Dienstag, 17. Juni 2008
Wir sind startklar...
Nachdem wir gestern noch schnell beim Mecanico waren und eine Schraube beim Lenkrad austauschen liessen, haben wir heute einen festen Terminplan.
Wir sind um 11 Uhr wie vereinbart bei der Policia aufgeschlagen und tatsaechlich hatten wir nach 10 Minuten und weiteren 20 BS (gestern waren es schon 20BS), die unter der Hand ueber den Tisch gewandert sind, alle Papiere, um den letzten Schritt im Rathaus (Alcaldria) zu erledigen. Dort angekommen war Nelson, unser Sachbearbeiter und Jorges Bekannter (Hermano) schon fertig und wir mussten nur noch die Carnet de Propriedad (Fahrzeugbrief) abholen. Als Dank fuer seine schnelle Hilfe haben wir Nelson - heimlich - zwei Heineken dagelassen, was ihn echt gefreut hat. Dann nur noch eine Kopie des Schluessels angefertigt und das wars. Wir waren uebergluecklich, zumal wir es erst glauben konnten, als wir tatsaechlich alles in den Haenden hatten. Dannach haben wir Jorge und seine Familia noch zum Essen eingeladen und uns verabschiedet. Der Abschied fiel nach 2,5 gemeinsamen Wochen wirklich schwer und ich habe schon die eine oder andere Traene darueber vergossen. Wir haben sie wirklich liebgewonnen und einiges zusammen erlebt. Nachdem uns Jorge versprochen hat, uns in jedem Fall auch mit dem Verkauf zu helfen, ob in Bolivien oder Ecuador waren wir die Sorge los. Er hat uns angeboten, ihn immer anrufen zu koennen, egal was ist. Das ist viel Wert, denn auf ihn ist Verlass.
Nachmittags haben wir noch einen Aushang im Institut gemacht, dass wir das Auto ab August wieder verkaufen und Kopien der Unterlagen hier gelassen, nur fuer den Notfall. Man weiss ja nie. Hier sind alle wirklich unheimlich nett und hilfsbereit und wir sind hier sehr herzlich aufgenommen worden, vor allem von Ybeth, der Sekretaerin. Dann noch ein paar Einkaeufe als Wegzehrung, Verabschiedung von Allen und Rucksack packen, denn morgen gehts in aller Fruehe los. Leider koennen wir nicht wie geplant den direkten Weg ueber die Teerstrasse via Potosi und Ururo nach Cochabamba nehmen, da in Potosi wieder einmal aufgrund von Blockaden alles gesperrt ist. So werden wir wohl die Tauglichkeit unseres Jeeps gleich mit Aeckern auf die Probe stellen und sehen, wie weit wir kommen. Auf jeden Fall wollen wir in Oruro eine Zwischenstation machen.
Wir haben die Tage einen Bericht gelesen, in dem Bolivien als Land der Lamas, Kokas und Blockaden beschrieben wurde und dies scheint eine absolut passende Beschreibung zu sein. Proteste und Demos gibt es hier wirklich taeglich bis stuendlich. Die Kinder haben im Moment 3 Wochen Ferien und weil die Lehrer um hoeheres Gehalt streiken, wurden die Ferien kurzerhand um eine Woche verlaengert.
Und: wir haben nun unseren Flug umgebucht und die 2 Wochen Venezuela am Ende gestrichen. Wir sind der Meinung, dass wir das nie schaffen, in 6 Wochen in Quito angekommen zu sein wie geplant, weil es hier einfach so viel zu sehen gibt. Den neuen Flug haben wir in einem Reisebuero hier gebucht und wir sind echt stolz drauf, dass wir das alles in spanisch hinbekommen haben :)
Montag, 16. Juni 2008
Carreras, Rio und Policia
Am Samstag und Sonntag fand in Sucre ein Auto- und Motorradrennen mitten in der Stadt statt. Dementsprechend war die halbe Stadt gesperrt und ueberall die Hoelle los. Am Samstag fuhren Autos, die direkt durch die Strassen rasten ganz nah an uns vorbei. Absperrungen gab es so gut wie keine, Menschen dafuer um so mehr. Nicht ganz ungefaehrlich das Ganze und fuer Deutschland undenkbar. Aber interessant und spannend. Am Sonntag wollten wir mit Jorge und seiner Familie zum Picknick aufs Land fahren und so rief uns Jorge um 8 Uhr in der Frueh schon an. Was fuer eine Uhrzeit. Aber das hatte durchaus seinen Sinn. Um 9 Uhr sollte das Motorradrennen direkt an unserem Haus vorbeigehen, so dass wir dann keine Chance mehr gehabt haetten, das Auto fuer den Tag aus dem Hof zu fahren. So sind wir auf die Strasse gespurtet und hatten aber schon Pech. Wir kamen genau 10 Meter bis zur Kreuzung, dann war gesperrt. Und schon rasten die ersten Motorraeder in einem Affentempo an uns vorbei. Mist. Zu spaet. Ich habe den Polizist befragt, wann wir denn die Strasse passieren koennten und er stellte in Aussicht, das wuerde nicht lange dauern. Nach 15 Minuten waren auch die Quads durch und Flo dufte fahren. Wir haben das Auto so geparkt, dass wir um 10 Uhr wegfahren konnten. Zu dem Zeitpunkt waren auch Jorge samt seiner Frau Ines und den Kindern Fabi (Fabiola) und Gabi (Gabriela) schon am Auto. Wir sind zu sechst im Auto losgefahren und Jorge hat es sich nicht nehmen lassen, die Kjarkas aufzulegen. Die neueste CD der bekanntesten bolivianischen "Volksmusikband", auf die hier jeder steht und die wir am Markt erstanden hatten. Jorge hat zum Leidwesen seiner Toechter wieder mal aus vollem Halse mitgesungen, geschluchtzt und geheult. Wir sind auf der ¡Strasse! Richtung Cochabamba gefahren und sind nach ca. 30 Kilometer in einem kleinen Dorf gelandet. Dort sollte es "Mittagessen" geben. In einem "Restaurant" (Raum mit ein paar alten Tischen und Hockern) und haben dort "Picante" gegessen. Das ist ein Huhn aus dem Ofen mit Reis, Kartoffeln und einer sehr scharfen roten Sosse. Sehr sehr lecker. Ganz unser Geschmack. Und das Ganze fuer 8 BS. Danach haben wir bei einem Stand Ziegenkaese und Brot als Wegzehrung gekauft. Dannach gings weiter zum Fluss. Dem Fluss waren wir vorher schon 15 km gefolgt und kein Wasser in Sicht. Das musste sich Jorge von uns allen anhoeren, denn er hatte behauptet, es gaebe dort Wasser. Der Weg zum Fluss war ein echter Acker, so dass wir unser Auto gleich testen konnten und: Test gut bestanden. Schorsch (wie wir den Jeep nach seinem Entdecker benannt haben, der alternative Name waere "Schildkroete" gewesen weil das Ding so zockelt beim Bergauffahren) mag anscheinend lieber Steine als Asphalt. Und wir stellten fest: der Rio hatte Wasser. Natuerlich wollten wir nicht auf der Seite des Flusses bleiben, wo unser Auto stand, sondern auf die andere Seite. Bruecke gibt es keine, nur ein paar Steine zum Draufsteigen. Da der Fluss hier echt breit ist und die Steine nicht sehr vertrauenserweckend aussahen, hiess es Schuhe aus und durch. Wir sind bis zum Oberschenkel durch die Bruehe gewatet und mehr gerutscht als gelaufen, aber geschafft. Die Maedels hatten Schuhe fuers Wasser, das hatten wir natuerlich nicht gewusst. Jorge ist als Letzter in der Reihe gescheitert. Er hatte diverse Tueten, Hose und Schuhe im Arm und ist weggerutscht und schon war so einiges aus seiner Tasche im Wasser gelandet. Fabi spurtete zurueck, nachdem Jorge echt arm aussah. Sie suchten im Wasser nach Geld und Schluessel und wir haben gelacht :) Das Ganze sah einfach zu komisch aus. Nachdem wir alles hatten, suchten wir uns einen netten Platz auf den Steinen. Die Maedels spielten im Wasser, wir assen und tranken und beobachteten die Leute, die ebenfalls ueber die Steine balancierten. Ein toller Platz, um sich zu amuesieren. Natuerlich hat es auch einige reingelegt, doch das Beste war eine mollige Frau, die bis zur Mitte kam und dann von ihrem Mann geschultert werden musste, weil sie sich nimmer weiter traute. Wir haben echt drauf gewartet, dass das Dreamteam im Wasser landet, samt Tueten voll Klamotten. :)
Nachdem wir letztlich alle Suessigkeiten und die Quesos aufgegessen hatten sollte es Richtung Bruecke gehen (es gibt hier EINE Bruecke ... ). Also alle Sachen ins Auto, ja richtig, das hiess wieder ueber den Fluss. Danach sollte es wieder zurueck (also erneut durch den Fluss) und nachdem wir gerade alles getrocknet hatten und die Schuhe gerade frisch angezogen waren haben wir uns (natuerlich) geweigert. Sie haetten ja was sagen koennen unsere Bolivianos :-)
Also ging es den "Abenteuerweg" ganz eng an unserem Ufer entlang, durch Unterholz und ueber kleine Baechlein und durch Gestruepp zur Bruecke. Die drei Maedels sind auf der anderen Seite mit Ihren Wasserschlappen natuerlich 5 mal so schnell gewesen.
Die Bruecke: Eine Haengebruecke aus Stahlseilen mit Holzplanken und ... einer Eisentuere die nur geoeffnet wird wenn man 1 Bol pro Person zahlt. Sie wurde hinter jedem Besucher wieder verschlossen - mit einem Vorhaengeschloss. Die "Waerterin" ist eine einheimische Frau mit Zoepfen, Roecken und gesundem Geschaeftssinn. Nachdem sich zwei Bengel durchgemogelt hatten ist sie ihnen die ganze Bruecke schimpfend nach gelaufen.
Zurueck ging es auf dem gleichen Weg wie hin und Jorge ist diesesmal nicht in den kleinen Back gestuerzt.Man muss dazu sagen ... er ist fast so blind wie ich (Flo) und kann sich aber leider nur eine viel schwaechere Brille leisten.Texte liesst er mit der Nase auf dem Blatt, an Schilder kommt man hoffentlich nah genug heran um sie zu sehen *grins*
Der Rueckweg war ziemlich unspektakulaer und wir haben die Familie gegen 18 Uhr wieder abgeliefert. Der Nachhauseweg ging noch an diversen Sand-Barrikaden vorbei die extra fuer das Rennen aufgeschuettet worden waren - und der Stadt sicher noch ein paar Monate lang erhalten bleiben.
Samstag, 14. Juni 2008
Autokauf in Sucre
Jetzt habe ich letzten Mittwoch erfahren, dass ein Autokauf in Bolivien innerhalb von drei Tagen machbar ist und man dann ueberall hin fahren kann. Schorsch (Jorge) erklaerte mir alles ganz genau. Man muss nur die folgenden Schritte machen bis man ein Auto angemeldet hat:
- Auto suchen und kaufen (klar)
- mit dem Verkaeufer zum Abogado und einen Kaufvertrag machen (standard)
- mit dem Verkaeufer zum Notario und den Kaufvertrag (und alle anderen Unterlagen) bestaetigen
- dort bezahlen
- zum Rathaus (Oficina de transporte) und das Auto dort anmelden und die Steuer zahlen
- zum Oficina de Policia und das Auto dort anmelden und den "Brief" bekommen
- Auto und Motor mit Cerveza begiessen und auf den Kauf anstossen
- Listo
Also ... gesagt, getan. Wir haben ueberschlagen, wieviel uns ein Auto bringt (keine dreckigen Busterminals mehr, keine strickten Abfahrzeiten, keine Begrenzung des Gepaecks auf die zwei Rucksaecke, Unterkunftsuche ohne Laufen oder ein wartendes Taxi, Einkaufen gehen, Orte sehen zu denen kein Bus faehrt, jederzeit anhalten koennen zum pinkeln ... naja dies ist nur das Wichtigste)
Nachdem wir lange ueberlegt hatten und sich der Plan von "kaufen und verkaufen in Bolivien" bis zu "kaufen in Bolivien und verkaufen in Ecuador" staendig veraenderte und mein Limit 5.000 Euro war, ging es mit der Suche los. Schorsch war voll in seinem Element. Um seine Familie mit zwei Kindern zu ernaehren gibt er nicht nur Spanisch-Stunden sondern faehrt auch Motorradtouren mit Touristen und kauft und verkauft ebenso Bikes, hauptsaechlich Enduros. Er kennt sich also mit dem Markt fuer "Moviles" aus und zeigte sich sehr angagiert und kompetent. Susi startete gleich in Ihrer Konversationsstunde mit ihm los (hinten auf seinem Bike) und besichtigte die ersten Kisten. Ein 4x4 sollte es fuer die Reise schon sein und gut beieinander, damit er die Reise auch uebersteht.
Nachdem wir die Klasse abgesteckt haben, ging es zum lokalen "Playa de Autos" ... dort gab es neben normalen Coches auch die Jeeps. Nachdem uns dort keine gefallen haben vereinbahrten wir gleich fuer naechsten Tag um 9 "a Punto" einen Termin mit Schorsch. Mitzubringen: eine Handy-Guthabenkarte fuer ihn und die aktuelle Tageszeitung "Correo".
Abends noch die Frage: Wie bekommt man "auf die Schnelle" ca. 4.000 Euros in Dollar wenn die Banken von Barauszahlungen nichts wissen wollen. Nunja, wir haben alle Karten gemolken die wir dabei hatten und haben gelernt, dass beim Abheben die deutsche Uhrzeit gilt. Fuer uns also einmal abheben vor 18 Uhr Ortszeit und einmal danach ... alles ist gut gegangen. Wir haben ausreichend Dolares fuer das Auto abgeben koennen. Ob die Limits noch fuer Essen und Unterkunft des restlichen Monats reichen wissen wir noch nicht. :*)
Donnerstag 9:00 Playa de Autos: 4 Jeeps besichtigt, keiner so richtig gut. Folgendes gelernt:
- Reifen sind wichtig ... muessen gut sein, inkl. Reserverad
- Motor ist wichtig
- aktuelle Modelle zum Kauf in Bolivien: anno '98 ... brandaktuell also
- nur gaengige Marken "Commerziales" nehmen, weil es sonst keine Ersatzteile gibt auf der Reise
- Automatik ist hier (auch bei 4x4 Jeeps) mega beliebt
- gebrauchte Autos stehen an jeder Strasse herum mit dem Schild "En Venta"
Nachdem Schorsch (sein Nachname ist uebrigens "Bueno" :-) ) saemtliche Anzeigen durchtelefoniert hatte und wir mittlerweile schon drei Verkaeufer mit dem Taxi angefahren hatten, standen wir vor einem Mitsubishi Pajero ... neuestes Modell anno '98. Guter Zustand "todo functiona". "¡Me gusta!"
Also weiter: Auto zum "Mecanico" , einem Hermano von Schorsch, bringen, der ist mit uns allen (Verkaeufer, Schorsch, Susi und mir) Probegefahren, hat Berge und Taeler erklommen, gebremst, am Lenkrad gewackelt, den 4x4 ausprobiert und das Auto fuer gut befunden.
Trotzdem ... 6.500 Dolares mussten noch zu verbessern sein und wir liessen den Verkaeufer ersteinmal schmoren und suchten weiter. Schorsch hatte ja genug Amigos, die Autos zu verkaufen hatten. Die mussten wir alle ansehen, kann ja sein, dass einer dabei ist. Ausserdem sollte es am Samstag einen tollen, riesigen Markt nur mit Autos geben. Die Preise wuerden zwar gleich sein, aber die Auswahl sei viel besser! Nun ja, nachdem wir an sich schon den richtigen Wagen gefunden hatten, waren wir nicht so sehr begeistert, noch bis Samstag zu warten ... dieser ist ideal, der Preis (wir waren inzwischen nach zwei Telefonaten bei 6.200 $) ok und wir haben eh keine Ahnung wie wir einen "guten" von einem "besseren" unterscheiden sollten.
Also: Das Fazit fuer Donnerstag nach stundenlangen Diskussionen: dieser Mitsubishi musste her. Schorsch liess sich zurueckrufen und wir vereinbarten einen Termin mit dem Verkaeufer fuer 8:30 am Freitag Morgen.
Abends wurden wir noch von drei Mitarbeitern des Instituts (unsere Unterkunft) gefragt, wie es denn mit dem Autokauf laeuft. Die wussten, dass Jorge sich gut auskennt und hatten ihn schon gesagt, dass es sich auf jeden Fall gut um uns kuemmern muss. Alle sind total lieb und um uns bemueht hier.
Freitag 8:00 de la mañana en la Plaza: Es ist arschkalt, noch kein Cafe hat offen, um uns mit "desayuno" zu erwaermen. Schorsch kommt puenktlich und wir sausen los auf der Suche nach einem Anwalt. In der "Abogado- und Notario-Calle" (wie es diese Strassen hier auch fuer Cafes, Modegeschaefte, Maerkte usw. gibt) war leider noch nichts offen ... nachdem wir drei mal auf und ab gelaufen sind, haben wir den Verkaeufer getroffen und er wusste einen Anwalt, der schon wach war. Nach 10 Minuten waren die Kaufvertraege unterschrieben: Zwei mit geschummelten Betraegen fuer die Steuer und ein Richtiger fuer mich. Danach ging es zum Notar (nein, man braucht hier keine Termine). Unterlagen vorlegen, in 3-facher Ausfertigung. Achja ... Notare wie Anwaelte sitzen hier in kleinen Bueroraeumen mit offener Tuer zur Strasse. Fuer Kopien joggt man schnell zum nebenanliegenden Copyshop, wenn der Notar telefonieren muss geht es zum naechsten "Point Entel" und der Client, der brav hinterher getrabt ist, zahlt die Telefonrechnung (1,5 Bolivianos = 15 Cent). Ob der Notar eine eigene Toilette besitzt, haben wir nicht herausgefunden. :-)
Nach dem Notario haben wir noch schnell den Verkaeufer zuhause abgeliefert (jetzt mit dem eigenen Auto) und an einer Tankstelle fuer 130 Bolivianos (plus 25 Bol fuer Octan-Flaeschchen) vollgetankt.
Dann ging es weiter zum "Rathaus fuer Autos" zur Anmeldung. Nachdem uns Nelson, ein Freund von Schorsch (er kennt hier alle und jeden) bei einer zickigen Beamtin "kommen sie heute Nachmittag um 14:30 wieder" weitergeholfen hat und wir den noetigen Wisch doch schon innerhalb von 2 Minuten in den Haenden hatten, waren wir 900 Bolivianos (Steuer) aermer.
Das Bier fuer den Freund spendiert Schorsch :-)
Die Polizei haben wir leider exakt um 1 Minute verpasst (11:31 Uhr), so dass wir erst um 16 Uhr erfahren haben, dass uns noch zwei Fotos von mir mit rotem Hintergrund fehlen. Nachdem uns der Notario mit unseren Unterlagen leider auch versetzt hatte ("es war zu viel zu tun") mussten wir leider den Plan mit der Abreise am Samstag begraben und bleiben nun doch noch bis ca. Dienstag hier. Bis dahin sollte alles fertig sein und wir sind dann stolze Besiter eines neuen, angemeldeten Autos.
Achja ... die Versicherung. Die haben wir noch schnell am Freitag Abend gemacht. 80 Bolivianos fuer die hiesige "SOAT" fuer ein Jahr.
Heute (Samstag) haben wir noch schnell die fertigen Unterlagen vom Notar geholt (168 Bolivianos fuer den ganzen Vorgang = 17 Euros) und die Fotos ... ungewohnt mit ohne Haare :-)
Fuer morgen ist eine kleine Tour "en el Campo" mit Schorsch's Familie angesagt (Gabi ist 9 Jahre alt und Fabi 11). Die Gelegenheit fuer uns ist klasse weil wir die "Geheimtipps" gezeigt bekommen und fuer ihn ist es toll weil er sonst mit seiner Family niemals gemeinsam weg kommt- er hat kein Auto. BBQ mit bolivianischer Familie ... das haetten wir uns nicht besser wuenschen koennen.
Am Montag werden wir noch die restlichen Unterlagen vom Amt und der Policia holen und dann gehts weiter...
Achja, wir haben uns fast tot gelacht, als eine Minute nachdem wir in unserer neues Auto eingestiegen waren, jemand an's Fenster geklopft hatte: "¿Quanto cuesta el coche?" (Wieviel kostet der Wagen?) ... unsere groesste Sorge war - und ist - naemlich noch der Verkauf des Autos. Anscheinend besteht aber durchaus Interesse ...
Gelernt: In Bolivien gibt es zwar Oelquellen ohne Ende, aber kein Superbenzin. "It is better for the Motor to fill in this Bottle after the Gasolino." Inhalt der Bottle: "Extra-Octan" statt Superbenzin.
Dienstag, 10. Juni 2008
Interessante Fakten aus Bolivia
So gibt es hier ein paar Fakten ueber Sucre:
Sucre ist die Quasi-Hauptstadt von Bolivien, das heisst dass es frueher die Hauptstadt war, heute befindet sich hier nur noch der oberste Gerichtshof, waehrend sich die Legislative und Executive in La Paz befinden. Somit ist La Paz im Moment die wirkliche Hauptstadt, auch wenn die Menschen hier Sucre immer noch als Hauptstadt sehen und sie als solche haben wollen. Wegen dieses Themas gibt es hier immer wieder Aufstaende der Bevoelkerung, wie erst im letzten November, wobei hier auch 3 Menschen ums Leben kamen. Am 25. Mai (dem Tag der bolivianischen Revolution) hat es hier wieder einen Aufstand der Studenten hier gegeben, bei dem sogar die Polizei hier aus der Stadt vertrieben wurde. Polizeiposten wurden angezuendet, so dass sich die Polizei erst langsam in den letzten Tagen wieder in der Stadt verteilt hat. Wir haben von dem Ganzen wenig mitbekommen, da wir ja erst am 31.5. hier ankamen.
Die Stadt ist bekannt fuer folgendes:
- ihre sehr leckere Schokolade (sehr zu Flo`s Segen)
- ihre Univsersitaeten (viele Studenten)
- es gibt Alkoholismus, Drogen und Prostitution
- Ueberfaelle nachts
- Schwangerschaften bei Minderjaehrigen, da es keine sexuelle Aufklaerung gibt
- in der Folge (missglueckte) Abtreibungen
Was Alkoholismus, Drogen, Prostutution und Ueberfaelle betrifft, haben wir bisher gar nichts mitbekommen, da wir uns immer im Stadtkern bewegen. Gefaehrliche Gebiete befinden sich eher in anderen Stadtteilen. Dagegen sehen wir viele junge Maedchen, die schon Kinder haben oder bekommen. Menschen, die betteln gibt es ebenso zu Hauf. Kinder, die arbeiten, vor allem als Schuhputzer begegnen uns taeglich.
Damit man mal einen Ueberblick bekommt, was hier das Leben so kostet (11 BS sind ca. 1 EUR):
Abtreibung: 500 BS
Besuch bei einer Prostituierten: 20-100 BS fuer 30 Min
Arztkonsulation: 20 BS
Kariesbehandlung beim Zahnarzt: 80 BS
Kindermaedchen: 200 BS im Monat
Hausangestellte fuer 24h rund um die Uhr 7 Tage die Woche: 400 BS
Gehalt eines Lehrers oder Minenarbeiters im Monat: 1500-2000 BS
Gehalt eines Arbeiters im Monat: 800 BS
3 Zimmerwohnung zur Miete: 500 BS im Monat
Haus mit 3 Zimmern mit Garten zum Kauf: 15.000 EUR
Essen im Restaurant: 15-40 BS
2l Wasser: 4 BS
In Bolivien herrscht Schulpflicht, doch im Gegensatz zu Deutschland ueberprueft das hier keiner. Die Kinder gehen in 3 Schichten in die Schule. Von 8-12 Uhr, von 14-18 Uhr und von 18-22 Uhr. Jedes Kind kann sich aussuchen, wann es gehen moechte. Es gibt hier nur einen Schultyp, der 12 Jahre lang geht. Danach haben die Jugendlichen die Chance, auf die Universitaet oder technische Schulen zu gehen oder einen Beruf in einem Betrieb zu erlernen. Leider gibt es keine Berufschule wie bei uns und auch die Qualitaet der Schulen hier ist mangelhaft, da die Regierung keinen grossen Fokus auf die Bildung legt. In der Praxis gehen viele Kinder schon ab 10 Jahren nicht mehr in die Schule und muessen arbeiten gehen, um Geld zu verdienen.
Sozialversicherungen gibt es hier, doch auch diese sind mangelhaft. Alle Mitarbeiter der Regierung haben eine Versicherung, fuer alle anderen Angestellten sind die Chefs fuer die Versicherung zustaendig, doch diese sichert in fast allen Faellen nur eine Minimalversorgung bei schlechtbezahlten und unwissenden Aerzten ab. Will man eine angemessene Behandlung, muss man diese aus eigener Tasche bezahlen. Bauern auf dem Land haben ebenso Anspruch auf eine Minimalversorgung, die diese aber in der Praxis selten wahrnehmen, weil Aerzte meist weit entfernt sind.
Der derzeitige Praesident Evo Morales ist der erste indigene Praesident von Bolivien. Er ist ein ehemaliger Bauer und daher Anfuehrer der sozialistischen Partei. Er selbst ist angeblich trotz der grossen Korruption im Land nicht korrupt, dagegen sein Mitarbeiterstab. Allerdings halten viele Menschen in Bolivien wenig von ihm, obwohl er mit grosser Mehrheit gewaelt wurde, weil er viele Versprechen macht, dennoch wenig davon einhaelt. Er benutzt die Masse der Bauern, die hinter ihm stehen, um seine Macht auszuueben und setzt sie fuer die Durchsetzung seiner Ziele ein.
Derzeit gibt es im Land mehrere "Brandherde". Zum einen gab es am Freitag Proteste der Lehrer, so dass alle Schulen ausgefallen sind, weil die Lehrer in Zukunft 10 Jahre (!!) laenger arbeiten sollen (Frauen bis 60 statt 50 und Maenner bis 65 statt 55). Man muss bedenken dass die Menschen hier nicht so lange leben wie bei uns.
Ein weiteres Problem gerade sind die Transporteure (Busse). Die Regierung will eine Transportsteuer einfuehren, gegen die sich die privaten Busgesellschaften mit Streiks und Strassenblokaden wehren. So war hier die ganze letzte Woche Streik, kein Bus konnte fahren, auch kein Auto wegen der Blockaden. In den Laeden ging das Fleisch aus und Tankstellen konnten kein Benzin mehr abgeben da der Nachschub fehlte. Das heisst auch, dass niemand, ausser per Flugzeug bis Freitag die Stadt verlassen konnte. Da die Streiks meist nur unter der Woche sind, kann man am Wochenende ungehindert fahren. Wir wollen nun am Mittwoch nach Cochabamba weiterfahren und haben auch schon unser Ticket gekauft, nun sind wir gespannt, ob der Bus faehrt oder nicht.
Des weiteren gibt es Geruechte um den Fortbestand der Regierung, vor allem La Paz ist derzeit (oder besser gesagt immer) in gewissen Stadtvierteln nicht sicher. Solche Ausschreitungen beschraenken sich in der Regel immer lokal, so dass es in einem Teil der Stadt sicher, in einem anderen unsicher ist. Zudem finden derzeit Wahlen in den verschiedenen Regierungsbezirken statt. So wird dort der Oberste (Goberador) gewaehlt (wie Stoiber fuer Bayern). Hier in Sucre gibt es dafuer in der Regel 8-10 Kandidaten, diesmal gibt es nur 3, wobei einer davon irrelevant ist. Der erste ist ganz linksgerichtet, kommt aus der Regierung, die viele nicht moegen. Die zweite Kandidatin ist eine Frau, die ebenso vom Land kommt, sehr rechtsgerichtet ist und kaum spanisch spricht, sondern nur die einheimische Sprache - Quechua. Die Menschen sehen beide Kandidaten als nicht geeignet an, doch da Wahlpflicht herrscht, wird wohl einer der beiden gewaehlt werden. In den anderen Regionen z. B. Beni oder Santa Cruz gibt es den Wunsch, die Region unabhaengig vom Rest des Landes zu sehen. Dies trifft in erster Linie fuer die reicheren Regionen zu, die vor allem Erdoel oder Gas haben.
Was die politischen Beziehungen angeht, hat Bolivien gute Beziehungen zu Kuba, Venezuela, Ecuador, zum Teil zu Argentinien und Brasilien. Paraguay ist Erzfeind, da sie Bolivien den westlichen Teil in einem Krieg abgenommen haben, Chile wegen dem Abschneiden des Zugangs zum Meer. Die Argentinier, Brasilianer und Chilenen sind bei den Menschen hier sehr unbeliebt, da sie nicht "indigenen" Ursprungs sind, sondern mehrheitlich europaeische Wurzeln haben und in den Augen der Bolivianos arogant sind.
Das ist ein kleiner Eindruck von Bolivien/Sucre, den wir bisher gewonnen haben. Unternommen haben wir hier bisher neben dem Unterricht nicht viel, da zuerst Flo und dann ich den Magen verstimmt hatten. Man kann mit dem Essen aufpassen wie man will, irgendwie schafft man es immer, etwas Falsches zu erwischen. Am Samstag war eine Parade der Universitaet mit vielen Taenzern in der Stadt, die wir nachmittags angeschaut haben. Abends waren wir bei einer Tanzvorfuerhrung mit traditionellen Taenzen, die uns wirklich begeistert haben! Die Taenzer hatten wunderschoene bunte Kostueme und Masken und haben 2 Std. so getanzt, dass man schon beim Zusehen ausser Atem kam. Am Ende haben die Taenzer 3 Minuten einige Zuschauer mit auf die Buehne zum Tanzen geholt, unter anderem mich und ich muss sagen, ich war nach den wenigen Minuten wirklich platt. Die Taenzer dagegen haben zwei Stunden gewirbelt, dass es uns echt ein Raetsel ist, wie man so etwas durchhalten kann. Heute sind wir zum Dinosaurier Park in der Naehe von Sucre gefahren. Hier wurde vor 10 Jahren von einem Zementwerk die groesste zusammenhaengende Flaeche mit Fussspuren von Dinosauriern gefunden. Durch die Plattentektonik hat sich der hier ehemals liegende See, in dem die Spuren in Schlamm konserviert sind, vertikal verschoben, als die Anden entstanden. Die Spuren sind von den verschiedensten Sauriern und waren wirklich sehr imposant. Fotos folgen ...
Dienstag, 3. Juni 2008
Clase de Español en Sucre
Sucre liegt auf mehreren Huegeln inmitten der Berge auf 2790m und ist eine wundervolle Stadt. Wir haben uns in der ersten Stunde schon in die Stadt verliebt, hier kann man es sehr gut aushalten. Sucre ist die alte Regierungshauptstadt und hat jede Menge wunderschoene koloniale Gebaeude. Das Klima ist wesentlich angenehmer, am Tag ist es richtig heiss (TShirt) und nachts ertraeglich kalt. Unser Ziel hier war das Instituto Cultural Boliviano-Aleman mitten in der Stadt. Dieses Institut hatte einen guten Ruf bezueglich Spanischkursen und daher hatten wir noch aus Potosi hier angerufen, so dass wir schon erwartet wurden. Ybeth, die perfekt deutschsprechende Sekretaerin hat uns in Empfang genommen und uns angeboten, in eines der Zimmer im Institut zu ziehen. Das Anwesen war und ist ein Traum, wir koennen es immer noch nicht glauben. 10 Zimmer, Kulturraeume, das deutsche Konsulat und das Kulturcafe Berlin gehoerten neben 3 Innenhoefen und einem Garten dazu. Hier sind wir im Paradies angekommen. Nachdem die Zimmer wunderschoen und sehr erschwinglich sind, sind wir ins Zimmer CHRISTA eingezogen und haben eine eigene Dachterasse mit Haengematte nur fuer uns, da wir derzeit die einzigen Uebernachtungsgaeste sind. Zum Fruehstueck gibt es sogar Semmeln, die mit den deutschen vergleichbar sind. Alle kennen uns mittlerweile hier und sind unheimlich nett.
Am Samstag Abend haben wir noch ein Roesti und Kaesefondue beim Schweitzer mit Peña (einheimischer Volksmusikabend) genossen, waehrend wir am Sonntag ein wenig die wundervolle Stadt angesehen haben und die Sonne samt Ruhe im Garten genossen haben. Am Montag um 9 Uhr ging es los mit Spanisch. Flo und ich haben je 2 Privatlehrer (5€ pro Std!!!), da derzeit keine Kurse unter Tags stattfinden. Roxana und Eva sind fuer Grammatik zustaendig (1,5h) und Jorge fuer Konversation (1,5h). Danach gibts noch Hausaufgaben (im Garten oder der Haengematte), daher sind wir wirklich gut beschaeftigt. Die Lehrer sind alle sehr professionell und der Unterricht ist um Welten besser als in Buenos Aires. Vor allem die Konversation bringt unheimlich viel und so koennen wir gleich alles anwenden, was wir in der Grammatik gelernt haben. Was hier das Beste ist: es ist 100% ruhig hier, ein Traum inmitten toller Landschaft. Wir sind absolut begeistert und hier bleiben wir erst mal... vermutlich bis Mitte oder Ende naechster Woche, mal sehen, wie es uns gefaellt. Gestern waren wir in einem hollaendischen Cafe (Joy Ride), in dem es Abends immer Filme gibt. Wir haben "Imagining Argentina" mit Antonio Banderas und Emma Thompson angesehen (ein Film ueber die Diktatur in Argentinien 1976-1983), der echt geschockt hat. Der Film war in englisch mit spanischem Untertitel, was ich zum Lernen am Besten finde.
Die Woche werden wir Mittwoch, Donnerstag und Freitag Abend noch einen Tanzkurs mitmachen, denn auch der wird hier angeboten. Wir fuehlen uns hier in der Stadt sehr sicher, zumal ein Polizeiposten direkt gegenueber unserem Haus ist.
Heute gab es auf dem Land Streik, so dass keine Busse fuhren und bald sind auch wieder Wahlen, doch unser Lehrer Jorge meint, dass das alles harmlos waere und das sehen wir aehnlich. Nun verziehen wir uns wieder in unser Paradies und melden und geniessen....