Samstag, 24. Mai 2008

San Pedro (Chile) nach Uyuni (Bolivien): 2.+3. Tag

Nach der sehr kalten Nacht und einem sehr kalten Fruestueck haben wir um 8.30Uhr wieder den Jeep mit den Rucksaecken beladen und sind weitergefahren. Unsere erste Station an diesem Tag war der "Arbol de Piedra". Das ist ein Stein, der die Form eines Baumes hat und der sich durch Lava eines Vulkans im Laufe der Jahre geformt hat. An der gleichen Stelle gab es noch ganz viele andere tolle Felsformationen, an denen man sich kaum sattsehen konnte.
Weiter ging der Tripp ueber Stock und Stein mitten durchs Nichts (aktive und inaktive Vulkane bis 6000 m Hoehe gabs zuhauf) zu den Lagunen Honda, Chiar Khota, Henionda und Cañapa. Die Lagunen hatten alle tolle Farben und Formen und waren zum groessten Teil zugefroren. Hier haben wir auch die ersten freilebenden Flamingos gesehen, die sich in riesigen Gruppen bewegen. Das witzige ist, dass sich die Voegel ueber Nacht mit den Fuessen ins Eis einfrieren lassen und erst wieder am naechsten Tag durch die Sonne auftauen. Um Krill und anderes Kleintier zu fangen, stellen sich alle Voegel in eine grosse Gruppe mit ca. 100 Tieren zusammen und sie laufen ganz nah aneinander hin und her um die Beute in die Mitte zu treiben.Wir haben drei verschiedene Arten von Flamingos gesehen, den chilenischen, den andinen und den James Flamingo. An der Lagune Henionda hatte einer der Jeeps seinen zweiten platten Reifen, doch der war mit Hilfe der anderen Fahrer in 5 Minuten gewechselt, Ersatzreifen hatte jeder dabei. Nach dem Mittagessen in einem kleinen Andendorf, bei dem es wieder mal Gemuesesuppe und Reis mit Pollo gab und wo auch die kaputten Schlaeuche der Reifen repariert wurden (Gott sei Dank, denn spaeter gabs noch mal einen Platten), hatten wir eine ca. 4 stuendige Fahrt vor uns, bevor wir zu dem groessten Salzsee der Welt kommen sollten. Die Fahrt haben die anderen meist verschlafen, ich dagegen war ununterbrochen fasziniert von der unendlichen Weite dieser Landschaft. Wenn man sich fragt, wie sich wohl Freiheit anfuehlt, dann kann ich nur sagen, dort muss sie geboren sein ... Man trift zum Teil eine Stunde kein anderes Auto, man sieht kaum ein Haus, es gibt hier einfach nichts ausser die wunderschoene Natur mit viel Sand, Staub, Vulkanen, kleinen Salzseen, Steien und absoluter Ruhe. Ein unbeschreibliches Gefuehl, dass wir wohl so schnell nicht vergessen werden. Auf dem Weg haben wir uns durch einen tiefen Riss in der Erde mit dem Auto gequaelt, durch den wir kaum passten und dort haben wir Anden-Hasen gesehen. Sie haben die gleiche braune Farbe wie die Steine und koennen unheimlich weit springen. Ganz putzige Tierchen mit megalangen Ohren. Kaum zu glauben, wie die in dem Stein ohne Pflanzen leben koennen. Weitere 2 Stunden spaeter hatten wir den groessten Salzsee der Welt erreicht, den Salar de Uyuni (auf 3.656m, 12.000 qkm). Der See besteht zu dieser Jahreszeit nur aus einem kleinen Teil Wasser, der Rest ist pures weisses Salz und daher wird dieser auch Salzwueste genannt. Wir sind zuerst ca. 20 Minuten auf einem ganz schmalen Weg auf den See gefahren, bis der Weg mit einem Salztor abschloss und damit nicht mehr weiterging. Da es mittlerweile ca. 18 Uhr war, haben wir uns mit unserem und den anderen 3 Jeeps ans Ende der Strasse mitten rein gestellt und haben einen traumhaften Sonnenuntergang erlebt. Was wir bereits bei den Seen und Lagunen gesehen hatten war auch hier so: eine atemberaubend klare Spiegelung der umliegenden Berge in dem Wasser. Wir sassen an ein 10 m hohen Tor gelehnt das komplett aus Salz gebaut ist und liessen flache Salzsteine uebers Wasser huepfen. Wenn man auf dem Salz-Weg gelaufen ist, knirschte es unter den Fuessen wie Eiskristalle, doch war es Salz. Nachdem die Sonne untergegangen war, haben wir uns wieder in die Jeeps gesetzt und wir haben uns noch gefragt, wie wir auf den 3m breiten Weg mit 3 Autos hinter uns wohl umdrehen wollten. Doch die Frage war ueberfluessig. Unser Fahrer Markus gab einfach Gas und fuhr mitten auf das Wasser und quer durch den See. Die ersten 20 Minuten fuhren wir durch ca. 40 cm hohes Wasser, das unser Auto ganz schoen eingesalzt hat, anschliessend war der See zu Ende und wir fuhren auf dem puren Salz weiter. Nach weiteren 15 Minuten erreichten wir in der Dunkelheit unser zweites Uebernachtungsquartier, direkt am Ufer des Sees. Dieses war im Vergleich zum ersten Refugio nahezu Luxus, denn man kam sogar mit 5 Decken in der Nacht klar und wir hatten immerhin fuer unser 6er Zimmer ein Bad mit Dusche, die sogar 30 Minuten heisses Wasser hatte (von 19:10 bis 19:40 Uhr). Nach einem weiteren Abendessen mit Gemuesesuppe und anschliessendem Pollo mit Reis gab es noch eine Uno-Runde und dann wollten wir nur noch schlafen.

Am naechsten Morgen sind wir diesmal zeitig um 7 Uhr aufgestanden, so dass wir gegen 8.30 Uhr starten konnten. Die Sonne war aufgegangen und es wurde richtig heiss im Auto. Wir sind durch die unendlichen Weiten dieses Salzsees weitergefahren, einfach einmal quer drueber und er schien in keiner Richtung, wohin man auch blickte ein Ende zu haben. Nach ca. 20 Minuten haben wir den ersten Stopp auf dem See eingelegt und zwar an einer Stelle, an der Salzbloecke aus dem See geschnitten werden, die als Baumaterial verwendet werden. Hier gibt es reihenweise Haeuser, die aus Salz gebaut sind. Wir haben alle moeglichen und unmoeglichen Photos mit den Bloecken und dem weiten weissen Untergrund gemacht, unglaublich, was man hier machen kann. Alle Bilder, die wir gemacht haben, sind echt, keine Fotomontage, auch wenn manche eine solche vermuten lassen. Nachdem wir alle genug Bilder hatten sind wir weitergeduest in Richtung Nichts, nach 25 Minuten sollten wir die Insel "Incahuasi" erreichen. Es ist gigantisch, als ob man mitten ueber ein Meer faehrt ... aber halt mit einem Auto. Ca. 2 km vor der Insel hat unser Jeep ploetzlich den Geist aufgegeben, Benzin leer. Na Bravo, haette das nicht noch bis zur Insel reichen koennen. Allerdings war das kein Problem, denn schnell klaerte sich, was in den Tonnen auf unserem Jeepdach war. Benzin. Markus holte einen Schlauch aus dem Auto und schon konnte das Betanken losgehen. Nach 5 Minuten war der Tank wieder voll, der Schlauch verstaut und wir erreichten die Insel. Der Name der Insel bedeutet "Haus des Inca" und ist die bekannteste Insel im Salar de Uyuni. Sie ist von vielen bis ca. 20 m hohen Säulenkakteen bewachsen (teilweise mehr als 1200 Jahre alt) und liegt etwa 80 km von Uyuni entfernt. Wir haben dort eine Stunde die Kakteen und die Aussicht bestaunt und sind dann zu unserer vorletzten Etappe des Trips aufgebrochen, dem "Hotel de Sal". Mitten im See liegt ein Hotel, das nur aus Salz gemacht ist, selbst Tische und Betten sind aus Salz. Dort gibt es ein kleines Museum mit allen moeglichen Gegenstaenden aus Salz und wir haben natuerlich ein kleines Salzlama erstanden. Dieses Hotel ist ein wenig in Verruf geraten, die Umwelt sehr zu verschmutzen und daher wird davon abgeraten, dort die Toiletten zu besuchen oder Muell dort zu lassen. Unser letzter Stop war in dem Salzort Colchani, der vor allem fuer den Salzabbau bekannt ist. Der Salzreichtum des Salar de Uyuni wird auf ungefähr 10 Milliarden Tonnen geschätzt. Jährlich werden davon etwa 25.000 Tonnen abgebaut und von Colchani aus abtransportiert. Dort konnten wir die sehr altertuemlichen Salzmuehlen und bereits abgebauten Salzberge sehen. Von dem Salz werden lediglich 5% fuer den Konsum verwendet, der Rest wird zur Haltbarmachung von Lebensmitteln benutzt.
Unser Fahrer Markus hat uns noch einige interessante Dinge ueber den Salzsee berichtet:
Während der Regenzeit kann die Salzkruste lokal mit mehreren Centimetern Wasser bedeckt sein; etwa von Ende Juni bis zum Beginn der Regenzeit Anfang Dezember ist der Salar trocken. Mit Ausnahme der schlammigen Uferzonen und einzelner Wasseraugen (ojos) kann dann die bis zu 30 m mächtige Salzkruste selbst von Bussen und LKWs befahren werden. Kaum zu glauben, aber wahr.
Anschliessend sind wir gegen 13.30 Uhr in Uyuni angekommen, des Friedhof der Eisenbahnen wollte dann irgendwie keiner mehr sehen, denn alle waren gluecklich und zufrieden, so viel gesehen und erlebt zu haben, aber auch wieder "allein" zu sein.

Freitag, 23. Mai 2008

San Pedro (Chile) nach Uyuni (Bolivien): 1.Tag

An diesem Tag ging es mit der Tour nach Bolivien los ... die Organisation "Colque" holte uns relativ puenktlich im Hostel ab und wir fuhren nach einer herzlichen Verabschiedung von unseren "Herbergseltern" mit weiteren 14 Turis zur chilenischen und bolivianischen Grenze.

Fuer unsere "Google Earth Verfolger" mal die ganze Strecke auf einen Blick:
  • Start in San Pedro de Atacama, Chile
  • Grenzuebergang nach Bolivien (eine Huette mitten in der Wueste)
  • Laguna Blanca
  • Laguna Verde
  • Piedras de Dalí
  • Pampa Jara
  • Laguna Colorado
  • 1. Uebernachtung im Refugio
  • Arbol de Piedra
  • Laguna Honda
  • Laguna Cañapa
  • Salar de Uyuni
  • Isla del Pescado
  • Hotel de Sal
  • Uyuni
Es ist die "standard" Tour die man auf jeden Fall in Bolivien machen muss und dementsprechend viele Leute sind auch unterwegs.

Die Grenze
Der Grenzuebertritt verlief ziemlich unspektakulaer da weder Rucksaecke noch Handgepaeck kontrolliert wurden. Wir bezahlten unsere ersten 15 Bolivianos (ca. 1,50 Euro) und wurden "eingelassen" ... alles sehr freundlich. Zum Glueck wurden wir bei der Aufteilung der Passagiere auf die Jeeps nicht mit Amis zusammengesetzt. Diese duerfen bei der Einreise nach Bolivien naemlich 150 Dollar berappen ... und so wie wir das mit bekommen haben hatten die wenigsten von ihnen so viel Bargeld dabei. Damit waren sie erstmal dazu verdammt Geld per Kreditkarte zu besorgen was die Abreise natuerlich fuer den kompletten Jeep verzoegert hat.

Die Truppe und das Auto
Zwei (kleine) Italienerinnen, beide sehr still und mit wenig Englischkentnissen, zwei Englaenderinnen (jung und teilweise aufgedreht) und wir. Der Jeep war im guten Zustand, die Sitze bequem, die Fenster sauber und genug Platz fuer unser Handgepaeck.
Nachdem alle Rucksaecke in einer Plane auf dem Dach verstaut waren ging es los.
Markus war der Name unserer Fahrers, Reisefuehrers, DJs und Mechanikers. Er sprach, wenn er mal sprach, natuerlich nur spanisch. Gefahren ist er super ... dank Kokablaettern immer wachsam und konzentriert.

Die Strasse
Der Weg auf dem wir losgefahren sind und der sich im Prinzip auch wahrend der drei Tage nicht gross geaendert hat besteht aus Piste mit Steinen und Loechern. Oft zweigen weitere Fahrspuren ab die unser Markus anscheinend nach gut duenken nahm.

Laguna Blanca
Nachdem wir die wunderschoenen Farben der Berge und den Vulkan Licancabur aus der ferne sehen durften kamen wir zur ersten Attraktion.
Ein wunderschoener See auf einer Hoehe von 4.300 Metern und komplett weiss (wie der Name schon sagt) vom Salz. Das Wasser ist hier vollstaendig gesaettigt mit Salz und deshalb friert es erst bei einer Temperatur von -21 Grad Celsius. Eine duenne Eisschicht spiegelte den nahen Vulkan Llicancabur und die Stimmung war atemberaubend (neben der Kaelte natuerlich). An dieser Lagune steht eine kleine Huette, extra fuer Turis und hier gab es Fruehstueck: heisses Wasser fuer Nescafe, Milchpulver und Zucker sowie Brot und Marmelade.

Laguna Verde
Nach ca. 45 Minuten fuhren wir ueber einen Huegel und da lag sie vor uns: eine gruene Lagune.
Kupfer-Oxyd hat das Wasser gruen gefaerbt und neben dem roten Wuestensand und den Felsen sah sie gigantisch toll aus. Der Anblick von bunten Bergen und unerwartetem -buntem - Wasser auf dieser Hoehe haut einen fast um. Auf dem Weg zur naechsten Station haben wir wieder Vicuña Herden gesehen. Diese wilden Tiere leben in Gruppen von ca. 8-12 Tieren und sind nicht domestiziert.

Piedras de Dalí
Wenn einer glaubt dass Salvador Dalí eine komische Phantasie hatte der hat diese Bergformationen noch nicht gesehen. Hier liegen die Felsen direkt im Wuestensand auf einem Huegel und man sagt dass Dalí sich hier fuer sein Kunstwerk inspirieren hat lassen.
Weiter ging es ueber Sandwegen und auch direkt ueber den Acker und durch die Pampa Jara zu unserem ersten Uebernachtungsdomizil.

Laguna Colorado und das Refugio
Diese Lagune ist komplett rot und von Salz-Strand umgeben. Die Farbe kommt von Mineralien und vom Eisenoxyd. Auf dem See gibt es Inseln die wie Eisberge aussehen: weiss (aus Salz) und kantig. Unglaublich aber langsam glauben wir kann uns nichts mehr ueberraschen.
Nunja ... das Refugio hatte und doch ueberrascht. "Very Basic" war die Bezeichnung und das hat es auch verdient. Und KALT muss man dazu schreiben ... kalte Betten, kalte Raeume, kalte Stuehle und kalte Luft ueberall. Nachdem wir die drei Decken gesichtet hatten die uns zugeteilt worden waren sind wir beinahe schon in Gedanken erfrohren. Susi hat kurzentschlossen nach Denken oder Schlafsaecken gefahndet und wir konnten tatsaechlich zwei Stueck gegen Gebuehr leihen (nunja, 2 Euro pro Stueck haben uns nicht umgebracht). Nachdem wir der Sache immer noch nicht getraut haben war der Beschluss schnell gefasst. Wir schlafen gemeinsam in einem Bett und haben somit doppelt so viele Decken und Schlafsaecke zur Verfuerung. Dass die breite Matraze auf einem viel schmaeleren Betonsockel lag haben wir erst gemerkt als wir im Bett gelegen sind. Wie Ihr erraten koennt hat uns die Kaelte nicht umgebracht ... gefaehrlicher war da schon eher das Gewicht von 6 Decken und zwei Schlafsaecken was auf uns lastete *grins*. Mir (Flo) war es natuerlich schon nach 20 Minuten zu warm und ich hab alle Klamotten von mir geworfen. Susi lag unbeweglich (wer kann sich schliesslich mit 6 (in Worten sechs) Schichten an den Beinen und 8 (acht) Schichten am Oberkoerper noch bewegen?). Zum Glueck mussten wir nicht auf die Toilette in dieser Nacht ... wir haben es uns tunlichst verkniffen Eiswuerfel zu pinkeln.
So haben wir die Nacht also ohne Erfrierungen ueberstanden ... allerdings hatten wir blaue Flecken von den Druckstellen der Decken auf unseren Hueften. :-)
Achso: Als wir beinahe verschlafen hatten (unser Fahrer hatte uns keine Zeit angesagt) und das Fruehstueck aus - natuerlich kalten - Broten und etwas heissem Tee bestand ging es weiter. Achja, zum Abendessen gab es lauwarme Gemuesesuppe und Nudeln mit Tomatensosse. Super lecker wenn man durchgefroren und hungrig ist.

Puh ... auf 4278 m Hoehe ist es sooo anstrengend zu wandern, zu atmen oder auch nur Uno zu spielen ...

Donnerstag, 22. Mai 2008

Geysire von El Tatio

Nach unserem letzten Blog sind wir also tatsaechlich am Donnerstag Morgen (22.5.) um 4 Uhr zu den ca. 38 Geysiren von El Tatio (ein Vulkan, wobei die Geysire in einem seiner Krater sind) aufgebrochen. Dort haben wir auch endlich den Vulkan Licancabur mit 5800m ganz aus der Naehe gesehen. Insgesamt hatten wir 2 Std. Anfahrt in einem 25 Mann Bus ueber Stock und Stein durch absolut unwegsames Gelaende. Kaum zu glauben, wie da ein Bus fahren kann. Wir sind so frueh los, weil die Geysire in den Morgenstunden die meiste Aktivitaet zeigen und man den Dampf am besten sehen kann. Dort angekommen spuckten die Geysire im 2 bis 5 Minuten Takt kochendes Wasser 5 bis 15 m in die Luft. Man hatte echt zu tun, dem Ganzen nicht zu nahe zu kommen, da das heisse Wasser nicht ungefaehrlich ist. Die Erde fauchte und koechelte an ganz vielen Stellen und zeigte sich in allen erdenklichen Farben.
Es gab auch Loecher, die unterschiedlich tief waren, sog. "fumarolas" aus denen nur Gase stroemten und die zischten, wie eine Eisenbahn. Ein atemberaubendes Schauspiel, vor allem beim Sonnenaufgang. Allerdings war das Ganze auf 4600 m und dementsprechend hatten wir ganz schoen mit der Hoehe zu tun und vor allem mit der Kaelte von Minus 15 Grad. Wir hatten echt viel an, aber es schien noch zu wenig zu sein, daher war klar, fuer Bolivien muessen noch mehr warme Klamotten her. Nach einem Fruehstueck an Ort und Stelle waren wir gestaerkt und sind weitergefahren zu unserer zweiten Station, den Thermalquellen. Dort gab es unter- und ueberirdische heisse Quellen, von denen eine ein Becken mit ca. 40 Grad heissem, schwefelhaltigem Wasser speisste. Dort hatte man die Gelegenheit zu baden. Wir haben uns dagegen entschieden, denn wir waren auch so schon genug durchgefroren, als dass wir uns noch ausziehen wollten. Wir haben uns damit begnuegt, die Erdloecher zu begutachten, in denen dunkelgraues oder glasklares Wasser koechelte und haben dort eine kleine Wanderung gemacht. Die gelbe, rote, gruene und weisse Erde dort war wirklich wunderschoen, da sie durch unterschiedliche Metalle eingefaerbt war.
Danach haben wir uns auf den Rueckweg gemacht und dann erst gesehen, wie wild die Streckezu den Gysiren tatsaechlich ist. Das hatten wir bei der Hinfahrt im Dunkeln gar nicht bemerkt. Da ist uns echt manchmal himmelangst geworden, wenn man den Abhang neben dem Bus ohne Leitplanke sah. Teilweise war der steinige Weg, wir nennen ihn "Acker", so holprig, dass der Busfahrer einfach daneben in der Wildnis gefahren ist. Wir haben dann noch an einem See gehalten, der aufgrund der Kaelte zugefroren war und an dem wir Andengaense brueten gesehen haben.
Der letzte Stopp war in einem kleinen Andendorf, in dem es leckere gegrillte Lamaspiesse und Empanadas gab. Am Wegesrand haben wir wieder mal unzaehlige Vicunas gesehen, eine wilde Lamaform, die ein wenig an Rehe erinnert und die erst ab einer Hoehe von 3800 m vorkommen. Wie die Tiere in diesem unwegsamen Gelaende leben koennen, so kaum etwas waechst und kaum Wasser ist, ist uns immer noch schleierhaft.

Wieder in San Pedro angekommen haben wir noch Strickjacken und Socken gekauft und damit waren wir unserer Meinung nach fuer Bolivien geruestet. Ich bin dann nachmittags noch mit dem Hausherren zur Carneceria (Metzgerei) gefahren und habe jede Menge Chorizos (Paprikawurst) und Lomo (Rindfleisch) geholt, die wir abends nochmal mit den Deutschen grillen wollten, denn die ersten Steaks waren hervorragend. Was allerdings echt nicht einfach war, war den Grill in Gang zu kriegen und da Flo schnell aufgab, weil er sich eh nicht wohl fuehlte, hab ich das gemacht und hinbekommen. Selbst ist die Frau:) Wenn auch nur mit Hilfe des Hausherren, einem echten Gaucho, der mir einen genialen Trick verraten hat... aber der ist natuerlich geheim... Nach einem tollen, aber kalten letzten Abend haben wir wieder unsere sieben Sachen gepackt und uns von den sehr sehr netten Hausherren verabschiedet ... Bolivien wartete und damit das "wirkliche"Suedamerika...

P.S.
@Uwe: Danke fuer Deine tollen Kommentare. Wir finden es wunderbar, dass Du sogar unsere Route ueber Youtube und Google Earth verfolgst und alles nachliest. Wir versuchen auch immer ein wenig Hintergrundinfo im Internet zu lesen, doch das Netz ist so langsam hier.

@Gerti: Hat doch prima geklappt mit dem Kommentar. Dass die Zeit so schnell und schon wieder Bladenight ist, wahnsinn. Skatet ne Runde fuer uns mit und passt gut auf euch auf. Sag Frank ganz liebe Gruesse und habt eine tolle Feier. Wei war eigentlich die Mai Ralley?

@Moni: Happy Birthday nachtraeglich ... wir haben dich nicht vergessen und ganz fest an Dich gedacht. Hoffentlich habt ihr schoen gefeiert und einen auf uns mitgetrunken.

@Ingola: Danke fuer den Kommentar. Gibt es News im Chor?

Dienstag, 20. Mai 2008

San Pedro de Atacama

Am Freitag sind wir also wie schon geschrieben noch zur CT gegangen, um 19.10 Uhr am Abend...das wuensche ich mir auch mal bei uns...genial. Nachdem wir fuer den Spass knappe 100 EUR los waren (ein Spottpreis!!), hat uns die nette Empfangsdame mitgeteilt, dass es das Ergebnis am Montag gibt. Das ging auf keinen Fall, da wir ja den Bus am Sonntag nach Chile hatten. Also haben wir so lange mit ihr debattiert, bis wir die Zusage der Bilder fuer Samstag frueh um 10 Uhr hatten. Wir sind zum vereinbarten Zeitpunkt auch dort gewesen, aber die Bilder waren nicht fertig. Nun hiess es wieder, dass vor Montag nichts zu bekommen waere.
Wir sind hartnaeckig geblieben, haben berichtet, dass Dr. Casali im Krankenhaus extra heute um 10 Uhr auf uns warte, obwohl sein freier Tag ist und wir die Bilder unbedingt gleich brauchen. Einige Minuten spaeter hatten wir das ok, dass die Bilder in einer Stunde fertig seien und dass sie den Doc informiert haetten, dass er weiter auf uns warte. Da wir sehr geduldig waren und ganz anstaendig, hatten wir die Bilder 30 Minuten spaeter. Juhu. Dr. Casali wartete tatsaechlich im Freizeitdress auf uns und hat gruenes Licht gegeben, der Kopf ist heil. Alles bestens.

So sind wir am Sonntag in aller Fruehe aufgestanden und haben um 7 Uhr
den Bus nach San Pedro de Atacama in Chile bestiegen. Der Bus war wieder
einmal sehr gut, daran kann man sich hier echt gewoehnen und: diesmal
gab's keinen Film, juhu. Lag wohl daran, dass den meisten auch schon so
schlecht wurde, denn die gefuehlten 1.000 Serpentinen bis auf 4.400m waren
nicht ohne. Aber natuerlich logisch, denn immerhin hatten wir die Anden
zu ueberqueren und der Paso de Jama war sehr sehr lang. Im Bus sassen
wir wieder mal in Reihe eins und neben uns eine juengere Blonde, die den
etwas betagteren Ersatzbusfahrer permanent betuedelte. Es stellte sich
schnell heraus, dass die Dame nur zur Unterhaltung des Herren dabei
war...Nach 2 Std stiegen die beiden mitten in der Pampa aus und weg
waren sie...nach weiteren 2 Std hielt der Bus im ansoluten Niemandsland
ploetzlich an...dreimal darf man raten, warum...der Ersatzbusfahrer samt
Anhang stieg ploetzlich wieder ein...sie recht ordentlich, er ziemlich
zerstrubbelt und mit offenem Hemd. Die beiden hatten sich hinten in die
Schlafkabine verzogen und waren nun wieder da...dem ganzen Bus war klar,
war dort hinten abgelaufen war:) Der Ersatzbusfahrer hechtete gleich in
Richtung der sehr komfortablen Bustoilette und hat sich wieder schick
gemacht...witzige Aktion.
Die Strecke war traumhaft und wenn wir Richtung San Antonio schon
dachten, das sei Niemandsland, nein, das war ein Fehler, hier war es...
Es gab irgendwann wirklich kein Gewaechs mehr, nicht mal mehr Moose oder
Kakteen. Aber es gab noch Tiere: Vicunas, eine kleine Form der Alpakas.
Wie die hier leben koennen, ist uns ein Raetsel. Ploetzlich hielt der
Bus im Nichts. Chilenisch-Argentinische Grenze. Wir holten uns den
Ausreisestempel. Einreisestempel gabs keinen, was uns ein wenig Sorgen
machte, denn eine Stunde Fahrerei spaeter hatten wir immer noch keinen
chilenischen Grenzposten passiert. Das Ganze klaerte sich schnell, denn
im 15.45 Uhr kamen wir in San Pedro an und da das der erste Ort nach der
Grenze war (nach ca. 1,5 Std) gab's auch hier den Stempel. Zudem wurde
alles Gepaeck bis aufs Letzte gefilzt, denn man durfte keine
Lebensmittel einfuehren. So stark sind wir wirklich noch nie
kontrolliert worden. Das war nicht einfach, den gut gepackten Rucksack
ploetzlich auspacken zu muessen und in Rekordgeschwindigkeit wieder
ein...Mit dem Stempel sind wir dann in der Wuestenstadt San Pedro
Richtung Ortszentrum getigert und hatten eine halbe Std spaeter auch
eine Unterkunft...Hostal Corvatsch, ganz nett, aber leider gab's nur noch
zwei Einzelzimmer fuer uns. Und nicht mehr billig wie in Argentinien,
sondern fuer insg. 14.000 chilenische Pesos, das sind ca. 20 EUR. Das
Hostel erwies sich in der Nacht als sehr kalt, da das Haus sehr schlecht
isoliert war, bei Flo gab es nicht mal ein Fenster, das war sogar ihm zu
viel Frischluft und das will was heissen.
Am ersten Abend haben wir gleich die Speisekarten gecheckt, das Essen
scheint sich im Gegensatz zu Argentinien wenig zu unterscheiden, ausser
dass hier etwas mehr Gewuerze verwendet werden. Das Tortilla war anders,
schien mit gepressten statt mit Kartoffelstuecken gemacht zu sein, aber
sehr lecker. Aber die Preise sind kaum billiger als bei uns...
San Pedro de Atacama ist eine Oase auf 2.443 m in der trockensten Wueste der Welt, der Atacamawueste. Der Ort hatte 2006 gemäß des Ortseingangsschildes 4.970 Einwohner und erinnert uns sehr stark an Vang Vieng in Laos.
San Pedro liegt am noerdlichen Rand des Salar de Atacama, einer großen Salzablagerung in der Atacamawueste. Das Wasser fuer diesen gruenen Fleck in der Wueste liefert der Rio San Pedro, der, aus den Anden kommend, kurz hinter dem Ort im Salar versickert. In Sichtweite des Ortes befindet sich der Licancabur, ein inaktiver Vulkan. Ein kleines Touristendorf mitten im Nichts umgeben von traumhafter Landschaft. Ich haette mir nie vorgestellt, dass Wueste so toll sein kann. Alle Wuesten, die ich bisher gesehen hatte, waren ganz anders...

Nach einer sehr kalten Nacht haben wir uns am Morgen eine andere
Unterkunft gesucht und sind am Ortsrand auch fuendig geworden. "Cabanas
Candelaria" heisst das Hostal. Einige nette Zimmer im Baustil der Gegend
mit einem schoenen, staubigen "Innenhof", doch sehr gemuetlich. Die
erste Nacht hat bewiesen, dass der Umzug eine gute Entscheidung
war, denn wir hatten neben dicken Decken wirklich aushaltbare
Temparaturen im Zimmer, obwohl es draussen Minusgrade hatte.
Die Waende sind aus dickem Lehm-Steingemisch, so dass die Raeume die
Hitze des Tages (ca. 30 Grad und pralle Sonne, keine Wolke) draussen
halten und aber auch die Kaelte der Nacht. Das Wetter ist hier ein
Phaenomen. Tagsueber sehr heiss, nachts sehr kalt.
Temparaturunterschiede von zum Teil 50-60 Grad. Das heisst, dass man
hier das Sommerkleid und den Winterpelz parallel braucht. Seltsam, aber
wir gewoehnen uns langsam daran.

Am Montag um 15 Uhr haben wir die erste Tour gemacht und zwar in das
"Valle de la Luna" (Tal des Mondes). Was fuer ein Zufall, dass wir am
MONTAG bei VOLLMOND zum TAL DES MONDES fuhren...Wir waren absolut
begeistert. Bei unserem ersten Stopp haben wir einen grossen
Wuestenfuchs gesehen, eines der wenigen Tiere, die hier leben
koennen. In San Pedro kommen vier Gebirgszuege zusammen, die alle
sehr unterschiedliche Hoehen und Formen haben. Die Anden bestehen hier
hauptsaechlich aus Vulkanen und diese sind wirklich atemberaubend
schoen. Sehr hoch und maechtig, riesige Kegel mit Schnee bedeckt. Der
hoechste und imposanteste ist der Licancabur. Das tollste ist, in
der Nacht ist es stockdunkel und der Schnee auf den Bergen
leuchtet. Unglaublich. Die anderen Gebirgsketten bestehen meist aus sehr
salzhaltigem Gestein, daher gibt es hier auch die vielen Salzseen. Das
sind Seen, die so salzhaltig waren, dass die Feuchtigkeit verdunstet ist
und nur noch das Salz uebrig blieb. Das Salz wird hier auch abgebaut,
doch das werden wir uns erst in den naechsten Tagen genauer ansehen. Die
Berge haben bizarre Formen, sehen zum Teil aus wie riesige
Sahnehaufen, sind gelb, rot, grau, weiss.
Der hoechste und imposanteste Vulkan in der Naehe von San Pedro de Atacama ist der Licancabur. Er ist ein inaktiver Vulkan mit einer Hoehe von 5.920 m.
In seinem Krater befindet sich der hoechstgelegene See der Welt, in dem, trotz Außentemperaturen bis −30 °C, eine Vielzahl an Lebewesen gedeiht. Wegen der extremen Umweltbedingungen ist diese Flora und Fauna im etwa 5000 m² großen See von evolutionaerem Interesse. Erkenntnisse ueber die Anpassung der Tiere und Pflanzen an die extremen Bedingungen sollen helfen, die Entwicklung des Lebens in seinen fruehesten Stadien zu verstehen.

Wir sind dann durch das "Valle de la Muerte (Tal
des Todes)" gelaufen und konnten uns gar nicht sattsehen. Dort gibt es riesige Duenen aus dunkelgrauem, ganz feinem Sand. Die letzte
Station des Ausflugs war der Sonnenuntergang im Tal des Mondes. Wir sind
auf eine riesige Duene gelaufen, was durch den weichen Sand und die Hoehe sehr
anstrengend war. Auch wenn die Hoehe hier noch nicht so extrem ist,
scheint die Luft schon wesentlich duenner zu sein und Anstrengungen
sind sehr muehsam. Dementsprechend sind wir wie die Schnecken den Berg
hochgekrochen, zumal wir bei zwei Schritten vor, auch immer einen zurueck
fielen. Aber die Anstrengung lohnte sich. Oben bot sich uns ein
traumhafter Rundumblick. Am interessantesten war nicht die Richtung, in
der die Sonne unterging, sondern die genau gegenueber, in der der Vollmond
parallel dazu aufging. Der Himmel faerbte sich in verschiedenste Farben,
was dazu fuehrt, dass die Berge unterschiedlich leuchten. Wow. Ein
absolut sehenswertes Fleckchen Erde. Nachdem die Sonne weg war, wurde es
innerhalb weniger Minuten sehr kalt und man brauchte Pulli und Jacke, nicht mehr
kurze Hose und Tshirt. Wieder zurueck im Hostal haben wir wieder mal
festgestellt, dass wir es hier einfach nicht schaffen, eine leckere
Tomatensosse zu kochen...ich denke, dass es an den suessen Tomaten
liegt, keine Ahnung.

In San Pedro herrscht natuerlich absolute Wasserknappheit, so dass
man mit Wasser sehr sparsam umgehen muss. Hier ist auch endgueltig
Schluss mit Trinkwasser aus der Wasserleitung.

Gestern haben wir uns dann einen faulen Ausschlaftag gemacht und zwei
Stunden mit zwei deutschen Schuelern bei uns im Hostel geratscht, die
hier zum Schueleraustausch sind. Eine wirklich geniale Sache.
Anschliessend sind wir in den Ort gelaufen und haben erst mal was gegessen...die Reste wollte unbedingt ein Hund haben, der sogar den Muelleimer auf den Kopf gestellt hat, um an das leckere Futter zu kommen.
Dann haben wir einen kleinen Besuch im Supermarkt gemacht, um unsere Vorraete mit allerhand Leckereien aufzufuellen. Da kann sich ja keiner entscheiden, bei so viel Auswahl. Erstaunlich, dass es hier ganz viele Dinge gibt, die es auch bei uns in Deutschland gibt. Und das obwohl wir in der tiefsten Wueste sind...
Nach der Shoppingttour haben wir versucht, einen Blog zu schreiben, aber das wird immer schwieriger...es gibt zwar Internetcafes, doch die Verbindung ist zum Teil so langsam, dass selbst einloggen schon 15 Min dauert. Am Schreiben und Speichern kann man da echt verzweifeln. Daher werden wir also in den naechsten Tagen und Wochen vermutlich nicht mehr so oft schreiben koennen, weil es einfach wahnsinnig muehsam ist.
Danach gab es einen unglaublich leckeren Schokokuchen im Cafe, dem wir einfach nicht widerstehen konnten. Der Gag im Cafe war, dass an den Waenden uralte deutsche Schilder hingen, die pro Naturschutz warben...Wer die wohl hier lesen kann...Schade, dass es den Kuchen nur dieses eine Mal gab...Obwohl wir jeden Tag wiedergekommen sind und geschaut haben, ob es ihn wiedergibt, aber leider Fehlanzeige...sehr zum Leidwesen von Flo...

Wir hatten fuer den Abend geplant, zum Sandboarden ins Tal des Todes bei Vollmond zu gehen. Die Tour sollte um 21 Uhr losgehen, so dass wir uns vorher noch was zu essen besorgt haben. Die Restaurants bestehen hier meist aus einem Hof mit Lagerfeuer. So
lange man direkt am Feuer sitzt, ist das ok, alles andere ist einfach unheimlich kalt. Wir haben einen tollen Platz gefunden und bei traumhafter chilenischer Musik, Sternenhimmel und Lagerfeuer unser Omelett genossen. Das war wirklich filmreif und wahnsinnig toll. Ich waere am liebsten gar nicht mehr gegangen.

Um 21 Uhr waren wir dann bei der Agentur, die das Sandboarding
organisiert und diese hat uns dann mitgeteilt, dass wir leider fuer 11
Leute nur einen Pickup haben und zweimal fahren muessen...so sind wir
gleich eingestiegen, die Boards kamen hinten drauf und los ging's. Wir haben
uns warm eingepackt, denn die Wueste soll ja in der Nacht kalt sein.
Lange Unterhosen, Hosen, Pulli, dicke Jacke, Muetze und Handschuhe und
wir hatten Zweifel, ob das genug war...
Die Strasse zum Tal des Todes bestand nur aus Steinen und Loechern im
Staub. Der Vollmond hat das Tal so hell beleuchtet, dass man eine tolle
Sicht auf die Berge um uns herum hatte. Der Himmel ist hier nachts voll von
tausenden Sternen und Sternschnuppen gibt es hier zu Hauf. Wir sind
zusammen mit zwei koreanischen Amerikanern, einer Japanerin, einer
Deutschen, einer Hollaenderin, einer Italienerin und zwei weiteren die
Duene hochgelaufen, was selbst nachts im Kalten sehr sehr anstrengend
ist. Aber wir haben festgestellt, dass der Sand, wenn er abgekuehlt ist,
ein klein wenig fester wird. Oben angekommen hat unser Guide Christian
erst mal die Boards auf unsere Fuesse eingestellt und Kerzen an uns
verteilt. Damit hiess es: wachsen. Wir haben also wie die Verrueckten
die Boards unten mit der Kerze abgerieben und dann ging's los. Nach den
Anweisungen (nur nach hinten lehnen, moeglichst keine Kurven
fahren,..) haben wir den ersten kleineren Hang getestet. Flo hatte da
als Snowboarder natuerlich klare Vorteile, wenn auch er so seine
Problemchen hatte. Ich bin immerhin halbwegs stehend die Duene bis
nach unten gekommen, auch wenn der Sturz in den Sand irgendwann unvermeidbar
war. Beim Hochlaufen war dann ganz schnell klar: die Klamotten, die wir
hatten reichten aus. Alles optimal. Aber anstrengend ohne Ende. Der Sand
wurde merklich kaelter und unsere Kuenste immer besser, vor allem Flo's:)
Nach jeder Fahrt musste natuerlich wieder ausgiebig gewachst werden, so
dass Sandboaring schon viel mit dem Snowboarden gemein hat: die meiste
Zeit sitzt man auf dem Hintern und schraubt oder wachst. Unser Guide
hatte Musik und Bier dabei, so dass das Ganze schnell zu einer
gemuetlichen Angelegenheit wurde. Spass hatten wir jede Menge,
Geschichten haben wir auch genug gehoert und es ist einfach immer wieder
spannend, was andere Reisende so berichten. Fast alle, die wir bisher
getroffen haben, sind 3-12 Monate unterwegs, fuer einen normalen Urlaub
kommt hier keiner her. Der Mond und die Sterne waren in der Nacht ein
Traum, wir haben jede Minute genossen und Flo hat sich sogar auf den
steilen Hang mit Christians professionellem Board getraut und sich mehr
als gut angestellt. Bei den letzten zwei Fahren haben wir das Board als
Schlitten verwendet, was irre Spass gemacht hat, vor allem zu zweit,
doch danach hatten wir den Sand endgueltig ueberall, wo er vorher noch
nicht war. Ich habe auch eine gehoerige Ladung geschluckt, aber ich
bereue nix.:) Gegen Mitternacht haben wir den Rueckweg angetreten und
wollten nur noch eines: duschen. Wir haben uns dann vor der Haustuere
bis aufs letzte Hemd ausgezogen, die Sandberge aus den Schuhen geleert
und alles ausgeschuettelt. Viel geholfen hat es nicht. Alles war absolut
waschreif. Immerhin hatten wir halbwegs warmes Wasser, wenn auch immer
nur sekundenweise, aber so lernt man sparsam zu duschen.

Heute haben wir dann alles gewaschen, was zu waschen war und sind dann
Richtung Dorf gepilgert. Wieder mal. Nun ist endlich der Blog
geschrieben. Ein Schokokuchen muss noch sein, denn der ist hier
unheimlich lecker. Und ich habe mir noch ein paar Wollsocken bis zum
Knie gekauft und eine warme Strickjacke, denn die werden wir brauchen....
Heute Abend werden wir mit den beiden Deutschen den Grill anfeuern und
morgen gemeinsam um 4 Uhr morgens zu den Geysiren de Tatio aufbrechen.
Das wollte ich schon immer mal sehen und ich kann es kaum erwarten.

Am Freitag brechen wir zu einer 3 taegigen gefuehrten Suedbolivientour
auf, die uns ueber diverse Lagunen (mit Flamingos), Geysiren, Vulkanen
bis hin zu dem groessten Salzsee der Welt, dem Salar de Uyuni fuehren
wird. Somit werden wir Chile nach einer knappen Woche wieder verlassen
und freuen uns schon auf das, was kommt. Dies wird sicher eine der
interessantesten Touren unserer Reise werden, die uns bis auf 5000m Hoehe
fuehren und einmalige Naturschauspiele zeigen wird. Die Fahrt bis
zur Grenze geht mit dem Bus und dann steigen wir in einen Jeep um. Die zwei
Naechte in den sehr einfachen Baracken auf 4500m sollen sehr sehr kalt
werden (minus 20 Grad sind normal) und ein wenig Bammel haben wir schon,
aber warme Klamotten haben wir nun, der Rest wird schon
werden...Immerhin kann man in den Lagunen baden, wenn es schon 3 Tage
keine Duschen gibt:)

Somit werden wir uns also erst naechste Woche wieder aus Uyuni in
Bolivien melden...


Was mir gerade noch einfaellt, was wir bisher vergessen hatten:

1. In Chile gibt es den chilenischen Peso, der einen unmoeglichen
Umrechnungkurs hat (1000CLP=1,40€). Da kann man echt zum Rechenkuenstler
werden, vor allem wenn wir nun unsere noch vorhandenen, argentinischen
Pesos in Bolivianos und chilenische Pesos tauschen. Bin mal gespannt, ob
wir da noch durchblicken.

2. Die Aufloesung der Suchbilder hat Flo zu den Bildern dazugeschrieben.

3. Flo hat in Argentinien schon mal ein Lama-Medallion probiert (hab
auch nen Bissen gewagt). Sehr zaeh, aber durchaus schmackhaft, daher
gibt's das Fleisch nur in ganz duenn.

4. Schuluniformen sind in Argentinien und Chile sehr witzig. Die
Uniformen werden als Werbung fuer die Schule getragen, nicht um soziale
Unterschiede unsichtbar zu machen. Schueler der Unterstufe tragen
chemielaborantenaehnliche Kittel (mal in weiss, mal in braun oder lila),
die der Oberstufe etwas schickere Kleidchen oder Hosen. Um sich
abzugrenzen tragen die Schueler die Kittel so dreckig wie moeglich. Wir
haben erfahren, dass Schueler in Chile mit Rasierer auf die Toilette
geschickt werden, wenn sie nicht ordentlich rasiert sind. Immerhin sind
sie das Aushaengeschild der Schule.

5. Wir freuen uns immer wieder ueber alle Kommentare, auch wenn es bei
der Schnelligkeit des Internets unmoeglich ist, euch allen einzeln zu
antworten.

Freitag, 16. Mai 2008

Zurueck nach/in Salta

Die Rueckfahrt brachte keine weiteren Sensationen, ich bin durch gefahren und wir sind wohlbehalten am Nachmittag in Salta angekommen. Susi hat sich sofort ins Bett gelegt und dort erstmal 24 Stunden verbracht. Ganz brav...Die Kopfschmerzen waren danach weitgehend weg, dem Nacken ging es gut und die Wunde an der Stirn hat angefangen zu heilen. Um auf Nummer sicher zu gehen, wollten wir aber noch einen Arzt befragen und der war abends nur im Hospital anwesend. Die Steuerberaterin unseres Hotels hat uns, nachdem sie ein privates Hospital ausfindig gemacht hatte, zuerst zur Bank gefahren (wir wussten ja nicht, was da auf uns zu kommt) und dann ins Hospital. Dort hat sie das Erstgespraech gleich selbst in die Hand genommen und den Damen bei der Aufnahme genau erklaert, was wir ihr vorher im Auto auf englisch erzaehlt hatten. Das hat sehr geholfen und wir waren nach Barzahlung von 30 Pesos (6 Euro) innerhalb von 10 Minuten dran. Die Aerztin war super nett und hat uns nach einer guten Untersuchung weiter zum Roentgen geschickt (43 Pesos = 8,50 Euro). Dort angekommen haben wir ein wirklich altertuemliches Geraet vorgefunden, fuer unseren Zweck aber wohl durchaus ausreichend. Das Ergebnis war sehr zufriedenstellend, keine Loecher im Kopf, alles ok! Nachdem uns die Aerztin mit einem Kuesschen verabschiedet hat (lustige Sitte hier ... nach 5 Minuten Bekanntschaft) sind wir mit einem Sicherheits-Termin beim Neurologen (50 Pesos, also 10 Euro) am naechsten Tag wieder gegangen.
Tags drauf, beim Neurologen - er hat die ueblichen Untersuchungen gemacht, wie bei uns - und alles fuer ok befunden. Wir wurden erneut mit einem Bussi auf die Backe verabschiedet. Und einer Empfehlung fuer einen Arzt mit CT, da hier wirklich alles sehr genau gemacht wird und er 1000% sicher gehen wollte. Das ist also unser naechster Termin heute (jetzt dann gleich). Wir erwarten nichts Neues, es scheint ja alles gut zu sein. Schmerzen und Schwellung sind zu 90% weg, wollen aber einfach auf Nummer sicher gehen bevor wir weiterreisen.

Mit einem Certificado vom Doktor haben wir es auch geschafft, das Busticket nach Chile zu verschieben, so dass wir erst am Sonntag reisen. Alles kein Problem, so freundlich wie die Menschen hier sind.

Gestern sind wir als einzige Aktion auf den Cerro San Bernardo (Huegel ueber der Stadt) mit einer Seilbahn gefahren. Der Blick dort oben ist super und wer haette schon gedacht hier mitten in Argentinien eine moderne Seilbahn mit "Einhaengtechnik" zu finden? Nach drei netten Stunden mit Umschauen und Rumlaufen und vor allem im Cafe sitzen sind wir zu Fuss abgestiegen. Leider haben wir die Strecke etwas unterschaetzt und haben dann tatsaechlich 1,5 Stunden gebraucht bis wir wieder im Hotel waren. Alles in allem ein schoener, ruhiger Tag mit viel rumhaengen und lesen.

Heute haben wir wie jeden Tag die Fruehstueckszeit voll ausgenutzt und sind wieder mal um 5 Min vor 10 erschienen, was unsere Gastwirte schon von uns kennen. Danach muss man etwas erwaehnen, was bei uns eine Lapalie ist, hier aber fuer uns eine Sensation. Wir haben hier einen Foen im Zimmer, so dass Susi nach 4,5 Wochen wieder mal die Haare foenen konnte, anstatt per Luft trocknen zu lassen, ein echter Luxus, den wir so schnell vermutlich nicht wieder haben werden:)