Durch Zufall entdeckten wir beim umherfahren eine ¡¡¡TEERSTRASSE!!! ein WUNDER!
In den letzten Jahren wurde anscheinend die "Autobahn" weiter gebaut und reicht nun bis zu dem Doerfchen. Die Entscheidung war schnell getroffen und es ging weiter, ca. 1,5 Stunden auf der Teerstasse, nach Challapata. Dort gab es auch nicht viel mehr "asphalto" zwischen den Haeusern, aber wir haben letztenendlich ein Zimmer gefunden mit Fenster zum Innenhof und - immerhin - einem Waschbecken und Licht am Klo. Um 22 Uhr wurde die Eingangstuere verschlossen (essen gabs keines in dem Dorf um die Zeit, also hungern!) ... wer noch draussen war hatte Pech. Die Nacht war kurz aber einigermassen warm - auf das Waschbecken mussten wir am morgen allerdings verzichten weil es auch hier kein Wasser gab. "No hay aqua." ... am Klo wurde halt mal nicht gespuehlt *iiiiihhhh*
Abonnieren
Posts (Atom)